Sie finden mich nachher im Parlor, Sir!" sagte er und liess den Ankömmling allein.
Helmstedt trat ein und ein wunderbar heimliches Gefühl überkam ihn. Das Zimmer war nur schlicht tapezirt, aber durch die dichten Vorhänge warf gebrochene abendliche Helle in Verbindung mit dem Scheine des prasselnden Feuers ein warmes Colorit über alle Gegenstände darin; ein dicker Fussteppich bedeckte den Boden, ein Bett mit weisser Ueberdecke nahm die eine Wand ein, während gegenüber zwischen den Fenstern ein geräumiger Waschtisch mit dem Spiegel darüber alle nötigen Bequemlichkeiten bot. Eine Kommode, ein grosser Tisch an der dritten Wand und ein kleiner neben dem Bette, ein aus Rohr geflochtener Schaukelstuhl und drei andere ähnliche Stühle vollendeten die einfache Ausstaffirung, und doch wollte es Helmstedt scheinen, als habe er noch nie ein wohnlicheres Zimmer gesehen, das so ganz von den Vorstellungen abwich, die er sich auf seiner Herreise gemacht hatte. Seine beiden Koffer, die in der Fenstervertiefung standen, grüssten ihn wie alte Bekannte und mit einem Gefühle der Sicherheit, wie er es in Amerika noch nicht gehabt, öffnete er sie, entledigte sich dann der Reisekleider, wusch sich, und bald verliess er frisch und elegant das Zimmer wieder, um den Hausherrn aufzusuchen.
Elliot sass mit einem Zeitungsblatt am Fenster, als Helmstedt den Parlor betrat, und nicht weit von ihm in einem der Divans eine ältliche Dame. "Kommen Sie näher, Sir, nehmen Sie Platz!" rief der Erstere und zog den nächststehenden Stuhl herbei, "das ist meine Frau – Mr. Helmstedt, unser neuer Hausgenosse!" fuhr er, Beide einander vorstellend fort, "was sonst zum haus gehört, werden Sie schon kennen lernen und nun lassen Sie uns für's Erste eine halbe Stunde plaudern und selbst mit einander Bekanntschaft machen." Die Frau hatte aufstehend mit einem: "Seien Sie uns willkommen!" dem jungen mann die Hand gereicht, verliess aber jetzt das Zimmer.
"Well, Sir," begann Elliot, als Helmstedt den angewiesenen Platz eingenommen, "was Sie bei uns sollen, wird Ihnen ja wohl bekannt sein und ich denke, Sie werden sich auch bei uns gefallen, wir sind wenigstens keine bösen Leute und von Ihnen habe ich auch nur das Beste gehört."
"Ich muss zuerst wegen meines unvollkommenen Englisch um Entschuldigung bitten," begann Helmstedt, "ich hoffe aber, es soll mit jeder Woche besser werden; im Uebrigen weiss ich nur als einen teil meiner Aufgabe, dass ich Ihre Bücher in Ordnung halten soll: das Weitere – schrieb mir der Mann, der mir die Aufforderung zur Hierherreise und auch das Reisegeld sandte – würde ich von Ihnen selbst erfahren."
"Das ist der alte Isaac; kennen Sie ihn und seine Verhältnisse näher?"
"Isaac Hirsch unterzeichnete er sich, Sir, sonst habe ich ihn aber erst zweimal im Leben gesehen, und weiss nur, dass ich durch seinen guten Rat aus der bittersten Lage meines Lebens kam, und diesem vielleicht meine ganze Zukunft in Amerika verdanke."
"So! Er muss Sie doch wohl näher gekannt haben oder irgend ein Interesse an Ihnen nehmen. Er verbürgte sich freiwillig für Sie, obgleich das nicht einmal notwendig gewesen wäre."
"Mag sein, dass er mich mehr kennt, als ich weiss, Sir, ich gestehe Ihnen ehrlich, dass er für mich eine rätselhafte person ist. Er brachte mich, als ich durch einen erlittenen Diebstahl gänzlich hilflos dastand, vor vier Monaten in das Exportgeschäft eines seiner Bekannten, wenigstens nannte er den Besitzer so, damit ich dort für mein ferneres Fortkommen Geschäft und die Sprache lernen sollte, ich musste ihm aber versprechen, sechs Monate auszuhalten, – es war eine harte Schule für mich, das Verständniss jedes Wortes in meiner Umgegend und jedes Stück Kenntniss in dem neuen Fach musste erst erarbeitet werden; ich wurde von früh bis Abends nicht losgelassen und eine anderweite Abendbeschäftigung, die ich nebenbei übernommen, fand auch in einem amerikanischen haus statt, so dass ich im ersten Monate oft in halber Verzweiflung nur um die allernotwendigste Conversation war; ich sah aber ein, dass es der einzige Weg zu meinem Heile war; ich hatte obendrein dem alten mann mein Wort gegeben und so blieb ich. Dort mag er mich vielleicht haben beobachten lassen. Zu welchem Zwecke kann ich freilich nicht erraten – und welches Interesse er an mir nehmen könnte, ist mir ebenfalls unbegreiflich – ich habe nicht einmal gewusst, dass sein eigentlicher Aufentalt die hiesige Gegend ist, bis ich seinen Brief erhielt, mich bei Ihnen zu melden."
"'S ist ein sonderbarer Mensch," sagte Elliot kopfschüttelnd, "aber bei den vielerlei Arten von Geschäften, die er hier herum macht, hat sich noch Niemand über ihn zu beklagen gehabt und ich denke, so wird er auch in Ihnen jetzt den rechten Mann für uns besorgt haben. Sie sollen allerdings meine Bücher in Ordnung halten, das verlangt aber mehr Treue und Gewissenhaftigkeit, als viele Arbeit; mir liegt vor Allem daran, immer zu wissen, wie ich stehe, damit man nicht Extravaganzen in den Ausgaben begeht, die nur später Verlegenheiten hervorrufen. Wir sind alle in der hiesigen Nachbarschaft für reich verschrieen, und seit unsere Kinder durchaus im Osten ausgebildet werden müssen, wenn die Mädchen einmal eine ordentliche Partie machen und die Jungen mit der jetzigen Welt fortkommen wollen, ist die östliche Fashion auch bei uns eingezogen, und wo unsere Väter keinen Gedanken an Ausgaben hatten