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zugleich mit einer hellen Röte übergossen, als habe sie sich zu weit gehen lassen.

"Well, warum nicht?" sagte Elliot launig, "das ist eben die Macht der Musik, oder auch vielleicht nur d e i n e r Musik, 's kommt eben auf die probe an, wenn ich etwas Anderes zu hören bekomme. – Uebrigens hast du jetzt einen so grossen Bewunderer an Mrs. Morton, dass du mich wohl ruhig schlafen lassen kannst."

"Ist Mrs. Morton aus dem Osten?" begann Helmstedt, – "mir ist es, als hätte ich sie schon in NewYork gesehen."

"Ich glaube, sie ist eine New-Yorkerin," erwiderte Elliot, "jedenfalls kann sich aber Morton zu dem Frauchen gratuliren, wenn sie auch wirklich arm sein soll, wie es heisst. Seine Tochter ist durch ihre Erziehung und die alljährlichen Badereisen so fashionable geworden, dass sie sich hier auf dem land unglücklich fühlt und anstatt das Haus heiter zu machen, einen verdriesslichen, schwermütigen Nebel über alles wirst."

"Vater," sagte Ellen mit einem Vorwurfe im gesicht, der ihrem kleinen mund wunderhübsch stand, "du redest so hart und kennst Alice gar nicht. 'S ist kaum erst sechs oder acht Monate her, dass sie so ist, aber es liegt ihr etwas auf dem Herzen, das sie drücktsie war früher nie froher, als wenn sie aus dem Osten wieder nach haus kam."

"Du bist falsch, Kind," sagte der Alte mit einem halb sarkastischen Gesichtsausdrucke. "Herz ist nicht mehr fashionable, die Nerven sind jetzt bei den Damen nur noch in der Mode, also hat sie ein Nervenleiden, das klingt gleich ganz anders."

"Vater, das ist hässlich von dir, du tust Alice Morton Unrecht."

"Gut also, ich tue ihr Unrecht, ich kann aber diese Gesichter, die immer aussehen wie Regen und zusammenzucken, wenn Jemand ins Zimmer tritt, als wären Sie keinen Augenblick sicher vor einem Ueberfall, nicht leiden."

Ellen nickte wie ein halbtrotziges Kind und sah vor sich auf ihren Teller, Mistress Elliot aber strich ihr mit einem kleinen Lächeln das Haar. "Weisst ja, Vater spricht schlimmer, als er's meint!" sagte sie; "morgen macht jedenfalls Mr. Baker einen Besuch, da kannst du dich rächen und deinen Zorn an ihm wieder auslassen."

Das Mädchen sah langsam auf und um ihren Mund lagerte sich ein unbeschreiblicher Zug von Widerwillen. "Ich kann ihm nicht wehren, zu kommen; wär' er aber ein Gentleman, so wär' er längst weggeblieben; nach dem, was ich ihm gesagt," erwiderte sie, "mich soll er wenigstens nicht wieder treffen, entweder bin ich morgen krank oder ich reise irgendwohin zu Besuch."

Elliot strich sich lächelnd das Kinn. – "Du tust ihm Unrecht, du kennst ihn gar nicht!" sagte er.

Das Mädchen sah ihm rasch ins Gesicht. "O, das ist Revanche, aber mich fängst du nicht so, Papa!" rief sie und vor dem aufsteigenden Mutwillen schwand jede Spur des Unwillens aus ihrem gesicht, "ich reite morgen aus."

"Dick ist zur Partie geladen und kann dich nicht begleiten!"

"Wellvielleicht will sich Mr. Helmstedt einmal die Gegend ansehen," – erwiderte sie zögernd mit einem fragenden blick auf diesen.

"Ich stehe mit allen meinen Kräften zu Befehl, Miss!" sagte Helmstedt, den bei der durchgespielten Familienscene ein vollkommen heimisches Gefühl überkommen hatte, "wenn Mr. Elliot nicht anders über mich bestimmt."

"Ja, vor dem neuen Jahre, wo Alles erst wieder in Ordnung kommt, werden wir freilich an keine andere Arbeit gehen können, als uns mit den Weiberlaunen herumzuschlagen," erwiderte dieser; "jetzt aber wollen wir Sie nicht länger bei uns halten, Sie sind gewiss von der Reise müder, als wir berücksichtigt haben!" fuhr er fort und erhob sich vom Tische.

"Und wann soll ich morgen zu Diensten stehen, Miss?" fragte Helmstedt.

"Ich bin fertig, sobald Sie ordentlich ausgeschlafen haben," erwiderte sie in voller Zutraulichkeit und liess ihn ruhig in ihr helles Auge sehen. –

Helmstedt sass in seinem Zimmer auf dem Schaukelstuhle am Feuer und überliess sich seinen verschiedenartigen Gefühlen. Bald war ihm, wenn er den Familienkreis, in den er getreten, und das Entgegenkommen seines Principals überdachte, als habe ihm das Schicksal einen Weihnachtsbaum mit tausend Lichtern angebrannt, bald aber legte sich die sorge, wie es möglich sei, den Hauptteil seiner Stellung auszufüllen, wie eine finstere Wolke darüber, daraus aber tauchte Ellens helles Gesicht hervor, wie aus der Masse der schwarzen Gesellschaft, bis Pauline Peters sich mit ihr vor seinen Geist stellte, das Mädchen, das sich vor kaum vier Monaten in voller Liebe an seinen Hals gehangen und jetzt in Kälte eingehüllt ihn von oben herab ansah. Die Wärme des Feuers hatte bald seine wirkung ausgeübt, die Bilder verwirrten sich und bald war er eingeschlafen. Wie lange er so zugebracht, wusste er nicht, aber ein leises, wiederholtes Pochen an eines der Fenster weckte ihn; er horchte, das Pochen wiederholte sich. Er öffnete den geschlossenen Fensterladen und sah hinaus. Draussen stand der Pedlar.

"Machen Sie mir die Tür, gleich im Gange neben Ihrer Stubentür,