hier einen begünstigten Liebhaber bei einer ungetreuen Gattin zu finden, und eine solche gelegenheit liess er selten, wie oft und bei welchen hohen Personen sie ihm auch ward, vorübergehen, ohne die Beteiligten durch seinen Spott und seinen oft sehr derben Spass zu züchtigen. Aber durch Elisabet's würdevolles Betragen wendete sich schnell seine Meinung zu ihren Gunsten – ja er zerdrückte eine Träne im Auge, weil er gar wohl begriff, dass eine Frau von solchen Herzens- und Geistesgaben, wie Elisabet, neben einem so hohlen Menschen wie Scheurl nur unglücklich sein könne. Und zugleich nahm er sich vor, seinem königlichen Bruder zu warnen oder zu beaufsichtigen, dass er die Tugend und Treue dieser edlen Frau nicht etwa auch versuche auf die probe zu stellen.
Als er jetzt bemerkte, dass sich das Paar nicht mehr allein fühlte, warf er seine Narrenkappe zur Tür herein, gerade vor Elisabet's Füsse und sagte:
"Es ist nicht Sitte, edle Frau, dass der Narr seine Kappe abnimmt weder vor König und Kaiser, denn er hat eben nicht nötig Jemanden Respect zu erweisen – vor Euch aber hab' ich ihn – und wenn ich hundert Hüte aufhätte, ich zöge sie alle vor Euch und würfe sie Euch demütig wie die Kappe zu Füssen."
Elisabet erschrak sowohl vor der plötzlichen Erscheinung wie vor diesen Worten, welche sie ungewiss liessen, ob der Narr etwas von diesem Gespräch gehört oder nicht; aber immer ihrer selbst Meisterin hob sie die Mütze auf, ob auch Rosen sich mit einem lustigen Katzenpuckel danach beugte, überreichte sie ihm und sagte:
"Willkommen in Nürnberg – wenn Ihr Euch auch auf sonderbaren Wegen müsst eingeschlichen haben, dass Niemand von der Dienerschaft Euch zuvorkam. Wo ist Euer königlicher Herr?"
"Bruder! wolltet Ihr sagen," fiel er ihr in die Rede. "Was den betrifft, so wird er bald kommen, als ihn die guten Nürnberger, die sich überall herzudrängen, dazu kommen lassen – und was mich betrifft, so wisst Ihr, dass unsereins die Wege sich immer nach Belieben sucht und gelegentlich durch ein Spältlein schlüpft, wenn's ihm auf dem breitgetretenen Wege zu eng wird."
"Ich freue mich," sagte Elisabet, "dass ich gleich jetzt gelegenheit habe, Euch Herrn Doctor Konrad Celtes vorzustellen, von dem Ihr sicher so viel Gutes und Grosses gehört hab't, als er von Euch, Herr Kunz von der Rosen."
Die Männer schüttelten zwar einander die Hand, aber es geschah nicht mit der rechten Herzlichkeit. In Celtes kochte es ingrimmig, wenn er sich dachte, dass Kunz ihn jetzt belauscht, und es sogar durch seine Worte an Elisabet zu verstehen gab, ohne es zu gestehen – und Kunz hatte ein Vorurteil gegen den Gelehrten, nach der Scene, welcher er beigewohnt. Er sagte zu sich: den Frauen gegenüber taugen doch diese Herren von der Feder so wenig wie die vom Schwerte – und fügte hinzu: ich möchte eigentlich wissen, welche Zunft da etwas taugte.
Indess war Kunz doch harmlos und Celtes redegewandt genug, eine Unterhaltung zu stand zu bringen, deren Anknüpfungspunkt natürlich die hohen Ankommenden waren. Elisabet entfernte sich einen Augenblick, um nachzusehen, dass die Dienerschaft besser auf dem platz sei, als sie bei Rosen's Ankunft gewesen. Wie sie zurückkam, wollte sich Celtes beurlauben, aber Elisabet selbst duldete es nicht und sagte:
"Ihr werdet mich nicht um die gelegenheit betrügen, Euch selbst seiner Majestät vorzustellen, die ich immer gewünscht, gleich Euch selbst."
Mit feinem Takte fühlte sie, dass gerade so Celtes' Besuch bei ihr alles Anstössige vor Anderen verlor, wenn sie sagen konnte, dass er gekommen sei, um mit unter den ersten zu sein, welche die Ehre hätten dem König vorgestellt zu werden.
Jetzt klang es unten von Rosseshufen und Freudengeschrei; Elisabet ging dem König Max bis an die Treppe entgegen, Kunz stand an ihrer Seite und lachte die Ankommenden aus, dass er schon eine halbe Stunde vor ihnen im warmen Nest geruht.
Herr Scheurl wollte dem König seine Hausfrau vorstellen, er aber sagte: "Ei so wenig ich meines Wortes vergessen, so wenig vergass ich der schönen Frau Elisabet," und küsste ihr die Hand, indem er seine feurigen Blicke mit Entzücken über ihre herrliche Erscheinung streifen liess. Denn in der Tat konnte er sie vielleicht in keinem günstigeren Augenblicke sehen, als da sie noch Mitten in der Erregung war, die ihr das Wiedersehen mit Celtes und sein Ungestüm, darauf das Erschrecken durch den Narren bereiteten – und nun kam noch dieser stolze Triumph dazu, den ritterlichen König bei sich zu empfangen, von ihm unvergessen zu sein und dieselben Schmeichelworte aus seinem mund zu vernehmen, auf die verzichten zu müssen sie zuweilen gefürchtet hatte.
Nun war ja der ersehnte Augenblick da, wo sie den Dichter und den König einander zuführen konnte – sie tat es mit der ganzen ruhigen Würde ihres eigensten Wesens.
Sechstes Capitel
Im Kloster
Seit Ulrich von Strassburg erkannt hatte, dass sein Freund Hieronymus in seinem Vorurteil gegen die Juden verrottet und unverbesserlich sei, hielt er ihn auch in andern Stücken einer gleichen Engherzigkeit für fähig und während er ihm sonst fast seine geheimsten Gedanken mitgeteilt hatte, fühlte er sich jetzt veranlasst, gegen ihn über sein Gespräch mit dem Propst zu schweigen, welches so viele bange Zweifel und unheimliche fragen in ihm aufgeregt hatte.
Die Baubrüderschaften im Allgemeinen waren nicht nur in ihren speciellen Kunstleistungen