1859_Rupius_160_20.txt

aus dem Papier genommen, durch die hände gleiten. "Machen Sie Ihr Spiel, Gentlemen!" rief er und nahm aus seinem Taschenbuche ein Packet Banknoten, die er nach ihrem verschiedenen Werte ordnete und in einzelnen Haufen dicht vor sich hinlegte. Ein teil der Anwesenden begann sich langsam vor dem Tische zu gruppiren und bald nahm eine Art vereinfachtes Faro in einzelnen Aufsätzen von ein bis zwei Dollars seinen Anfang, dem sich aber bald die meisten der Umstehenden anschlossen. – Seitwärts standen zwei kleinere Tische, jeder nur mit einem Talglichte versehen. An dem einen hatte sich Baker nachlässig auf einen Stuhl niedergelassen, rauchte eine Cigarre und schien die verschiedenen Glückswendungen am Farotische zu beobachten. Bald hatte sich einer von den müssigen Gästen zu ihm gesetzt.

"Sie spielen nicht, Sir?"

"Well, ich mache mir eben nicht viel daraus," erwiderte Baker, "ich gehe nur dann und wann hierher der Abwechslung wegen, indessen stehe ich Ihnen gerne zu einer Partie Poker oder was Sie sonst wünschen, zu Diensten. Ein Spiel neue Karten!" rief er einem halbwüchsigen Schwarzen zu, welcher in der Ecke sass, und eben hatten sich die Beiden zum Spiel zurecht gesetzt, als Aston zur Tür hereintrat. Er warf einen raschen blick durch das Zimmer und schritt dann auf Baker los. "Pardon, Sir!" sagte er zu dessen Gegner, "nehmen Sie vielleicht Jemand anders an Stelle dieses Herren hier an? Er ist mir Revanche von gestern Abend schuldig." Der Angeredete war höflich aufgestanden. "Ich schaffe Ihnen sogleich einen ehrlichen, anständigen Jungen," fuhr Aston fort und winkte mit dem kopf einem der beiden Männer, die seine Begleiter beim Eintritt in das Haus gewesen waren und der jetzt zuschauend unter der übrigen Menge stand, herbei. "Sie werden bei dem Tausche unter keinen Umständen etwas verlieren, Sir!"

Baker hatte bei der Unterbrechung keine Miene verzogen, aber sich langsam zurückgelehnt und den Neueingetretenen kalt fixirt. "Sie wollen mit mir spielen?" sagte er, als Astons Gefährte herantrat, "ich stehe Ihnen jederzeit zu Diensten, aber ich wollte, Sie täten es nicht; Sie haben zu wenig Glück und sind durch Ihre Hitze einem kalten Spieler gegenüber zu sehr im Nachteil!"

"Das ist wohl meine Sache allein, Sir!" erwiderte Aston, dessen Gesicht ein leichtes Rot überflog, "es fragt sich nur ob Sie mir die Revanche verweigern wollen!"

"Durchaus nicht, ich gestehe Ihnen aber offen, dass ich mich nicht gerne für blinde Glücksfälle verantwortlich gemacht sehe, wie es beinahe gestern Abend von Ihnen geschahdie Herren hier mögen Zeuge sein, dass ich nur, weil Sie es durchaus wünschen, Ihre Aufforderung annehme."

"Hat nichts zu sagen!" erwiderte Aston. Baker zuckte kalt die Achseln und schob seinem Gegner das noch unangerührte Spiel Karten hin. Dieser öffnete es, liess die Blätter prüfend durch die Finger laufen und gab dann.

Das Gespräch hatte wohl die Aufmerksamkeit einzelner Farospieler erregt, die sich aber, als das Spiel der Sprechenden ruhig seinen Anfang nahm, schnell wieder ihrem eigenen Interesse zuwandte. Nur der eine von Astons früheren Begleitern hatte sich als Zuschauer neben sie gestellt, der andere hatte mit Bakers vorigem Gegner den zweiten Spieltisch eingenommen.

Das Glück schien sich auf Seite Astons zu neigen; das erste und zweite Spiel waren sein und dreissig Dollars gewonnenes Geld lagen vor ihm. Er hatte beim dritten Spiele zu geben. Baker übersah seine Karten und sagte: "Fünfundzwanzig Dollars, wenn's Ihnen recht ist! Ich muss suchen, die Sache wieder auszugleichen."

"Dreissig, Sir!" erwiderte Aston, sein Geld vorschiebend.

"Auch rechtdrei Damen und ein Ass!" rief Baker und legte seine Karten auf.

"drei Könige und ein Ass!" war Astons Antwort, dessen stimme seine wachsende Aufregung kund gab.

Der Andere zog einen Bündel Banknoten aus einer Seitentasche, warf ruhig dreissig Dollars auf den Tisch und begann zu geben. Aston blickte in seine Karten und ein merkbares Rot überzog sein Gesicht. "Sechszig Dollars, Sir!" sagte er.

Baker schien zu überlegen. "Sie scheinen mich durch Ueberrumpelung fangen zu wollen," sagte er, "aber Ihr Glück kann nicht immer so dauern. Ich wage es. Hundert Dollars!" Und damit legte er wie im raschen Entschlusse zwei Fünfzigdollarsbanknoten auf den Tisch. Das Gesicht Astons färbte sich höher, er sah nochmals in seine Karten, warf einen prüfenden blick auf seinen Gegner und überlegte einen Augenblick. "Hundertundfünfzig!" sagte er dann.

"Zweihundert, wenn Sie wollen!" sagte Baker kalt und legte neue Hundert Dollars zu seinem Aussatze.

"Es gilt!" Aston zog mit einem leisen Beben der Aufregung sein Taschentuch hervor und zählte das nötige Geld ab. Nur ein geringer Rest schien sich ausserdem darin noch zu befinden. "Wieder drei Könige und ein Ass!" sagte er, seine Karten auflegend.

"Reicht diesmal nicht aus, Sir! Hier sind drei Ass und ein König!" Wie zu Stein verwandelt blickte der junge Mann einen Augenblick die offenen Karten seines Gegners an, aber mit einem "Halt!" sprang er dann plötzlich auf, beide hände Bakers fassend, die soeben die Banknoten auf dem Tische einstrichen. "Sir, erst eine Erklärung!" rief er. "Sie haben drei Ass und ich eins,