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den zweiten Tag nach seiner Ankunft ohne einen rechten Grund von Morgens bis Abends weggeblieben zu sein und dabei konnte er die Ahnung von etwas Unangenehmen, das während seiner Abwesenheit passirt sei, nicht los wenden. Elliot sass am Feuer, in einem buch blätternd, als der junge Mann in das bezeichnete Zimmer trat. "Well, Sir" sagte er, nur einen Augenblick aufschauend, "haben Sie sich die Gegend angesehen?"

"Ich muss wirklich um Entschuldigung bitten, dass ich so lange ausgeblieben bin," erwiderte Helmstedt, "ich bekam während meines Rittes mit Miss Ellen eine Nachricht, bei der sich vielleicht ein paar hundert Dollars verlornes Geld wieder erlangen liessen und ritt deshalb ohne Verzug nach der Stadt; ich bin freilich, wenigstens was das Geld betrifft, vergebens geritten."

Elliot nickte, als denke er an etwas Anderes. "Brauchen Sie nur Ihre Zeit, wie Sie wollen, Sir," sagte er nach einer Weile, "bis Neujahr sind Festtage und Sie finden vielleicht in der Stadt einige Zerstreuungich habe Ihnen dort auf dem Tische eine Bankanweisung auf Ihr halbjährliches Gehalt hingelegt." Helmstedt verbeugte sich dankend. "Haben Sie mir sonst irgend etwas zu sagen, Mr. Elliot?"

"Durchaus nichts, verfügen Sie ganz über sich!" erwiderte dieser, ohne von seinem buch aufzusehen. Helmstedt ging, aber lag ihm auch keine sorge über seine eigenmächtige Abwesenheit mehr auf dem Herzen, so bedrückte ihn jetzt Elliots kalter, nachlässiger Ton, der so sehr von seiner gestrigen Herzlichkeit abstach. Irgend etwas war in seiner Abwesenheit vorgegangen und Baker, der bei seiner Begegnung mit ihm auf dem Wege nach Oaklea gewesen war, stand jedenfalls damit in Verbindung. Indessen hatte Helmstedt sein halbjährliches Gehalt in der tasche, und Neujahr, wo er über Baker sprechen durfte, war nach fünf Tagen. Die Dinge konnten abgewartet werden. Er ging nach seiner stube und begann seinen Koffer auszuleeren und seine Wäsche in der Kommode zu ordnen, bis es dunkel ward und ihm Sarah meldete, dass der Tee bereit sei.

Die Familie sass bereits, als er das Speisezimmer erreichte. Elliot lud ihn mit einer stummen Handbewegung ein, seinen Platz einzunehmen. Mrs. Elliot füllte schweigend seine Tasse und Ellen sah nach kurzem Aufblicke wieder auf ihren Teller. Auch als Helmstedt sich gesetzt hatte, fiel von keiner Seite ein Wort, Jeder schien mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt zu sein, und die allgemeine Schweigsamkeit brachte einen beengenden Eindruck auf den Eingetretenen hervor; es wurde ihm fast, wenn er an Elliots veränderten Ton gegen ihn dachte, als müsse die auffallende Stille directen Bezug auf ihn haben.

"'S ist während der Feiertage ziemlich einsam und langweilig bei uns," begann Elliot, als fühle er sich selbst unbehaglich, "unser Städtchen hat aber zu der Zeit desto mehr Leben und so muss man sich dort helfen."

"Ich hatte nicht daran gedacht, wieder nach der Stadt zu gehen," erwiderte Helmstedt, "ich hatte mir vorgenommen, bis Neujahr Ihre Bücher und Rechnungen zu meiner Information durchzusehen und die Einrichtungen der Farm kennen zu lernenzur Unterhaltung aber ist ja ein Piano hier und wenn Miss Ellen glaubt, von mir etwas profitiren zu können und nichts anderes vor hat, so liesse sich jetzt ein recht guter Anfang damit machen."

Ellen warf rasch aussehend ihn einen blick zu, der sprechen zu wollen schien, sah dann seitwärts auf ihre Mutter und suchte wieder ihren Teller; Mrs. Elliot aber sagte kalt, ohne die Augen aufzuschlagen: "Ich glaube kaum, dass meine Tochter hier sein wird!" und damit trat die vorherige Stille wieder ein, bis sich die Hausherrin erhob und mit Ellen das Zimmer verliess. Elliot setzte sich ans Feuer. "Nehmen Sie Platz, Sir!" sagte er und winkte Helmstedt, einen andern Stuhl einzunehmen. "Es tut mir leid, Sir," fuhr er fort, "dass Sie heute meiner Ellen wegen eine Unannehmlichkeit gehabt haben. Sie kannten natürlich den Gentleman nicht und Ellens Wesen auch noch nicht. Ich habe das Mädchen etwas verzogen, sie lässt ihren Einfällen mehr Gewalt über sich, als sie sollte, und so hat heute ihre Laune die Differenz herbeigeführt. Meine Frau ist etwas verstimmt darüber, wie Sie wohl eben gesehen haben, sie gibt mir und meiner Erziehung die Schuld, und sie mag auch vielleicht Recht haben."

"kennen Sie den Herrn genau, von dem Sie eben sprachen?" fragte Helmstedt, "ich muss Ihnen ganz offen gestehen, dass ich vielleicht seiner Zudringlichkeit gegen Miss Elliot nicht so entgegengetreten wäre, wenn ich nicht den Mann für etwas Anderes gehalten hätte, als er sich gibt –"

"'S ist schon recht," unterbrach ihn Elliot, "ich mache Ihnen auch keinen Vorwurf, ich bemerke es Ihnen nur, weil der Gentleman dann und wann unser Haus besucht und zu den genauern Bekannten meiner Frau gehörtund," fuhr er mit einem gutmütigen Lächeln fort, "wenn Sie in Amerika rasch fortkommen wollen, Sir, so müssen Sie es mit den Ladies nicht verderben."

Helmstedt sass und schwankte, ob er die Familie in ihrer Sicherheit warnen sollte, aber jede unbestimmte Warnung hätte eine genauere Erklärung nach sich ziehen müssen, und er verwünschte die gegen Seifert eingegangene Bedingung. "Ich möchte von Herzen wünschen," sagte er endlich, "dass ich heute im Unrecht gewesen wäre. Sie