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Gesellschaft und die ihnen Nahestehenden rissen mit gutmütig grinsender Höflichkeit die Hüte vom kopf.

"Sind denn die Neger hier sämmtlich Ihr Eigentum?" fragte Helmstedt.

"I, durchaus nicht," lachte Elliot, "aber meine Leute geben heute Abend den Schwarzen von der Nachbarfarm einen Ball, morgen sind sie wahrscheinlich selbst wo anders hin eingeladendas geht fort im Tanzen und Lustigmachen bis Neujahr; was sie sich das Jahr über erspart habenund das ist oft nicht unbedeutend, weil jede Negerfamilie aus ihrer eigenen Hühner- und Schweinezucht oder dergleichen so viel machen darf, als sie kanndas geht bei den Meisten am Christtage wieder fort. Die sorge für den morgenden Tag kennt freilich Keiner von ihnen."

Beide waren auf den gedielten Tanzplatz getreten, wo eben ein Dutzend heller Papierlaternen an die ringsum stehenden Bäume gehangen wurden, die das ganze Schauspiel nur um so grotesker machten, und sahen sich das Treiben der Neger-Gesellschaft, die sich in keiner Bewegung durch die Anwesenheit der neuen Gäste stören liess, in der Nähe anda tauchte nahe vor Helmstedt, wie ein Sonnenblick zwischen dunklen Gewitterwolken, ein weisses lachendes Mädchengesicht aus der schwarzen Menge auf, das vor Helmstedts überraschtem blick leicht errötete, dann sich aber nach dem herzutretenden Elliot wandte. "Meine Tochter Ellen," sagte dieser, sie dem jungen Mann leichtin vorstellend, "und das," wandte er sich zu ihr, "ist Mr. Helmstedt, der euch Frauenzimmern helfen wird, den Winter hinzubringen!" Ein blick, halb Scheu, halb Neugierde, aber voll wunderbarer klarheit, traf den Ankömmling, und er wollte eben einige höfliche Worte sagen, als ein zweites jugendliches Gesicht neben dem ersten erschien, bei dessen Anblick ihm die Rede erstarb. "Mistress Morton, unsere freundliche Nachbarin!" fuhr Elliot in seiner Vorstellung fort, "wenn Sie uns recht fleissig besuchen, Ma'am, können Sie auch etwas von unserem neuen Freunde abhaben." Die Dame verbeugte sich steif, Helmstedt aber wusste nicht, ob ihn ein Phantasiebild ässe oder ob seine Augen trübe waren; das war Pauline Peters, wohl etwas bleicher, als er sie zuletzt gesehen, und wenn auch nicht ein einziger blick von ihr verriet, dass sie ihn kenne, so lag doch derselbe weiche Zug um ihren Mund, den er schon als Kind an ihr gekannt, und selbst die Mantille, welche sie trug, war dieselbe, in der er sie zuerst in New-York gesehen. Mrs. Morton! Das war derselbe Name, mit dem sie den ältlichen Herrn bezeichnet hatte, den sie "Onkel" nannte und von dem sie abhingder Mann war aus Alabamaes war schon richtig.

"Es wird so kalt, dass ich besser tue, ich fahre nach haus," sagte sie, sich an ihre junge Gefährtin wendend, "Mr. Morton ist ohnedies Abends nicht gern ohne mich."

Der Hausherr warf zwar lachend ein, sie solle ihren Mann nicht verwöhnen und es sei Unrecht, wenn sie den Abend nicht mit ihnen zubringen wolle; sie aber zog ihren Ueberwurf höher und sagte mit einem Anflug der schelmischen Miene, welche Helmstedt die ganze Scene im City-Hall-Park wieder vor Augen führte: Niemand habe eine Vorstellung, was ihr Mann für ein Bär sei; dann nahm sie Ellens Arm, winkte einer Mulattin, die bei Seite stand, ihr zu folgen, und sich leicht aber vollkommen fremd gegen Helmstedt verbeugend, gingen die beiden schlanken Gestalten dem haus zu.

"Well, Sir, ich denke, unser Tee wird fertig sein, und wir machen uns ebenfalls wieder zurück, wenn Sie sonst nicht noch hier bleiben wollen," sagte Elliot, und für Helmstedt, dem jetzt mit einem Male das ganze Schauspiel vor ihm langweilig, wenn nicht widerwärtig erschien, hätte keine willkommenere Aufforderung stattfinden können. Sie folgten langsam den Damen, Elliot einzelne Anekdoten von den Eigentümlichkeiten der Schwarzen erzählend, die er an das eben verlassene fest anknüpfte, zu denen aber Helmstedt immer nur das Gesicht verzog, wenn er seinen Begleiter darüber lachen hörte, denn er selbst hatte vor allerhand eigenen Gedanken, die ihm durch den Kopf fuhren, das Wenigste davon gehörtund beide kamen beim haus an, als eben der Besuch sich der Frau vom haus empfahl, von Ellen Elliot zum Abschied geküsst wurde und dann in die bereitstehende zweisitzige Kutsche sprang, wo schon die Mulattin, Zügel und Peitsche regierend, sass. Helmstedt fing, nahe dabei stehend, noch einen ihrer letzten Blicke auf, aber keine Miene, oder auch nur der leiseste Farbenwechsel deutete auf eine innere Bewegung; das Pferd zog an und der Wagen rollte der Strasse zu, die Familie wandte sich nach ihrem haus, wo Sarah meldete, dass das Abendbrod bereit sei und den eintretenden Helmstedt mit grossen neugierigen Augen musterte.

"Well, Sir, wir sind heute allein, und müssen uns den ersten Christtag selbst so angenehm als möglich machen," sagte Elliot, als er dem jungen mann seinen Platz am Teetische, Ellen gegenüber, anwies, "Sie werden aber müde sein, sonst hätten Sie uns heute noch etwas spielen und singen müssen, ich verstehe zwar nicht viel von der Kunst, wie Ellen sagt, 's ist aber was Hübsches um die Musik bei geschlossenen Fensterladen und einem hellbrennenden Feuer."

"Woran man gewöhnlich süss einschläft!" fiel Ellen lachend ein, wurde aber auch