ansehnlichen Trödlerkram. Eine bedeutende Verstärkung erhielt dieser jedoch oft durch ein zwar einträgliches, aber ziemlich anstössiges Geschäft. Er zog nämlich meist in Begleitung seiner Tochter oder seines Sohnes Benjamin trödelnd in der Umgegend umher; aber gewöhnlich kam er mit gefüllterem Sack zurück, als mit dem er ausgezogen, und war doch gar wohl mit seinem Handel zufrieden. Während die grossen Kaufleute von Nürnberg ihre Waaren meist nur mit grosser Bedeckung von Reisigen weiter in's Land zu führen wagten, da die Raubritter und Wegelagerer jetzt ihr Wesen ungescheuter denn jemals trieben, besonders in den nahen Reichsforsten und oft bis unter die Mauern der Burg, wandelte der Jude mit seinen Kindern einsam, aber sicher, trotz den oft reichen Schätzen, die sie bei sich trugen. Das doppelte Rätsel lös't sich leicht: Wo jene die Stehler machten, war er der Hehler. Oder wenn man das nicht sagen kann, da die Raubritter ihr Wesen so ungescheut trieben, dass sie gar keines Hehlers bedurften, sondern mit frecher Hand nur nach dem rohen Recht des Stärkeren räuberisch an sich rissen, was den schwächer bewahrten Handelsleuten abzunehmen war, ihrer Beute oft noch sich rühmend: so war diese doch oft der Art, dass sie für ihre Verhältnisse selbst nicht immer brauchbar erschien – da war denn in diesen Räuberhöhlen, welche den stolzen Namen Schlösser führten, der Jude Ezechiel eine sehr willkommene Erscheinung. Von ihm erhielt man für diese unnützen Waaren nützlichere und dem augenblicklichen Bedürfniss entsprechende nach freier Auswahl, oder baares Geld, und der Jude wusste dabei den Handel immer zu seinem Vorteil zu lenken, wenn er dabei auch immer jammerte und klagte, als habe er nichts als Verlust davon. Aber damit allein waren die Geschäfte des Juden noch nicht erschöpft. Da eben Leute aus allerlei Volk zu ihm ihre Zuflucht nahmen, so war er auch von tausend Dingen unterrichtet, die in den stolzesten Patrizierhäusern wie in den verdächtigsten Schlupfwinkeln der niedrigsten Klasse vor sich gingen und andern Blicken sich verhüllten, und darum wusste er in tausend Stücken Rat, den er sich so gut wie seinen Trödlerkram bezahlen liess.
So, als er auf das Schloss des Ritters von Weispriach kurz nach der Abreise des Königs Max gekommen, auf dem der aus Nürnberg verwiesene Eberhard von Streitberg einstweilen ein Asyl gesucht, um von da aus seine Ziele zu erreichen, erhielt der Jude von den Rittern den Auftrag auszukundschaften, welcher Goldschmied Nürnbergs die Rose gearbeitet, welche der König der Scheurlin geschenkt. Er sollte eine ganz gleiche danach anfertigen lassen. Da der Jude erfuhr, dass Meister Albrecht Dürer der Verfertiger war, ein Mann, der sich weder durch Bestechung noch Drohung zu einer unredlichen Handlung verleiten liess, und der sich um keinen Preis in ein Geschäft mit einem Juden würde eingelassen haben, so kam er darauf, durch die alte Jacobea, welche er zu ihm sandte, zu seinem Ziel zu gelangen.
An dem Gastmahl in Nürnberg, an welchem der Ritter von Weispriach die gehässigen Gesinnungen kennen lernte, welche die Hallerin gegen die Scheurlin hegte, hatte er von dieser im Interesse seines Freundes Streitberg mehr zu erfahren und sie mit zu seiner Bundesgenossin zu machen gesucht. Bei ihrem späteren Wiedersehen war zwischen ihnen ein Plan verabredet worden, eine von Streitberg mit der Scheurlin gewünschte Zusammenkunft zu veranstalten. Wie sehr auch die Hallerin wünschte, die beneidete und darum verhasste Feindin zu demütigen, so wollte sie sich doch erst lange nicht zu einer Vermittlerin hergeben, obwohl Weispriach nichts von ihr verlangte, als dass sie Elisabet mit andern Gästen zu sich lade und sie dann in ein abgelegenes Gemach locke, in dem ein von ihr verschmähter Liebhaber – der Ritter nannte absichtlich keinen Namen – sie ungestört treffen könne. Nur um einen Preis war sie bereit das zu tun: wenn sie eine, derjenigen Elisabet's ganz gleiche Nadel erhalte, die sie nun, wo der König fort war, auch als ein Geschenk seiner Huld ausgeben, dadurch Elisabet demütigen und sich an ihr rächen könne – ja die Hallerin bestand entschieden darauf, nicht früher ihre hülfreiche Hand zu bieten, bis sie in den Besitz der Nadel gesetzt worden.
Doppelt ungelegen war es darum den Rittern, durch die Antwort des Goldschmieds sich so hingehalten zu sehen. Als endlich die drei Wochen vorüber waren, sandten sie nächtlicher Weile ein paar ihrer Knappen mit der für die Nadel geforderten Summe zu Meister Dürer, und der Knappe musste froh sein mit einer abschlägigen Antwort davon zu kommen.
Nun war die hülfe der Hallerin verwirkt – ja man musste noch froh sein, wenn sie in ihrem Aerger nicht plauderte und den Ritter, der ihr durch ein Versprechen Hoffnungen erregt, die er nicht erfüllen konnte, in seinem Vorhaben zu stören suchte. Doch erhielt sie die Furcht, durch eine Mitteilung zum Nachteil des Ritters zugleich sich selbst zu schaden, bei dem Vorsatz des Schweigens; aber sie hoffte, dass sich eine gelegenheit finden werde dem Ritter zu zeigen, dass man eine Nürnberger Patrizierin nicht ungestraft hintergehe, und wartete auf dieselbe. Vergessen würde sie die Täuschung nie.
Indess hatte Weispriach wenig Neigung, für Eberhard von Streitberg noch fernere Schritte zu tun, und verwies diesen allein auf die hülfe des Juden, als dieser wieder mit seiner Tochter auf seinem Hausirergange in das Schloss kam. Er schlug die alte Jacobea als Bundesgenossin vor, die mit Elisabet's Amme in einem haus wohnte; aber man wollte dem Juden nicht allein trauen und behielt ihn so lange bei sich, bis Rachel nach Jacobea gesandt mit dieser zurückkam