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das Haus und überdachte das sonderbare verhältnis, in welches er geraten war. Die Hausherrin, die das innere Regiment allein zu führen schien, war bereits gegen den "Ausländer" eingenommenin welchem Grade wusste er noch nicht einmal; Elliot, bei aller äusserlichen Gutmütigkeit ihn doch nur als Mietling betrachtend, – und dazwischen Ellen, die sich an ihn anklammerte und auf Schutz gegen ihre Eltern rechnete. Und brachte er es auch dahin, Bakers Gaunereien offen zu legen, so musste von dem Augenblicke an sein verhältnis zu Ellen ein schiefes, wo nicht gar beargwohntes, und seine Stellung in der Familie eine durchaus unhaltbare werden. Mochte es aber aucher war ja im höchsten Notfalle nicht hier gebunden und konnte dann wenigstens eine süsse Erinnerung mit sich forttragen.

Als er um das Haus bog, sah er eine angespannte Kutsche an der Vordertür halten, Dick auf dem Bocke und Sarah an dem geöffneten Schlageeben trat Elliot mit Frau und Tochter vom Portico herab, hob Beide in den Wagen, winkte ihnen noch ein "good bye" zu, und fort rollten sie. Helmstedt ging in sein Zimmer zurück; er hatte nicht einmal Ellens Gesicht gesehen und als er sich mit einem Missmute, von dem er sich selber keine Rechenschaft gab, auf einen Stuhl warf, kam ein Gefühl des Alleinstehens über ihn, wie er es selbst in Amerika noch niemals gekanntSarah rief zum Frühstück, wo ihm Elliot von einer Einladung erzählte, welche die Ladies erhaltenwann sie zurückkehren würden, sagte er nicht und Helmstedt durfte nicht danach fragen.

Nach beendigtem Mahle erbat sich Helmstedt Elliots Rechnungsbücher; er wollte scharf arbeiten, um sich alle lästigen Gedanken vorläufig aus dem Kopf zu schaffen, und sich zugleich bis zur Rückkunft des Pedlars klarheit über das zu verschaffen was ihm fehleund bald sass er mit einem Haufen ungeordneter Papiere in seinem Zimmer. Er begann zu fortiren, durchlas Briefe und Rechnungen, um so viel als möglich erst die Weise des Betriebes kennen zu lernen, aber er las oft eine Sache dreimal über und wusste doch nicht, wovon die Rede war. Seine Gedanken waren überall, nur nicht bei seiner Beschäftigung, und je mehr er sich zur Aufmerksamkeit zwingen wollte, desto mehr bemächtigte sich eine unbestimmte Unruhe seiner, die ihn endlich vom stuhl austrieb. Er öffnete seinen Koffer und holte Ellens Zeilen hervoraber ehe er sie entfaltete, legte er sie wieder zurück. "Oel ins Feuer!" murmelte er; er setzte sich wieder an seinen Arbeitstisch und stützte den Kopf in die Hand, sinnend und sich in seine Gedanken verlierend. Erst nach einer langen Weile erhob er sich wieder. "So wird das nichts heute!" sagte er und rieb sich die Stirne. Er nahm seinen Hut, ging nach dem Stalle und sattelte sein Pferd; er wollte einen Rundritt durch die Farm machen, aber als er sich nach einer Weile nach seinem Wege umsah, befand er sich auf derselben Strasse, die er tages zuvor mit Ellen zurückgelegt. Er ritt weiter und sah bald in der Ferne Mortons Wohnhaus durch die neblige Luft leuchten, aber die Gedanken an die jetzige Mrs. Morton, welche der Anblick in ihm hervorrief, waren wenig geeignet, seine Stimmung zu erheitern. Er ritt von der Strasse ab, quer durch ein offenes Stück Waldland; eine neue Strasse tat sich hier auf, in welche sein Pferd ungeleitet einbog und erst, als es vor einem geschlossenen Gattertor stehen blieb, merkte Helmstedt auffahrend, dass er weder auf die Strasse noch auf das Pferd geachtet. Er blickte um sich und sah nichts als Wald und eingezäunte Felder. unwillig über sich selbst, trabte er zurück; nach kurzem Ritte aber teilte sich die Strasse in drei verschiedenen Richtungen und Helmstedt hielt an, ungewiss, welche zu wählen. "Irgend wohin komme ich jedenfalls!" murmelte er nach kurzem Nachdenken und schlug die Strasse ein, welche der Richtung nach Oaklea am nächsten zu sein schien.

Eine Meile mochte er, aufmerksam die Gegend musternd, fortgeritten sein, als ihm endlich ein Neger zu Pferde begegnete, bei dem er sich nach dem rechten Wege erkundigte.

"Well, Sir, Sie drehen Oaklea beinahe den rücken zu," erwiderte dieser; "wollen Sie hier mit mir quer durch den Busch reiten, bis auf die andere Strasse jenseits, so kann ich Ihnen den Weg beschreiben." Helmstedt folgte dem Führer, dessen höfliche Bereitwilligkeit ihn wohltuend berührte, und horchte, wieder im Freien angekommen, einer verwickelten Beschreibung von Wegen. Nachdem er den Schwarzen mit einem kleinen Geschenke entlassen, machte er sich auf den Heimweg, der seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Es war fast Mittag, als er Oaklea erreichte, aber das kleine Ereigniss hatte ihm seine Controle über sich selbst wiedergegeben; er war ruhig geworden und konnte sich Nachmittags mit Ernst an die Morgens unterbrochene Arbeit machen.

Zwei einförmige Tage waren vergangenEllen und ihre Mutter waren noch nicht zurückgekehrt; Elliot schien sich in seiner Bibliotek abgeschlossen zu halten und Helmstedt beschloss am dritten, nach der Stadt zu reiten und seine Bankanweisung zu versilbern und womöglich Seifert noch einmal zu sprechen. Es war der Tag vor Sylvester. Helmstedt war eben im Stalle beschäftigt, sein Pferd zu satteln, als sich vorsichtig ein schwarzes Gesicht hereinbog und mit den Augen den Stall durchlief. – "Well, Sarah," begann Helmstedt, "etwas Neues?"

Die Schwarze huschte herein. "Ist