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Miss," erwiderte er nach augenblicklichem Nachdenken, "ich will Ihnen nichts versprechen, bis ich nicht selbst einen bestimmten Anhalt habe; das aber, denke ich, soll geschwind geschehenhaben Sie bis dahin Vertrauen zu mir."

"Ich habe ja schon so viel, dass ich selbst davor erschrecke!" sagte sie, ihm das Gesicht zukehrend, in dem sich ein helles Lächeln wieder Bahn brach. Sie zog die Hand aus dem Stulpenhandschuhe und reichte sie ihm hinüber, "ich bin ja froh genug, dass ich mit meinem Widerwillen gegen den Mann nicht mehr allein in unserm haus stehe."

Helmstedt hielt einen Augenblick die kleine, weiche Hand in der seinigen, und wollte sie dann an seine Lippen führen, sie aber zog sie rasch hinweg. "Das ist keine Mode in unserm Hinterwalde!" rief sie, auflachend wie ein Kind, und liess das Pferd wieder im Galopp davon gehen.

Beide ritten schweigend eine Strecke weiter, als sich aber Mortons Landhaus, das Ziel ihres Rittes, in kurzer Entfernung zeigte, hielt Helmstedt sein Pferd an. "Einen Augenblick, Miss Elliot," sagte er, "wie lange gedenken Sie bei Ihrer Freundin zuzubringen?"

"Nach der Begegnung von vorhin blieb ich am liebsten den ganzen Tag da!" erwiderte sie, "ich bin gewiss, dass dieser Baker nicht eher unser Haus verlässt, bis er einsieht, dass ich vor spät Abends nicht wiederkomme."

"Well, Miss, kennen Sie einen Ort, der das Riverhaus heisst? Ich denke dort etwas über unsern Mann erfahren zu können und möchte die Zeit zu einem Ritte dahin benutzen."

"Ich habe wohl schon von dem Orte gehört," erwiderte das Mädchen nachsinnend, "das müssen aber wenigstens sieben bis acht Meilen von hier sein. Er liegt drei Meilen seitwärts der Stadt, am Flusse, so viel ich weiss, und wenn Sie von Mortons haus nach der Hauptstrasse hinüber biegen, so können Sie wenigstens den Weg nach der Stadt nicht verfehlen, wo Sie jedenfalls die genauere weitere Richtung würden erfragen müssen."

"Sie wollen warten, bis ich zurück bin, Miss?"

"Sicherlich, Sir!"

Sie hatten die weisse Einzäunung des Landhauses erreicht; Helmstedt sprang vom Pferde, um das Gartentor für seine Begleiterin zu öffnen und als er zwei Damen aus dem haus treten und dem gast entgegeneilen sah, schwang er sich wieder in den Sattel und schlug die nächste breite Fahrstrasse, die seitwärts abging, ein. Ein Neger, der im vollen Feststaate, die dampfende Cigarre zwischen den dicken Lippen, umher spazierte, benahm ihn auf seine Frage jeden Zweifel, dass er auf dem rechten Wege sei, und im scharfen Trabe verfolgte er die Richtung weiter.

Was Helmstedt mit seinem jetzigen Ritte erzielen wollte, war ihm eigentlich selbst noch nicht ganz klar. Bei Bakers Anblick hatte er zuerst nur an Seifert als den Dieb seines Geldes gedacht, und deshalb nach diesem gefragt; dann aber war ihm des Mannes momentane Verlegenheit, sowie dessen Bestreben, die Bekanntschaft mit Seifert von sich zu weisen, aufgefallen, und dies in Verbindung mit der Weise, in welcher er ein Gespräch mit Ellen Elliot anknüpfen wollte, hatte ein dunkles Gefühl in Helmstedt erzeugt, als gewahre er das äusserste Ende eines verborgenen Spitzbubenstreiches, und Ellens Gleichniss von der Spinne und der Fliege, welches ihm das hässliche Lächeln, das er in New-York an Baker bemerkt, wieder vor die Seele führte, verstärkte den Eindruck nur noch. Stand der Mensch noch in Verbindung mit Seifert, mit dem er von New-York abgereist war, so waren seine Angelegenheiten sicherlich nicht klar, es kam eben nur darauf an, Seifert zu treffen, und zum Reden zu bringen. Helmstedt hatte den Namen des "Riverhauses" im Zusammenhange mit dem "Sciferts" aufgefangen, und so lange er neben Ellen herritt, hatte er gar keinen Zweifel gehegt, durch diesen Anknüpfungspunkt Allem, was nur notwendig sei, auf die Spur zu kommenje weiter er aber jetzt seinen Weg verfolgte, je mehr Schwierigkeiten tauchten vor ihm auf. Wenn das Riverhaus nicht Seiferts wohnung und nur ein Spielhaus war, wie es sich fast nach Bakers Aeusserungen vermuten liess, so konnte er auch sicher sein, nach der Mode in solchen Häusern dort das Allerwenigste von ihm zu hören, und bekam Seifert eine Ahnung von seiner Nähe, so war er gewiss eben so geschwind aus der Gegend verschwunden, wie damals aus New-York, – daneben fing es Helmstedt jetzt auch an zu scheinen, als ob der Verdacht, der ihm so plötzlich gegen Baker gekommen, auf keiner Seite recht Stich halten wolltesicherlich mussten doch die Familien, bei denen er ausund einging, wissen, mit wem sie es zu tun hatten; er mochte liederlich sein und sich Seiferts als Werkzeug bedienen, das erklärte Vieles, – und doch, wenn sich Helmstedt die kaum durchlebte Scene wieder vergegenwärtigte, kam ihm genau das frühere Gefühl wieder. Keinesfalls konnte es etwas schaden, sich vorsichtig nach Seifert umzusehen, schon des verübten Diebstahls halber; trotzdem war es Helmstedt, als könne er dem Spitzbuben jetzt Alles vergessen und vergeben, wenn er durch ihn nur etwas gegen Baker ermitteln könne. Was der Grund war, der ihn sein eigenes Interesse so weit vergessen liess, darüber grübelte er nicht.

Es war kalt, trotz des herankommenden Mittags; Helmstedts Pferd aber schwitzte vom anhaltenden Trabe und den Reiter