wie er nicht empfänglich sein würde für harmlose heitere Festlichkeit wie in früherer Zeit, und vielleicht noch weniger für Gründung des Liebesglückes Anderer, da es ihm eben selbst auf so schmähliche Weise versagt war.
Und wenn er wiederkam – würde er sein Wort halten und in Scheurl's haus wohnung machen? Geschah es nicht, so fand Elisabet schon darin eine Zurücksetzung – und geschah es, so erwachten jetzt schon die Sorgen der Hausfrau in ihr, den hohen Gast auch würdig und glänzend genug zu empfangen.
Die beiden Freundinnen wurden im Gespräch über diese Angelegenheiten unterbrochen, als ihre stickenden Genossinnen erschienen: Elisabet's Schwester Margareta, Beatrix Imhof, Crescentia Rieter, Charitas und Clara Pirkheimer und andere Jungfrauen aus den ratsfähigen Geschlechtern, denn nur solche hatte Elisabet zu der Arbeit berufen.
Alle eilten die unterbrochene Arbeit neu zu beginnen.
Mit den Schwestern Pirkheimer pflegte Elisabet den Umgang am liebsten, Ursula ausgenommen. Sie waren beide von dem regsten Eifer für wissenschaftliche Studien sowohl als frommes Wirken beseelt, so dass man sie bald die gelehrten, bald die frommen Schwestern nannte. Zu jeder Arbeit waren sie bereit und tüchtig und für jedes Streben begeistert, das sich über die gewöhnlichen Lebenssphären erhob. Ihre Bildung war eine ausserordentliche und besonders durch das früher gemeinschaftliche Lernen mit ihrem Bruder Willibald geförderte. Jetzt, wo er fern war und inzwischen auch ihre Mutter gestorben, hatte ihr Sinn sich dadurch immer mehr von den lauten Freuden der Welt abgewendet, ihren stillen Studien und einem beschaulichen Leben zu.
Jetzt waren sie auch die Eifrigsten bei der Stickerei der Gobelins, ja sie hatten es sich nicht nehmen lassen, beide allein die Figur des Auferstandenen zu stikken, darin eine besondere Befriedigung findend. War nun auch die schöne Elisabet weltlicheren Sinnes als die beiden, von der natur gerade nicht mit körperlichen Vorzügen ausgestatteten Schwestern, so erkannte sie doch ganz deren inneren Wert und ehrte ihre frommen Lebensanschauungen, wenn sie auch selbst sich zu freieren emporgeschwungen. Es war immer ein klarer Friede um diese Beiden, der ihr wohl tat und den sie ihnen um so mehr beneiden konnte, als ihre unruhig bewegte Seele nur den Schein desselben zu behaupten suchte.
Sie fragte jetzt die Schwestern nach ihrem Bruder Willibald, von dem sie wusste, dass er Ritterdienste bei dem Bischof von Eichstädt, eines der Häupter des schwäbischen Bundes, genommen.
"Zu unserer Freude," sagte Charitas, "wird er bald das Schwert mit der Feder vertauschen, um in Italien die unterbrochenen Studien fortzusetzen. Im rohen Kriegerhandwerk können es wohl Andere ihm gleich tun, aber mit seinem freien geist und seiner umfassenden Bildung passt er besser in die stille Werkstatt der Gelehrten und wird seiner Vaterstadt und dem Reiche bessere Dienste leisten können, als mit dem Schwert. kommt der Bischof von Eichstädt zum Reichstage her, so wird er ihn begleiten und kurz bei uns verweilen, ehe er auf lange Zeit nach Italien geht."
"Ihr wisst es also auch schon von dem Reichstag?" fragte Ursula gespannt.
"Mein Vater sagte es diesen Mittag," antwortete Clara.
Auch Crescentia Rieter mit Margareta Behaim, die jüngste in diesem Verein, stimmte dieser Nachricht bescheiden bei.
Draussen liessen sich eben Männerschritte vernehmen – Elisabet hoffte, es werde ihr Gemahl sein, der nun auch die aufregende Kunde empfangen, und komme sie mitzuteilen – aber sie hatte sich getäuscht; statt seiner trat der Maler H a n s B e u e r l e i n ein, um zu sehen, welche Fortschritte der Gobelin mache, zu dem er das Gemälde geliefert.
Er war ein mittelgrosser Mann in den Fünfzigen, seine Gestalt hatte er in einem grossen Zipfelpelz von dunkler Farbe gehüllt und auf dem kopf trug er eine Art Mütze von roter Farbe, ein Schläplein, wie diese wunderliche Kopfbedeckung hiess.
Freundlich gab er sein Lob über die vorgeschrittene Frauenarbeit zu erkennen, aber als er sich über Ursula's Schulter bog, ihr Werk zu betrachten, sagte er: "Aber was ist denn das: Ihr stickt der armen Maria Magdalena graue Haare statt der blonden – würde es Euch doch selbst sehr kränken, wenn man Euch plötzlich mit grauen Haaren sehe!
Errötend erkannte Ursula das Unheil, das sie angerichtet, indess ihre Gedanken ganz anders beschäftigt gewesen als mit ihrer Arbeit. Durch langes Sehnen und Harren, Fürchten und Hoffen schon zum Aeussersten erschöpft, brach sie in Tränen aus und rief: "Ach, das ist gewiss eine schreckliche Vorbedeutung!"
Der Maler lächelte: "Trennt es herzhaft wieder heraus und macht den Fehler gut, den ihr begangen, so macht Ihr auch die Vorbedeutung zu Schanden. So ist's Männerart; aber die Frauenzimmer sehen immer Alles gleich mit weinerlichen Augen an, bis sie gar nichts mehr erkennen können."
"Ei freilich!" entgegnete Elisabet, "das ist bequeme Männerweisheit, die sich immer ihr Schicksal leicht macht: Wenn Ihr dies Haar mit einer falschen Farbe gemalt hättet, so bedürfte es nur einiger Pinselstriche von Eurer Hand aus einem andern Farbentopf, um dies Grau wieder in das schönste Blond zu verwandeln; das Frauenloos ist aber: hundert Stiche mühevoll aufzutrennen und wieder hineinzunähen – ein Geschäft, das vieler Geduld und Zeit bedarf; nimmer unterzieht sich jetzt ein Mann einem solchen, um seine Fehler gut zu machen."
"Ei, was höre ich, Frau Elisabet?" rief der Maler: "aber so geht es immer, wenn sich einmal ein Mann allein unter die Frauenzimmer