Kamerad nicht durch ihn noch mehr sich mit beschimpft fühlen könne, als alle die andern freien Steinmetzen.
Obwohl er sich im Aeussern mit Hieronymus ausgesöhnt, so vermied er doch mit ihm ferner über den Gegenstand ihres Zwistes zu sprechen, sowohl wie über das tiefverworrene Bangen, mit dem er dem Kloster und dem Bruder Amadeus entgegenging. Da er aber doch mit Hieronymus früher von diesem Mönch gesprochen, als er den Verlust des Kreuzes wieder erwähnt, so sagte er ihm nur, auf Befragen nach demselben darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Mönch, welcher Amadeus heisst, an zeitweiligen Geistesstörungen litte.
So hatten sie an einem hellen Wintertag ziemlich die Hälfte des Weges nach dem Kloster zurückgelegt, als sie es in der Ferne von Rüstungen und Schwertern im Sonnenschein funkeln sahen und Rosseshufe den frischgefallenen Schnee emporwirbeln. Als der reisige Zug näher kam, gewahrten sie an seiner Spitze einen geistlichen Herrn zu Pferde, und erkannten an seiner Tracht, an seinen Insignien und Farben den Bischof von Eichstädt, umgeben von vielen Rittern und einem ganzen Tross von Knappen und Dienern. Hinter ihm ritt ein nach Studentenart gekleideter Jüngling, der einige Worte an den Bischof richtend, dann seitab zu den Baubrüdern sprengte, die ehrfurchtsvoll grüssend am Wege standen.
"Mit Vergunst," sagte er zu den Beiden, die durch ihre Kleidung Allen als Baubrüder kenntlich waren; "wackere Brüder der freien Steinmetzzunft, mich dünkt, wir sind uns schon vor Jahr und Tag im lieben Nürnberg begegnet, und da ich nach langer Entfernung mich der teuren Vaterstadt wieder nähere, und Ihr die ersten Nürnberger Gesichter seid, die mir in den Weg kommen, so möchte ich Euch fragen, ob Ihr mir vielleicht eine Kunde geben könnt, wie es in meinem Elternhause ergeht – es ist das der Pirkheimer?"
"Ihr seid es, Junker Willibald!" antwortete Ulrich; "bald hätte ich Euch nicht erkannt, denn Ihr seid grösser und stärker geworden im bischöflichen Kriegsdienst, als bei den heimischen Studien. Ich denke, Ihr werdet die Euren im erwünschten Wohlsein treffen. Eurem Herrn Vater bin ich erst gestern begegnet, und Eure edlen Jungfrauen Schwestern flicken fleissig mit an einem Teppich für dieselbe Lorenzkirche, an der wir bauen."
"Ei, das ist eine gute Kunde," antwortete Willibald, "sogar von meinen Schwestern wisst Ihr! Ja, sie sind gern bei einem frommen Werke – daran erkenne ich, dass sie noch unverändert sind! Der kunstliebende Propst, Herr Anton Kress, hat das wohl angeordnet."
"O nein," versetzte Hieronymus; "nicht nur die Ehre der Ausführung, auch die des ganzen Plans gebührt den Frauen."
Und Ulrich fügte hinzu: "Die edle Frau Scheurl war kaum von ihrer langwierigen Krankheit genesen, da sie es beginnen liess." Er sprach diesen Namen absichtlich laut und fasste dabei einen Ritter in dunkler Tracht und von bleichem Ansehen scharf in's Auge, der eben jetzt sein Visir niederschlug, das er vorhin offen getragen.
"Gott sei Dank," sagte Willibald Pirkheimer, "der die edle Frau erhalten –"
"Und sie auch ferner beschützen wird," rief Ulrich ungewöhnlich laut; "König Max hat seine wohnung in Scheurl's Haus genommen – das wird ihr auch wohl Schutz gewähren."
Jener Ritter war den Andern, die während dem schon einen ziemlichen Vorsprung erreicht, nur langsam und zögernd nachgeritten, und nachdem Ulrich Willibald noch auf seine Frage Antwort gegeben, wohin und in welcher Absicht sie auf dem Wege seien, sagte der erstere auf jenen Ritter deutend: "Kennt Ihr diesen da?"
"Das eben nicht; ich weiss nur, dass er Eberhard von Streitberg heisst und dort mit dem Ritter von Weispriach erst unterwegs mit seiner Begleitung zu uns gestossen."
Ulrich sann eine Weile nach. Dann sagte er leise: "Ich kenne jenen Herrn als einen gefährlichen Wegelagerer, der auf den Landstrassen den harmlosen Kaufleuten auflauert und ehrbare Frauen überall verfolgt; warnt die Nürnbergerinnen vor ihm, wenn Ihr den Nürnberger Rat nicht warnen wollt!"
"Das ist eine starke Anklage!" sagte Willibald.
"Ich kann sie aufrecht erhalten, wenn es sein muss!" sagte Ulrich; "aber Ihr wisst, wir freien Steinmetzen mengen uns nicht gern in profane Händel, und jetzt gebietet mir mein Beruf wohl eine Woche fern zu sein von Nürnberg. kommt Ihr aber mit Frau Elisabet Scheurl zu reden, so nennt Ihr nur im leichten Erzählerton die Namen der Ritter, die mit Euch kamen – dies tut als Gegendienst für die guten Nachrichten, die Ihr von mir empfinget. Und nun Glück auf den Weg und zur Heimkehr! Ich denke, wir sehen uns in Nürnberg wieder!"
Als auch Willibald sich verabschiedet hatte und der ganze Zug verschwunden war, sagte Hieronymus: "Ich erkannte den Ritter auch, mit dem Du auf Tod und Leben gerungen, aber ich hatte wenig Lust mich noch einmal in einen solchen Händel zu mengen und verdenke Dir, dass Du es getan. Frau Elisabet mag sich von ihrem königlichen Anbeter vor einem zudringlichen Entführer beschützen lassen – das wird ihr lieber sein, als von den armen Baubrüdern, denen sie es doch keinen Dank weiss. Du aber hast einen kecken und hinterlistigen Feind, dem kein Mittel zu schlecht ist, zu seinem Ziele zu kommen, auf's Neue herausgefordert – denn er erkannte uns so gut, wie wir ihn erkannten."
Ulrich versetzte: "Hoffentlich