und doch sah ich zufällig, dass das Herzass die unterste Karte war, als Sie gaben – wie kommen Sie dazu – oder gibt's im Spiel z w e i Herzass?"
Baker sah ohne Zucken in das Gesicht vor sich, hinter dem ein ganzer Sturm mühsam zurückgehalten schien, das aber dabei bleich war wie die Wand. "Wollen Sie zuerst Ihre hände von den meinigen tun, Sir?" entgegnete er scharf.
"Nicht eher, als bis ich mich überzeugt habe!" war die Antwort, bei welcher die Lippen des Sprechenden bebten. "John, wende die Karten um!" Astons Begleiter, der dem Spiel mit unverrückter Aufmerksamkeit gefolgt war, hatte auch schon das ungebrauchte Pack der Karten auf die Rückseite gelegt – eine Zehn lag zu unterst. Aston warf nur einen blick darauf. "Jetzt, Sir," sagte er mit heiserer stimme und umfasste krampfhaft Bakers hände, "nur ein Wort: wollen Sie mir die zweihundert Dollars, die Sie mir gestern abnahmen, ohne Weiteres zurückzahlen und liegen lassen, was hier auf dem Tische ist?!"
"Sie sind ein Narr, lieber Herr!" entgegnete Baker mit eisiger Kälte, "ich habe Sie vorher gewarnt und frage Sie zum letzten Male, wollen Sie Ihre hände wegtun?"
"Sir, Sie sind ein falscher Spieler, ein Schuft und ein Lügner!" brach es jetzt aus Astons mund und schlug in die Ohren der übrigen Anwesenden, dass diese von ihrem Spiele herumfuhren, – mit einem Ruck aber hatte Baker seine hände losgerissen und seine Faust traf Astons Gesicht, dass dieser zurücktaumelte; im nächsten Augenblick indessen, und ehe die aufgeschreckte übrige Gesellschaft nur wusste, um was es sich handelte, hatten Beide schon ihre Revolvers gezogen, zwei Schüsse knallten fast zu gleicher Zeit, Baker wankte, blieb aber stehen, Aston jedoch brach in den neben ihm stehenden Stuhl zusammen. Baker, leichenblass, aber ruhig, zog seine von der Kugel des Gegners zerschmetterte Uhr aus der tasche. "Gentlemen," sagte er, "Sie sehen, dass ich vor den Folgen dieses unvernünftigen Angriffs nur durch das sichtbare Walten der Vorsehung beschützt worden bin. Ich habe diesen jungen Mann gewarnt nicht zu spielen; hier sind Herren, die es bezeugen werden: ich habe nur nachgegeben, weil er es zur Ehrensache machte, und wer von Ihnen eine Anschuldigung wie die, welche Sie gehört haben, mit kaltem Blut hingenommen hätte, der mag zuerst seine Hand an mich legen." Noch während er sprach, war der Wirt eingetreten, ein blick hatte ihn wohl von dem Tatbestande genügend unterrichtet, denn er begann ohne weitere Frage die Kleider des Verwundeten, der völlig bewusstlos schien, zu öffnen, unterstützt von dessen gefährten, und dortin wendete sich jetzt die allgemeine Aufmerksamkeit.
"Machen Sie, dass Sie fortkommen!" hörte Baker Seiferts stimme in sein Ohr zischeln, "jetzt ist die rechte Zeit."
"Dass ich mich ruiniren soll?" erwiderte Jener halblaut und strich die umhergestreuten Banknoten auf dem Tische zusammen, "reden Sie nicht mit mir und bleiben Sie ruhig bei Ihrem Spiele."
"'S ist eine Wunde in der Seite, aber ich kann nicht bestimmen, wie gefährlich sie ist," sprach der Wirt, der eben ein Stück Leinwand mit wasser getränkt als Verband zurecht machte, "jedenfalls ist es das Beste für ihn und für uns Alle, dass die Herren von über dem River ihn sofort nach haus nehmen und ärztliche Hilfe holen – meine beiden Schwarzen mögen zur Vorsorge bis ans andere Ufer mitgehen – so entsteht auch das wenigste aufsehen bei der Sache."
"Ich werde die Herren selbst begleiten," sagte jetzt Baker, "ich habe das Unglück angerichtet, aber Gott helfe mir, ich konnte nicht anders und Niemand kann betrübter darüber sein als ich selbst. Aber wir dürfen nicht zögern. Unten im hof habe ich eine kurze Leiter bemerkt. Wir legen Betten darauf und binden Mr. Aston mit den Betttüchern hinein, so liegt er bequem und sicher und kann selbst das Ufer hinab leicht getragen werden."
Der Wirt nickte und verliess das Zimmer; den Meisten in der Gesellschaft aber schien in diesem bequemen Auskunftswege eine unangenehme Last von der Seele zu gehen; es bildeten sich wieder einzelne Gruppen und die peinliche Stille während der Untersuchung der Wunde ging in halblaute gespräche über. Bald waren die Vorbereitungen zum Transport getroffen und auf der improvisirten Tragbahre ward der noch immer besinnungslose Verwundete hinweggeschafft.
"Gentlemen," sagte Baker, die Tür in die Hand nehmend, "ich verlasse mich auf Ihre Ehre, dass das unglückliche Ereigniss unter uns bleibt!" und damit folgte er den Uebrigen.
In der Grocery sass der Pedlar wieder in seinem Winkel, als der Zug hindurch ging, und Bakers Auge traf aufschauend den starren blick, den Jener auf ihn geheftet hielt. Einen Augenblick nur schien er davon betroffen zu sein, wandte aber im nächsten schon das Auge wieder zur Tür hinaus.
"sonderbar," brummte der Alte und stützte die Stirn in die Hand, "die eine Frucht fällt beim ersten Herbstwehen und die andere reift so langsam, dass sie gebrochen werden muss. Aber die Zeit d a z u wird auch kommen."
Vom obern Zimmer wurde nach Whiskei-Punsch gerufen und bald war das Spiel dort flotter im Gange als zuvor.
Drittes Kapitel.
Das Weihnachtsfest.
Auf der Strasse, welche von