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glänzenden Helm. Sein Schwert hing an einer rosenfarbenen Schärpe mit silbernen Fransenwar es blinder Zufall oder bewährte Treue, dass er doch so Ursula's Farben trug? Sein Antlitz glänzte von Heiterkeit und Gesundheitetwas wettergebräunter war es gewordenaber sonst lächelte es gerade so stolz und selbstgefällig wie vordem.

Gleich hinter dem König ritt sein treuer Bruder und lustiger Rat Kunz von der Rosen, der ihn, seit ihn einmal Kerkermauern von seinem Herrn getrennt, nie wieder verlassen hatte. Er war es auch, der, da der Zug sich dem Stadttor näherte, plötzlich voraussprengte und durch ein Seitengässlein reitend sagte: sein Pferd sehne sich nach dem Stall und er nach der Herberge, so wollten sie sich beides ohne Ceremonienmeister suchen.

So durch enge Gässchen trabend, die eigentlich den Reitern verboten waren, gelangte er vor Scheurl's Haus unter der Veste, als der Herr desselben mit andern Ratsherren und edlen nach der andern Seite hin dem König entgegen zog, um ihn feierlich in sein Haus zu führen. Kunz konnte recht wohl berechnen, dass er auf diese Weise, indem er sich nicht nur einen Umweg, sondern auch alle aufhaltenden Empfangsfeierlichkeiten ersparte, um eine halbe Stunde früher als der König selbst in die für ihn bereitete wohnung kam. Er wollte sich den Spass machen, vor ihm einzutreffen, die Hausfrau vielleicht durch verfrühtes Kommen noch in den letzten Vorbereitungen zu stören, oder sich dann gleich selbst als Hauswirt zu geberden und Herrn Scheurl in seiner eigenen wohnung gleich einem fremden Herrn zu empfangen. Dergleichen Spässe waren nun einmal seine Weise und gehörten in der damaligen Zeit mit zu den Hauptbelustigungen.

Der Torweg, welcher, an einer andern Seite als die Haustür befindlich, in den Hof des Scheurl'schen Hauses führte, stand weit geöffnet, eben so die Türen der Ställe, und Alles war bereitet, darin mindestens ein paar Dutzend Pferde aufzunehmen. Aber kein Stallknecht liess sich sehen, alle Leute waren davon gelaufen dem kaiserlichen zug entgegen.

Kunz sprang vom Pferde, führte es am Zügel an eine gefüllte Krippe, streichelte es. und sagte zu ihm, indem er es anband: "Nun sieh, für Dich ist der Tisch gleich gedeckt; Du wirst eher und besser bedient als Kaiser und König, und auch als sein lustiger Rat; ich muss sehen, ob ich auch ein so gutes Quartier finde wie Du."

Er ging über den Hof in die weite Hausflur, schüttelte den Schnee von seinen Füssen und dachte, indem er mit seinen nassen gewaltigen Reiterstiefeln auf die schönen weichen Teppiche von venetianischer Weberei trat, die sich die marmornen Treppen herunterschlängelten und an den Stufenfugen mit blitzenden Metallhaltern befestigt waren: "Nun, das lass ich mir gefallen! Am Ende hat Aeneas Sylvius doch recht, wenn er behauptet, dass kein Potentat so schön wohne wie die Bürger von Nürnberg und Augsburg, und wenn mein Herr an seine Worte denkt, die er einmal als Jüngling sprach, da ihm der geizige Vater einige Münzen geschenkt und darüber schalt, dass Max keine bessere Anwendung davon mache, als sie an andere Knaben zu verteilen: "Ich will kein König des Geldes werden, sondern eines Volkes und derer, die Geld habenso erfüllt es sich wenigstens einmal bei den Nürnbergern: die haben Geld, was sonst ein rarer Artikel im lieben deutschen Reich, besonders am kaiserlichen und königlichen hof und auch anderwärtsden reichen Jörge ausgenommen, der in der Schatzkammer zu Burghausen mehr Gold und Silber birgt, denn jemals eine Kaiserkrone eingebracht."

Auch auf der Treppe und im Corridore begegnete ihm Niemand, doch wehte hier schon eine behagliche Wärme, aus unzähligen Kaminen hörte man Feuer knistern und lodern.

Jetzt steckte er leise seinen Kopf durch die eine Flügeltür, da es ihm war, als ob er hinter derselben sprechen höre, und der Narr machte eines seiner eigentümlichsten halb schlauen und halb verblüfften Gesichter bei dem Gewahren einer Gruppe, die er gerade jetzt nicht erwartet hatte.

Auf dem gelbplüschenen, mit Gold gestickten Divan sass ElisabetKunz erkannte sie noch sehr wohl, auch wenn er sie nicht hier als die Herrin des Hauses erwartet hätte. Er hatte sich auch die Schönheit von Nürnberg recht gut gemerkt, die seinen königlichen Herrn wie mit Zauberschlingen an sich gezogen und doch verstanden hatte ihn in Schranken zu halten, dass es bei einer ehrbaren Huldigung verblieben war, und jetzt, da der Schalk sie wiedersah, fand er sie nicht minder reizend und meinte, dass man lange suchen könne unter den deutschen Fürstinnen, bis man eine fände, die sie an angeborener Majestät übertreffe. Freilich, fügte er hinzu, scheut sie sich auch nicht sich gleich einer Königin zu schmücken.

Sie trug ein Kleid von kornblumenblauem Brokat mit einem breiten Besatz von weissem Pelz um seinen Saum, die eng anliegenden Aermel waren gleichfalls mit Pelz besetzt, so dass die kleine weisse Hand sich fast darin zu verlieren schien. Ein gleicher Pelzbesatz lief um den Ausschnitt des Kleides, in der Mitte der Brust von der funkelnden Demantrose des Königs gehalten. Eine dicke goldene Schnur mit grossen Quasten schlang sich um die Taille des Schneppenleibchens. Ein Kopfputz von blauem Sammet und weissen Federn schmückte ihr Haupt, dessen glänzend kastanienbraunes Haar in üppigen Locken zum spielenden Schleier des blendend weissen Nackens ward.

Vor ihr kniete ein Mann von mittlerer Grösse, in ein Wamms von kirschbrauner Farbe gekleidet, aus dessen Aermelschlitzen weisse Puffen hervorsahen, ebenso waren die Beinkleider, die Stiefel von gelbem Leder mit kleinen Sporen