, die schön geschnitzten Sessel mit gelbem Sammt überzogen und die meisten Tische hatten marmorne Platten. Darauf standen allerlei zierliche Gerätschaften für den Hausgebrauch, aber alle von funkelndem Silber und Gold. Grosse Spiegel von venetianischem Glas wetteiferten in Glanz mit ihren goldenen Rahmen und mehrere Heiligenbilder mit bunten Farben auf Goldgrund gemalt hingen dazwischen. Das schönste Bild aber des Zimmers war seine Bewohnerin.
S o ungefähr hätte Albrecht die Madonna malen mögen. Sie war von mittelgrosser Gestalt, feinem Wuchs und zart gerundeten Formen. Rötlich blonde Locken umfluteten von der edlen Stirn herab bis zum blendendweissen Nacken das edle Antlitz, hinten hielt sie mit zwei dicken Zöpfen vereinigt ein silberner Pfeil zusammen. Der ganze Schmelz reiner Jungfräulichkeit verschönte das blendende Weiss und das zarte Rot ihres Antlitzes. Aber die blauen Augen schimmerten von Tränen und schwere Seufzer hoben ihren Busen. Sie trug ein Kleid von dunkelrotem wollenen Damast mit Puffenärmeln und einem viereckig ausgeschnittenen Schneppenleibchen. Daran hing eine kleine goldgestickte tasche und ein Schlüsselbund an stählerner, kunstreich gearbeiteter Kette, zwei Reihen heller Bernsteinperlen umspielten den Hals.
Sie hörte nicht, dass Jemand die Tür geöffnet hatte, aber sie fühlte, dass die Strahlen fremder Blicke sie berührten, erschrocken schob sie die Papiere zusammen, unter denen sie geschrieben, und wendete sich nun erst zu dem Eintretenden um.
"Verzeiht, edle Jungfrau, wenn ich Euch störe," sagte Albrecht, "aber ich bin hierher beschieden ein Geländer anzustreichen, und fand Niemanden mir meine Arbeit anzuweisen."
Ursula Muffel – denn die Jungfrau war die einzige Tochter des Hauses – erhob sich und sagte: "kommt Ihr vom Meister Wohlgemut, so will ich selbst mit Euch gehen."
Albrecht bejahte, und während Ursula einen blick in den Spiegel warf, mit dem angehauchten Taschentuch über die verweinten Augen fuhr und ein kleinzusammengefaltetes Papier in ihrem Kleide verbarg, hatte Albrecht ein silbernes Krucifix in die Augen gefasst, und als Ursula sich zu ihm umkehrte, ward sie gewahr, wie er sich ganz nah auf dasselbe beugte.
"Verzeiht meine Unschicklichkeit," sagte er fast errötend zurückfahrend; "ich wollte nur sehen, ob ich mich nicht täusche, dass dies Stück wirklich aus meines Vaters Händen hervorgegangen – und es ist wirklich so, da ist sein Zeichen."
"So seid Ihr ein Sohn des wackern Goldschmieds Albrecht Dürer in der Winklerstrasse?" versetzte Ursula, "denn bei diesem hat es mein Vater mir zum Geschenk machen lassen, da ich gefirmelt ward."
"Ich habe es selbst gezeichnet und gegossen da ich noch in meines Vaters Werkstatt lernte," antwortete Albrecht, "und es kann mich stolz machen, dass es in solche hände gekommen ist."
Indess sie so sprachen, schritt Ursula voran über eine Flur kleiner Treppen und Gänge, bis sie im zweiten Stock an eine offene Galerie und eine noch höher führende Freitreppe kamen, an welcher, weil es die Wetterseite über dem Hofraum war, das Holzgeländer seiner ehemaligen Farbe sich beraubt zeigte, welche Albrecht wieder erneuern sollte.
"Und Ihr seid nicht bei dem Handwerk Eures Vaters geblieben," fragte Ursula, "da Ihr doch schon ein so künstliches Werk zu stand gebracht?"
Albrecht schüttelte mit dem Kopf: "So fragen mich wohl die Leute immer, und mein Vater selbst meinte, die Zeit sei mir nun gar verloren, die ich zuvor in seiner Lehre zugebracht; aber ich hab' einmal das Zeichnen und Malen nicht lassen können, und scheint es mir leichter jedes andere Opfer, und wär's mein Leben selbst, zu bringen, wenn man's fordert, denn dass ich der Kunst entsagen möchte. Und was ich zuvor schon gelernt, das will ich Alles für sie nützen, damit mir Niemand nachsagen könne, ich habe je meine Zeit mit unnützen Dingen verloren."
Während er das sagte, knieete er schon an dem bezeichneten Geländer und fing an zu pinseln. Ursula dachte dabei lächelnd zugleich mit vornehmer Geringschätzung und weiblichem Mitleid: Armer Junge! das ist auch eine rechte Kunst, für die es lohnt sich zu begeistern, hier das Geländer anzustreichen, eine Arbeit, die ich selbst ganz gut verrichten könnte, wenn mir's nicht um meine schönen weissen hände wäre! – Aber bei diesem Gedankengang warf sie einen blick auf die hände, die hier den Pinsel führten, und sah, dass sie an Weisse und Zarteit den ihrigen nichts nachgaben, und wie jetzt von obenherein ein Strahl der mittäglichen Sonne vereinzelt durch die Skulptur des vorspringenden Dachgeländers dringend auf den Scheitel des Jünglings fiel und einen Heiligenschein um seine glänzenden Locken wob, indess er bescheiden mit freudiger Zuversicht die niedere Arbeit verrichtete, da erschien er ihr plötzlich in einem höhern Lichte, als vorher, und was sie auch von seinem Kunstglauben halten mochte, Eines schien ihr gewiss: dass ein hohes Streben und ein edles Gemüt in diesem zarten Jüngling lebte – und daran knüpfte sich die verzeihliche Selbstsucht eines eben ängstlich gefolterten Herzens, ob nicht gerade in diesem ihr der Himmel den Boten gesandt, dem sie vertrauen könne, wo sie eben vergeblich über einen solchen nachgesonnen und diese Unmöglichkeit nicht die geringste Ursache ihrer Tränen gewesen.
Nach einer langen Pause also, in der diese Gedanken und Empfindungen sie bewegt hatten, fuhr sie plötzlich mit der Frage heraus:
"Könnt Ihr lesen?"
"Ei freilich kann ich das!" sagte Albrecht, zugleich stolz auf diese Kunst, deren Erlernung damals Manchem, der in minderer Armut aufgewachsen als er, versagt