doch noch das Beste, was hier zu bekommen ist, ich könnte heute Abend eine ganze Gallone vertilgen! Halloh, Gentlemen!" wandte er sich an die Uebrigen am Feuer, "Sie nehmen ein Glas mit?" Die Meisten davon erhoben sich und der Wirt hinter dem Tische schob Flasche und Gläser her. "Gutes Glück!" rief der Erstere und stürzte ein volles Glas Branntwein hinunter, "und noch eins!" fuhr er fort, nach der Flasche greifend, aber eine Hand, welche ihm auf die Achsel klopfte, machte ihn innehalten. Er sah sich um und sah den Pedlar aus der Ecke hinter sich.
"Könnte ich nicht zwei Worte mit Ihnen reden, Sir?" fragte dieser.
"Jetzt, Mann?" erwiderte der Andere, "die Zeit scheint mir nicht die beste, – ist es so eilig?"
"Ich denke, Sir, nur zwei Minuten."
"Well, so kommt!"
Beide gingen ins Freie. "Sie kommen hierher zum Spielen, Mr. Aston?" begann der Pedlar, "ich möchte, Sie täten es heute nicht und gingen wieder nach haus."
"Beim Teufel, alter Schwerenöter, was habt Ihr Euch denn darum zu kümmern? Ist das Alles, was Ihr mir sagen wolltet?"
"Noch ein paar Worte, Mr. Aston. Sie haben nächste Woche eine New-Yorker Note zu decken und beabsichtigen, sie n i c h t zu zahlen, Sie erwarten Ihre neuen Waaren von New-York und gedenken dann einen vorteilhaften Bankerott zu machen – dahin hat Sie bloss das Spiel gebracht!"
"Halt an, Ihr lügt, alter Halunke!" sagte der Andere, bleich geworden, mit gedämpfter stimme und fuhr mit der Hand nach seiner Brusttasche, aber ein eiserner Griff des Pedlars, dem er sich umsonst zu entziehen suchte, hielt diese fest.
"hören Sie nur noch zwei Worte, Mr. Aston, Ihr Revolver würde Sie unnötig zum Mörder machen. Ihre New-Yorker Waaren werden n i c h t kommen – darin haben Sie sich verrechnet" – der Widerstand gegen die Hand des Pedlars erstarb – "ich bin Ihr Freund, folgen Sie mir und lassen Sie das Spiel; Sie haben gestern viel verloren, würden aber heute noch mehr verlieren; bei ordentlicher Anstrengung können Sie jetzt noch das Geld für die Note auftreiben, – bezahlen Sie und bleiben Sie ein ehrlicher Mann, dann kann sich auch Ihr Credit im Osten wiederherstellen."
Der junge Mann starrte den Alten einen Augenblick mit grossen, halbentsetzten Augen an, dann aber schien er sich gewaltsam zu fassen. "Und woher habt Ihr denn die merkwürdigen Neuigkeiten," sagte er mit einem halben lachen voll erzwungenen Hohnes, "oder was kennt I h r denn von meinen Gedanken, von denen ich selber nichts weiss? Wisst Ihr wohl, verdammter Jude," fuhr er mit aufsteigendem Ingrimme fort, "dass ich Euch niederschiessen sollte wie einen Hund, für solche Verleumdungen, die einen Geschäftsmann zu grund richten müssen?" Er wollte mit einem Ruck seine Hand aus der des Gegners reissen, aber wie ein Schraubstock lag der Griff des Pedlars um sein Handgelenk.
"Sein Sie zwei Minuten ruhig, Sir!" sagte der Alte, "der Revolver hilft Ihnen nicht vom Untergange, wenn Sie's nicht tun. Ich weiss nicht mehr, als was Ihre Geschäftsfreunde im Osten auch wissen, dass Sie spielen, dass Sie im unglücklichen Falle in einer Nacht ruinirt sind. Alles in der Welt wirft Schatten, auch die Gedanken eines Menschen werfen ihren Schatten über sein Tun und Treiben, der zum Verräter wird, wenn er sich auch noch so geheim hält. Ihre New-Yorker Freunde kennen Ihre geheimen Absichten, das ist Alles, was ich sagen kann, gehen Sie heim, Mr. Aston, machen Sie mich und die Männer im Osten zu Lügnern, reissen Sie den Strick entzwei, an dem Sie die Hölle hier hält, und Sie können sich noch retten. So, das ist Alles, tun Sie nun, was Sie wollen – und wenn Sie meinen Rat mit einem Schusse bezahlen wollen, so mögen Sie's auch tun." Damit liess er die Hand des Andern los und ging nach der tür des Hauses; der Zurückbleibende aber stand, mit bleichem gesicht und zusammengekniffenen Lippen, noch eine Weile auf derselben Stelle, ohne ein Glied zu rühren. "Mag's ihm der Teufel selber entdeckt haben, und ich werde es noch ausfinden – so hat er recht!" murmelte er endlich zwischen den Zähnen. "Erst aber mein Geld von den Halunken und dann nicht wieder!" Er strich langsam mit der Hand über sein Gesicht und folgte dem Pedlar ins Haus. Die früheren Gäste waren dort meist alle verschwunden. Ohne sich indessen umzuschauen, winkte er dem Wirte, ihm die Whiskeiflasche zu reichen, stürzte ein grosses volles Glas davon hinunter und ging dann zu derselben Seitentüre hinaus, durch die sich die Uebrigen entfernt hatten. Im Umdrehen warf er noch einen flüchtigen blick nach der Stelle, wo der Pedlar gesessen, doch dieser sammt seinem Kasten war verschwunden.
Im oberen Stockwerke hatten sich in einer kahlen, weiss angestrichenen stube sechzehn bis zwanzig Männer versammelt. Hinter einem langen Tische, auf welchem drei Talglichte nur die nötigste Helle verbreiteten, stand Seifert und liess soeben ein neues Spiel Karten, das er