haus. "Wer ist hier?" rief er nach einer kurzen Weile. Die Gestalt eines jungen schlanken Schwarzen näherte sich. "Ich bin's, Mr. Elliot – Cäsar!" sagte er und nahm seine Mütze ab.
"So? Well, wie steht die geschichte? Bist du mit Sarah im Klaren? Ich mag das Herumschleichen hier am haus bei Nacht nicht gerne leiden. Macht eure Sache kurz ab, dann will ich mit deinem Herrn irgend ein Arrangement treffen, dass er dich mir abtritt, und ihr könnt euren Haushalt mit einander anfangen."
"Bitte, Master, sein Sie nicht böse auf mich, aber die Sarah ist seit acht Tagen nicht mehr herausgekommen und ich habe nicht mit ihr reden können."
"So? Seid ihr denn nicht vorher mit einander einverstanden gewesen?"
"Ich dachte so, Master!"
"Well, das nächtliche Herumstreichen taugt nichts, die Sache muss zu einem Ende kommen. Geh jetzt heim, Cäsar, ich werde mit dem Mädchen reden und morgen Abend soll sie dir selbst Bescheid geben."
"Dank Ihnen tausend Mal, Master!" und mit einem Sprunge war der Schwarze über die nächste Einzäunung und verschwand im Dunkeln. Elliot wandte sich nach den Ställen, wo ihm ein Neger das Pferd abnahm, und ging sodann dem haus zu.
In einem Zimmer des obern Stockes befanden sich währenddem zwei Mädchen, die ein eigentümliches Genrebild geboten hätten. Das eine, frisch wie eine aufbrechende Rosenknospe, lag an dem geöffneten Fenster nachlässig im Schaukelstuhle und wiegte sich, die Spitzen der beiden kleinen Füsse auf einen gepolsterten Schemel gestützt, langsam rück- und vorwärts. Sie war halb entkleidet und die kaum entwickelten Formen wurden nur leicht durch einen dünnen Shawl verdeckt. An dem geräumigen, von Marmor eingefassten Kamine, in welchem trotz des milden Abends ein prasselndes Feuer brannte, stand das andere Mädchen, und der Lichtschein brach sich in einem ebenholzschwarzen gesicht, das trotzdem die klare Röte des aufsteigenden Blutes erkennen liess. Der kleine Mund war kaum mehr aufgeworfen, als erforderlich war, um dem Gesicht einen pikanten Charakter zu geben, dem die abgestumpfte, aber zierliche Nase und die blitzenden schwarzen Augen vollkommen entsprachen. Eine kokette Schoossjacke schloss, die vollen Formen abzeichnend, knapp um eine Taille, die den Neid mancher Salondame erregt haben würde, und wie sie so dastand, den einen Arm auf das Kaminsims gelehnt und mit dem andern ein weisses Negligé haltend, lag eine wundersame Grazie in ihrer Stellung, die sich indessen bei den meisten in den Familien der Weissen erzogenen Haussklaven von edlerer Race herausbildet. Die Beleuchtung des Zimmers ging nur von dem helllodernden Holzfeuer im Kamin aus.
"'S ist hübsch im Osten, Sarah!" sagte soeben das Mädchen im Schaukelstuhle, "viel Pracht und äusserliche Herrlichkeit, aber mir ist es immer so steif vorgekommen, wie auf einem Haubenstock zur Schau ausgestellt; ich bin froh, dass mich Vater sobald wieder geholt hat, ich gebe unsern warmen Himmel und unser grünes Oaklea nicht für den ganzen Osten hin."
"Aber, Miss Ellen, gibt's nicht eine ganze Menge feiner Herren dort, wie wir ein paar im Globe-Hotel in der Stadt sahen, als Sie zurück kamen? oder wie – Mr. Baker?"
"Mr. Baker, pah!" sagte die Erstere und kräuselte in nachlässiger Geringschätzung die Lippe, "du hast doch sonst einen besseren Geschmack, Sarah! – Und was haben mich denn die Herren im Osten gekümmert? Ich habe kaum ein Paar zu gesicht bekommen. Und du solltest lieber an den armen Cäsar denken, als von solchen Dingen schwatzen."
"Cäsar, pah!" erwiderte die Schwarze mit aufgeworfener Oberlippe.
"Nun?" fragte Ellen, sich halb aufrichtend, "'s ist doch Alles zwischen euch in Ordnung?"
"Ich weiss noch gar nicht!"
"Du bist das launigste Ding!" lachte die Andere auf, "aber der arme Junge tut mir leid!"
Die Schwarze sah nur mit verzogenem Mund ins Feuer.
Es pochte an die Zimmertür. "Sarah soll zu Mr. Elliot kommen, wenn sie von Miss Ellen nicht mehr gebraucht wird!" klang es hindurch; und Sarah warf ihrer jungen Herrin das Negligé über, vertauschte deren Stiefeletten mit weichen Sammetschuhen und liess sie allein.
Mr. Elliot sass in dem erleuchteten "Bibliotekzimmer", das aber nur ein kleines Regal voll Bücher aufzuweisen hatte und durch den dort befindlichen Schreibtisch sammt einer Menge umherliegender Papiere eher den Charakter eines Geschäftszimmers zeigte, am Feuer und las in einer Zeitung, als Sarah eintrat.
"Komm her, Mädchen," sagte er, "wie steht's mit dem Cäsar? Ich will die Sache zu Ende haben!"
"Ich will ihn nicht, Sir!"
"So, was ist denn die Ursache auf einmal?"
"Ich mag ihn nicht!"
"Gut, wie du willst, Sarah! aber merk' auf. Du bist durch Ellen verwöhnt und hast Capricen, mehr als mir lieb ist. Erst war Cäsar Alles und Ellen quälte mich, ihn zu kaufen, damit ihr hier zusammenleben könntet – jetzt, wo ich bereit bin, willst du ihn wieder nicht. Hör' an! Bei deiner nächsten Liebschaft mag dein neuer Schatz sehen, dass sein Herr d i c h kauft, dann werde ich für Ellen ein