1859_Rupius_160_16.txt

anderes Mädchen finden, obgleich du mit ihr aufgewachsen bist."

Er sah forschend in ihr Gesicht, aber keine Miene verzog sich dort.

"'S ist mir Alles recht, Sir!" sagte sie kalt.

"Du kannst gehen!"

Das Mädchen verliess das Gemach, blieb aber plötzlich an der offenen Hintertüre des Hauses, die sie passirte, horchend stehen. Sie sah sich vorsichtig um, steckte hierauf den Kopf hinaus, einen spähenden blick umherwerfend, und schlüpfte dann an dem haus hingleitend in die Dunkelheit hinein.

Elliot schlug seine Zeitung zusammen, zündete ein Licht an und setzte sich dann an seinen Arbeitstisch, langsam die Blätter eines dort liegenden Contobuches umschlagend und überschauend. Er war noch nicht lange damit beschäftigt, als das Gesicht einer alten Negerin durch die geöffnete Tür hereinsah. "Master," sagte sie, "der alte Isaac lässt fragen, ob er hier über Nacht bleiben könnte."

"Gib ihm ordentlich zu essen, Flora," erwiderte Elliot, "und sage ihm, ich möchte alsdann noch ein paar Worte mit ihm sprechen."

"Gegessen hat er schon, Sir!"

"Aha! Und euch auch schon die Taschen ausgeleert!"

"Noch nicht ganz, Sir," kicherte die Negerin, "aber er hätte recht schöne Sachen für Weihnachten, lässt er dem Master sagen."

"'S ist schon gut, er soll herein kommen."

Nach kurzer Zeit trat mit einem Bückling ein alter Mann mit grauem Barte ins Zimmer, dessen Züge den Juden nicht verkennen liessen. Elliot stand auf, rückte einen Stuhl ans Feuer und deutete dem Eingetretenen an, Platz zu nehmen. "Well, Isaac, wie steht's," sagte er, als dieser seinem Winke gefolgt war.

"Well, Sir, 's Geld ist rar, aber Sie können haben, was Sie verlangten, ich hab' heute erst Nachricht bekommen; sobald Sie die Papiere fertig haben, werde ich sorgen, dass auch das Geld da ist."

"So!" erwiderte der Pflanzer und stützte den Kopf in die Hand. "'S ist ein schlimmes Ding, schon auf die nächste Ernte los borgen zu müssen, und bekommen wir ein schlechtes Jahr für die Baumwolle, so sitzt man noch weiter drin."

Der Jude zucke die Achseln. "Was hilft's? wo viel Geld fortgeht und keins gleich wieder zufliesst, kommt einmal eine Klemme."

Elliot fuhr mit der Hand über das Gesicht. "Ich muss das für die Zukunft ändern," sagte er nach einer kurzen Pause. "Wie steht's mit dem jungen Menschen, Isaac, von dem Ihr mir sagtet?"

"Er wird zu Weihnachten hier sein, wie Sie's wünschten, Sir, und ich denke, wir werden nachher wohl kein Geschäft weiter mit einander zu machen haben; bei Ihnen braucht's eben nur ein bischen Aufpassen und ein bischen Ordnung im buch, dann ist Alles wieder im Geleise."

"Macht Ihr viele solcher Geldgeschäfte hier herum, Isaac?"

"Ich habe ein schlechtes Gedächtniss, Sir, aber es kann wohl schon passiren, dass Einer als ein reicher Mann gilt, den Sommer mit seinen Ladies in Saratoga und anderen Bädern zubringt, viel Geld ausgibt und doch die Ernte auf drei Jahre hinaus nicht mehr sein eigen ist. Sie brauchen sich unser jetziges Geschäft nicht zu Herzen zu nehmen."

"Sagt einmal, Isaac, Ihr pedelt doch nicht, um Euer Leben zu machen?"

"Der Jude zuckte wieder die Achseln. Warum reiten Sie oft den ganzen Tag auf Ihrer Farm herum, schwitzen und kommen so schmutzig heim, wie der ärgste Nigger? 'S gehört Alles zum Leben machen, wenn Einer ein Geschäft hat."

"Sonst was Neues, Isaac?"

"Ich wollte nur noch sagen, Sir, es treibt sich ein verteufelt bissiger Fuchs hier herum; ich sah heute erst ein wunderschönes Huhn, das zwischen seinen Zähnen zappelte, und wenn ich nicht ganz falsch bin, schleicht er auch um Ihren Hühnerstall, Sir."

Elliot hatte den Kopf gehoben. "Was ist das? sprecht deutlich!"

Isaac schüttelte den Kopf. "Man soll das wild nicht scheu machen, wenn man's fangen will, ich habe selber noch eine kleine Rechnung mit ihm. Ich wollte Ihnen nur sagen, Sir, dass Sie die Augen offen halten. Aber," fuhr er fort und stand auf, "kann ich Ihnen nicht etwas von Zeugen, Tüchern, Bändern und billigen Schmucksachen für die Weihnachten verkaufen, Sir?"

"Morgen früh! meine Ellen mag aussuchen, was sie an die Schwarzen verschenken will. Aber wenn Ihr irgendwo etwas Unrechtes gesehen habt, so wäre mir's lieber, Ihr sprächet deutlich."

"Es war an einem andern platz, wo ich das Huhn zappeln sah," erwiderte der Pedlar, "und so kann ich eben nichts weiter sagen, als halten Sie Wache am eigenen Hühnerstall. Gute Nacht, Sir, – bis morgen früh!"

Zweites Kapitel.

Eine Spielhölle im Hinterwalde.

Der Tennessee-River strömt während des kurzen Abstechers, den er nach Alabama macht, zwischen bewaldeten Höhen hin, die steil in das Flussbett abfallen und selbst für die Holzstationen der Dampfschiffe überall nur die schlechteste Bequemlichkeit bieten. Hier und da windet sich wohl ein Fussweg durch das Unterholz