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, als bemerke er ihn erst jetzt. "Lächerlich!" sagte er, die Achseln zukkend, "Zwang! ich spreche Miss Elliot mit Genehmigung ihrer Eltern und so wird sie mir wahrscheinlich jetzt für ein paar Minuten den Platz an ihrer Seite erlauben!"

"Nein, sie wird nichts erlauben, Sir!" rief jetzt Ellen, das blitzende Auge auf ihn richtend, aber mit einem Zittern der stimme, das ihre innere Aufregung verriet. "Sprechen Sie mich mit Genehmigung meiner Eltern, so mögen Sie's auch in ihrer Gegenwart tunlassen Sie mich vorüber!"

"Well, Miss, Sie sind noch so jung und dabei doch so verständig, wie ich in der letzten Zeit oft gesehen," sagte Baker mit halblauter stimme, sich über den Hals seines Pferdes biegend, "jetzt aber übermannt Sie das junge BlutSie wissen ja nicht, wie wichtig das ist, was ich Ihnen zu sagen habe, aber in Gegenwart eines mir Fremden nicht kann, vielleicht der Interessen Ihrer eigenen Familie halber nicht sagen darfzu Haus weichen Sie mir aus –"

"Eben weil ich zu solchen wichtigen Dingen noch zu jung bin!" rief sie und gab im Aerger ihrem Pferde einen Schlag, dass es sich bäumte, Helmstedts Pferd bei Seite drängte und auf die Mitte der Strasse sprengte; Baker wollte an ihre Seite gelangen, aber Helmstedt hatte sein Pferd schon dazwischen geschoben. "Halt an, Sir, Sie haben die Meinung der Dame gehört, tun Sie keinen Schritt weiter, oder ich behandle Sie nicht als Gentleman!" rief er. Baker zog die Brauen zusammen und mass ihn mit finsterem Blicke. "Well, Sir," sagte er, "ich werde das Vergnügen haben, Sie an einem andern Orte zu treffen, vorläufig erbitte ich mir Ihren Namen!"

"Tut mir leid, dass Sie ihn vergessen haben, Sir; Ihr Freund Seifert machte Sie schon einmal damit bekannt. Ich heisse Helmstedt und wohne jetzt im haus des Mr. Elliot."

Bakers Gesicht überflog eine leichte Blässe. "Seifert?" wiederholte er, "soll es eine neue Beleidigung sein, dass Sie mich und den Spieler zu Freunden machen? Haben Sie mich vielleicht einmal im Riverhause getroffen, obgleich ich mich dessen nicht einmal entsinne, was berechtigt Sie, den Menschen zu meinen Freunden zu zählen?"

Helmstedts Augen wurden grösser. "Also ist er doch hier mit Ihnen?" sagte er nach einem augenblicke langsam, "Sie haben wohl vergessen, dass Sie Beide New-York mit einander verliessen? 'S ist genügend, was ich weiss, im Uebrigen stehe ich Ihnen zu irgend einer Zeit zu Diensten!" Damit wandte er sein Pferd und trabte davon, um seine Begleiterin einzuholen, welche, ohne die beiden Männer aus den Augen zu lassen, sich bereits ein Stück entfernt hatte. Baker sah ihm mit aufeinander gebissenen Lippen nach, warf dann sein Pferd herum und verfolgte seinen früheren Weg weiter.

"War ich doch so froh heute Morgen, und nun muss mir die Begegnung die ganze Laune verderben," sagte Ellen, als Helmstedt wieder an ihrer Seite ritt, "ich weiss nicht, was sie zu haus alle an dem mann finden, Vater, Mutter und selbst Sarah; ich kann's gar nicht ausdrücken, was ich fühle, wenn er nur sein Auge auf mich heftetbisweilen komme ich mir vor wie eine arme hilflose Fliege, um die eine Spinne anfängt ihre Fäden zu schlingen." Sie gab wie in innerem Unmut ihrem Pferde einen neuen Schlag und galoppirte davon, zügelte es aber bald wieder und liess ihren Begleiter herankommen. "Nicht wahr, Sie lachen mich nicht aus?" sagte sie mit einem so zutraulich bittenden blick im Auge, dass in Helmstedts Herzen jedes drückende Gefühl über seine Stellung, das noch zurückgeblieben sein mochte, wie leichter Schnee vor der Sonne zerrann, "ich meine, Sie lachen nicht innerlich über mich, dass ich mich so gegen Sie gehen lasse?"

"Sprechen Sie nur, Miss Elliot, wenn es Sie dazu drängt," erwiderte er, "und denken Sie, Sie hätten einen verschwiegenen Bruder neben sich; ich verstehe Ihre Empfindung gegen den Menschen vollkommen, und wenigstens in einer unbeschreiblichen Abneigung gegen ihn haben Sie in mir einen Bundesgenossen."

"Haben Sie ihn schon früher gekannt?" fragte Sie lebhaft, "Vater sagt, er sei reich, er solle aus dem Süden des Staates sein; Mutter spricht von seiner Liebenswürdigkeit und" – sagte sie stockend, während ein hohes Rot ihr Gesicht übergoss, "und ich mag gar nicht daran denken, wozu sie mir das sagen." Sie trieb ihr Pferd an, als wolle sie Helmstedts Blicken entgehen, der erst nach einer Weile wieder an ihrer Seite ritt.

"Ich weiss nicht, ob Sie Ihr Gefühl gegen den Mann nicht vollkommen richtig leitet, Miss," begann er, seinem Pferde die Mähne glatt streichend, "ich habe eine Ahnung, dass mit ihm nicht alles ist, wie es sein soll, und ich glaube, ich kann mir bald Gewissheit verschaffen, wenn Sie meinen Dienst nur annehmen wollen."

"Glauben Sie das?" rief sie rasch aufschauend, "ich wollte Ihnen so von Herzen dankenaber wie wollen Sie Gewissheit erhalten? Vater würde ohne die gründlichsten Beweise nur wieder über mich spotten."

"Well,