1859_Rupius_160_40.txt

es wohl wahr, Sir," begann sie vorsichtig, "dass Mr. Baker und Miss Ellen Neujahr mit einander versprochen werden sollen?"

Helmstedt fühlte, dass er kalt wurde. "Neujahr? dazu wird's, glaube ich, noch nicht kommen," sagte er nach kurzer Pause, "woher weisst du das?"

"Well, Mr. Elliot spasst manchmal mit mir und meinte heute Morgen, es sei das Beste, wenn ich jetzt noch Mortons Cäsar nähme, mit dem ich einmal ein verhältnis gehabt, den ich aber nicht mag, dann könnte's bald zwei Hochzeiten geben, und Dick hat gehört, wie Mistress Elliot gesagt, Mr. Baker müsse gleich nach Neujahr abreisen und die Sache könne an dem Tage wenigstens vorläufig abgemacht werden. Dick ist bestellt, morgen die Ladies wieder heimzuholen."

"Ich glaube nicht, Sarah, dass Mr. Baker daran denken wird."

"Glauben Sie wirklich nicht, Sir?"

"Wenn du Angst wegen Cäsar hast, so will ich dir sogar bestimmt versichern, dass Niemand an die Sache denken wird."

Sarahs Gesicht begann sich aufzuklären. "Dank Ihnen, Sir, ich konnte mir's auch denken," sagte sie und verschwand.

Helmstedt zog eilig sein Pferd heraus, nahm die Reitpeitsche und schwang sich auf. Die Sache wurde Ernster musste Seifert finden und ihm wo möglich einen Tag abhandeln. Im scharfen Trabe ritt er die Strasse hin, er erreichte die Waldecke, wo er mit Ellen auf Baker getroffen, und fast auf derselben Stelle parirte er sein Pferd. Keine hundert Schritte vor ihm kam Baker ihm wieder entgegengetrabt.

Helmstedt, die zusammengezogenen Augen auf den Herankommenden gerichtet, schien einen Augenblick unschlüssig, was zu tun; dann aber, wie von einem hellen Gedanken belebt, ritt er langsam weiter. Baker trabte herbei, den Kopf hoch und das Gesicht den Feldern zugekehrt, als denke er gar nicht daran, von der Begegnung Notiz zu nehmen; als er aber nahe genug heran war, trieb Helmstedt sein Pferd quer über des Andern Weg, dass dieser genötigt war, die Zügel anzuziehen. Die Augen der beiden Männer trafen sich und wurzelten eine Secunde lang ineinander. "Was soll das?" brach Baker los, "geben Sie Raum, Sir!"

"Ich habe Ihnen ein paar Worte zu sagen, die Sie anhören werden!" entgegnete Helmstedt ruhig, aber mit fest auf ihn gerichtetem Blicke.

"Habe nichts mit Ihnen zu reden, geben Sie freien Weg, oder ich verschaffe mir ihn!"

"Vielleicht sind Sie mir dankbar, dass ich Sie angehalten und reiten von selbst nicht weiter. Ein verständiger Mann hört doch erst."

Bakers blick schien einen Augenblick das ernste Gesicht seines Gegners durchdringen zu wollen. "Was ist es? machen Sie es kurz!"

"Kaum ein paar Worte, Sir! Ich möchte Ihnen nur mitteilen, dass ziemlich genaue Nachrichten über Sie selbst und Ihren Grundbesitz eingelaufen sind, die hämischer Weise benutzt werden sollen, um Sie am Tage Ihrer Verlobung mit Miss Elliot als Schwindler festnehmen zu lassen. Sie müssen selbst am besten wissen, was Sie zu befürchten haben und ich mache Ihnen die Mitteilung nur, um vielleicht der Familie Elliot einen öffentlichen Scandal zu ersparen. Das ist Alles, Sir!"

"Halt an!" rief Baker, sich verfärbend, als Helmstedt jetzt sein Pferd zurückziehen wollte. "Sie scheinen es darauf abgesehen zu haben, mir bei jeder Begegnung Beleidigungen ins Gesicht zu werfen; Sie kommen aber bei Gott diesmal nicht so davon. Sprechen Sie deutlich und geben Sie Rechenschaft von ihren halben Worten, oder ich schiesse Sie nieder wie einen Hund!" Die Hand des Sprechenden fuhr nach der Brusttasche. In Helmstedts Gesicht trat ein leichtes Rot, er fasste die Reitpeitsche in der Mitte, das dicke Ende mit dem schweren Bleiknopfe nach oben gekehrt. "Ich habe mich eigentlich zur Verschwiegenheit bis Neujahr verpflichtet," sagte er, scharf jede Bewegung des Gegners bewachend, "auf Sie selbst, der Sie Ihre eigenen Verhältnisse jedenfalls besser kennen, als ich, kann das aber natürlich keine Anwendung finden. Die Sache ist die, Sir, dass Sie weder Pflanzer, noch ein Mann von Alabama sind, sondern ein Spieler von Profession und ein New-Yorker Industrie-Ritter, der sich jetzt hier festen Boden unter die Füsse schaffen will, und dass Sie am besten tun, sich davon zu machen, wenn Sie Ihre Lügen nicht aufgedeckt sehen wollen!" Helmstedt sah, wie während er sprach, sich Bakers Hand in der Brusttasche ballte, wie dessen Auge einen Ausdruck gleich den einer lauernden Katze annahm; kaum hatte er aber das Wort "Lügen" ausgesprochen, als auch Jener mit einem wilden "God –!" seinen Revolver hervorriss. Helmstedt war darauf vorbereitet gewesen und fast im gleichen Augenblicke traf ein Hieb des schweren Endes seiner Reitpeitsche Bakers Hand, dass die Waffe über die nächste Einzäunung in die dichten Brombeer- und Schwarzbeer-Büsche flog. Des Amerikaners Pferd tat erschreckt einen Satz zur Seite, dass der Reiter fast aus dem Sattel geworfen wurde, und sprengte davon; Helmstedt zügelte sein eigenes unruhig gewordenes Tier und blieb dann, die Reitpeitsche in der Hand wiegend, in der Mitte der Strasse halten, bis Baker wieder Macht über sein Pferd gewonnen hatte, es herumwarf und zurückkam. Zwei Schritte vor dem Deutschen hielt er still.