Unfug verübt. Ihr Mann grollte meist nur still oder schickte fort, mit wem er unzufrieden war; sie aber suchte den Leuten in's Gewissen zu reden, sie durch moralische Vorstellungen und Kernsprüche zu bessern. So war ihr von den Leuten, die zwar Respekt vor ihr hatten, aber denen das frühere lose Regiment doch besser behagte, als dies strengere durch sie geführte, bald der Beiname des Hausdrachen gekommen, und sie hatten keine geringe Freude, als jetzt selbst der geistliche Herr sie damit neckte.
Meister Kraft aber, obwohl er das ernste Gesicht auch zu einem Lächeln verzog, fühlte doch, dass er seiner Hausfrau sich annehmen müsse, und sagte kurz und gut: "Wir leben ja als Adam und Eva im Paradies und da kann wohl Einer leichtlich denken, Drache oder Schlange müsse sich einschleichen, und wie es immer gewesen, zur Frau zuerst; draussen aber sitzt er im Stein gezaubert v o r dem Tor und weiset wohl den Weg zu uns, aber nicht uns hinaus."
"Das ist brav," sagte Herr Martin Ketzel, "dass Ihr Eure Hausehre in Schutz nehmet."
Der Meister schien schon nicht mehr auf das zu hören, was weiter um ihn vorging, sondern trieb den spitzen Stahl immer tiefer in den sich gestaltenden Stein, dass es lustig klang und Funken und Sand um ihn sprühten und stäubten.
Ketzel wendete sich darum zu Frau Kraft und sagte: "Es ist wirklich wundersam, dass Meister Adam auch eine Eva gefunden."
Diese errötete und fuhr sich mit der Schürze über's Gesicht, der Meister lächelte schlau und der Propst sagte:
"Das Wunder ist nun eben nicht so gross; wisst Ihr denn nicht, dass die Frau Kraft eigentlich Magdalena heisst, so steht sie im Kirchenbuch, und nur dem Meister da zu Gunst hat sie sich selber umgetauft, weil er sich's einmal in den Kopf gesetzt, keine Andere als eine Eva zu freien."
"Ei was!" rief die Meisterin sich entschuldigend, "der Kraft ist auch nicht Adam getauft, sondern Ulrich, und hat sich selbst den Namen gegeben; warum soll eine Frau nicht das gleiche Recht haben?"
"Wenigstens wenn es ihr Mann ihr gibt!" sagte Meister Kraft, der doch seine Frau nicht wollte übermütig werden lassen und sich die Oberherrschaft sichern.
Während dieses Gespräches war der Mönch an einem Seitenfenster stehen geblieben, das dem geöffneten Hoftor schräg gegenüber war, so zwar, dass man durch dasselbe auf die Strasse und die bei dem Lindwurm Vorübergehenden sehen konnte. Anfangs blickte der Mönch nur mürrisch da hinaus, ungeduldig, dass der Propst, den er schon allentalben gesucht, nun statt sich mit ihm zu entfernen, kurzweilige Spässe trieb, die seiner Würde sehr wenig gemäss waren. Jetzt aber blickte der Mönch schärfer hin, wie gefesselt durch eine ausserordentliche Erscheinung; ein sonderbares Zucken flog über sein erdfahles Gesicht und seine dunklen Augen blitzten unter den grauen Augenbrauen.
Jetzt wendete sich der Propst zu dem schweigenden Mönch und sagte: "Aber Ihr werdet Eile haben, ich bin bereit Euch zu begleiten. Gehabt Euch wohl, Meister Kraft. Gottes Segen mit Euch Beiden: Adam und Eva! Herr Ketzel, guten Fortgang zu Euer frommen Stiftung in so wackeren Meisters Händen. Besucht mich bald einmal in der Propstei zu einem Becher edlen Rheinweins, wie er in meinem Keller lagert." Er lächelte und schmunzelte dabei schlau, denn sein immer voller Weinkeller, obwohl täglich aus ihm geschöpft ward, machte ihm mehr Freude, als eine volle Kirche.
Martin Ketzel verstand den Wink, dass der Propst jetzt seine Begleitung nicht wünsche, er blieb daher zurück, als sich dieser mit dem Mönch entfernte, und sagte zur Meisterin:
"Ich muss schon noch ein Weilchen bei Euch verziehen, denn die geistlichen Herren da scheinen unter vier Augen zu verhandeln zu haben, wobei sie weltliche Ohren nicht gebrauchen können."
Frau Eva war auf den Propst noch ärgerlich wegen des Drachen und sagte: "Es ist auch besser, man hört es nicht; der Herr Propst hat immer andere Dinge im kopf, als man bei einem Kirchenhaupt erwarten möchte, und der Mönch sah auch nicht aus wie Einer, der Frieden im Kloster gefunden und sich wohl fühle in seinem Berufe."
Meister Adam runzelte die Stirn und winkte seiner Frau schelmischstrafend zu, als wolle er sagen, dass sie wohl Recht habe, dass man aber vor den Leuten in der Werkstatt nicht so reden dürfe.
Gleichzeitig aber sagte der Riesen-Jacob: "O den Mönch da, den Bruder Amadeus, den kenne ich. Ich habe vorletzten Sommer als Handlanger einmal im Kloster mitgearbeitet – da hab' ich ihn in seiner Zelle heulen und toben hören, und weil ich darnach fragte, hat mir der Pförtner gesagt, da sei der Bruder Amadeus seit einem Jahre zum ersten Male mit einem Auftrag in Nürnberg gewesen und ganz verstört wiedergekommen; er wäre seitdem nicht mehr zu bändigen – von Busse und Besserung wollt' er gleich gar nichts hören."
"Lasst doch das unnütze Reden!" sagte der Meister; "wir loben den Herrgott in unserer Kunst und in den Werken, die wir ihm zur Ehre mit allem Fleiss bereiten – mögen sie in den Klöstern tun und treiben, was sie wollen!" –
Herr Martin Ketzel verabschiedete sich und die Meisterin gab ihm das Geleite bis zu dem Brunnen vor dem Haustor. Es begann zu