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belogen haben, so bin ich an nichts gebunden."

"Lassen Sie uns wieder Platz nehmen, es ist nicht nötig, die Aufmerksamkeit der Gäste auf uns zu lenken, selbst wenn sie uns nicht verstehen. Meine Bedingung," fuhr Seifert fort, als sie wieder an dem früheren Orte sassen, "ist, dass Sie bis zum Neujahrstage keinen Gebrauch irgend einer Art von meinen Mitteilungen machen; ich habe mit dem bewussten mann selbst ein kleines Geschäft und mein Interesse würde, käme er früher in übeln Geruch, am meisten leiden. Ich gestehe Ihnen, dass ich mit meiner Stellung nicht zufrieden bin und mir den längsten Termin einer Verbindung mit ihm bis Neujahr gestellt habe. Sie werden also die gestellte Bedingung nur billig finden."

"Ich gehe sie ein," erwiderte Helmstedt nach kurzem Nachdenken, "und gebe Ihnen mein Wort sie zu halten."

"Ich kenne Sie, Herr von Helmstedt, und baue darauf – 's ist wirklich was Schönes, um so ein blosses Wort, wenn man seines Mannes sicher istdas Schlimmste dabei ist nur, dass die Wortalter in der Regel dasselbe Vertrauen zu Andern haben, und so am meisten betrogen werden – 's ist wohl darum auch nie ein Gericht für mich gewesen. Well, Sir, unser Mann gilt hier für einen reichen Alabamaer aus dem Süden, ist aber nur insofern von mir unterschieden, als er ausser meiner leidenschaft, leicht und schnell Geld zu machen, auch noch eine andere hat, nämlich in Liebe mit jungen reichen Mädchen zu speculiren, was übrigens dann und wann, wenn ihm eine Ueberrumpelung gelungen, ganz hübsche Interessen abwirft. Im Augenblicke scheint er durch eine reiche Heirat diesen Geschäftsteil zum Abschluss bringen zu wollen, ich weiss aber wirklich nicht, wie weit er damit gediehen ist. Dass ich hier als Spieler von Profession gelte, wissen Sie schon, es ist aber eigentlich sein Geschäft und ich repräsentire nur die Firma der Oeffentlichkeit gegenüber, damit er als seiner Gentleman unbeargwohnt Kunden zuführen und seiner zweiten leidenschaft nachgehen kann. Er hat mich zu diesem Zwecke von New-York hergelockt, und wenn auch das Geschäft durchaus nicht schlecht gewesen ist, so bin ich doch des hiesigen Lebens und der Handlangerdienste herzlich müde; Neujahr wird, wie gesagt, jedenfalls eine Aenderung darin eintreten."

"Er hat also keine Besitzungen in Alabama?"

"Eben so wenig wie ich und Sie, er mag aber früher sich viel im Süden herumgetrieben haben und die Verhältnisse genau kennen. 'S ist ein New-Yorker Kind und ich möchte wohl seine Terrainkenntniss, durch die er sich dort in den ersten Familien bewegt, haben. – Well, Sir, ich glaube, das dürfte Ihnen vielleicht genügen, ich habe Ihnen so weit reinen Wein eingeschenkt, und es sollte mir leid tun, wenn weitere fragen meine speziellen Interessen beträfen, die ich nicht ebenso beantworten könnte."

"Gut, Seifert," erwiderte Helmstedt nach kurzem Besinnen, "ich glaube, es ist vorläufig genug. Sie werden es aber natürlich finden, wenn ich hier und da in Ihre Wahrhaftigkeit ein bescheidenes Misstrauen setze. Bestätigen sich Ihre Angaben nach Neujahr, so nehme ich dann meine Anklage in New-York zurück. Haben Sie noch etwas zuzusetzen oder zurückzunehmen, so tun Sie es jetzt."

"All right, Sir!" rief Seifert, laut genug, um von allen Gästen gehört zu werden und sich mit der Miene eines befriedigten Geschäftsmannes erhebend. "Spielen wir vielleicht eine Partie?"

Helmstedt schüttelte den Kopf. "Werde schwerlich Zeit haben; ich will nur ein paar Bissen zu mir nehmenhabe heute fast noch nichts im leibund dann heimreiten." –

Es war ein wunderbares Gefühl, was den jungen Mann beherrschte, als er nach kaum einer halben Stunde wieder zur Stadt hinaustrabte. Dachte er an Ellen, die auf ihn wartete, so durchwehte es ihn wie heranziehender Frühling, und doch war es ihm, als werfe eine schwarze Wolke im Hintergrunde einen Schatten in seine Welt hinein.

Fünftes Kapitel.

Schwüle Luft.

Die Sonne stand schon tief, als Helmstedt bei Mortons Landhause wieder anlangte. Er ritt durch die Einzäunung nach dem haus, band sein Pferd an einen Baum, und als er nirgends einen der Schwarzen entdecken konnte, der seine Anmeldung übernommen hätte, schritt er zögernd durch die offene Tür der eleganten "Halle," in welche die übrigen Zimmer ausliefen. Es war ihm nach der eigentümlichen Begegnung, die er am Abend zuvor mit "Mrs. Morton" gehabt, unangenehm, das Haus zu betreten, er war mit sich selbst in Zwiespalt, wie er sich ihrer sonderbaren Haltung gegenüber benehmen sollte, ob ebenso stolz und fremd wie sie, was ihn seinerseits ebenso unwahr als lächerlich erscheinen wollteoder in leichtem Tone die alte Bekanntschaft geltend machend, was ihn jedoch, sollte sie diese von sich weisen, in eine ganz schiefe Stellung bringen konnte. Er pochte, da sich trotz seines festen Trittes auch in der Halle Niemand sehen liess, an eine der Front-Parlortüren und trat endlich, als er keine Antwort erhielt, in das Zimmer. Es war leer; aber durch die Seitentür, die sich öffnete, eben als er wieder zurückgehen wollte, trat Mrs. Morton, in deren gesicht die Farbe wechselte, als sie den Besucher erkannte.

"Ich kam nur, um Miss Elliot abzuholen!" begann Helmstedt deutsch, sich