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gräulichsten Marterwerkzeuge von den Händen der Folterknechte versteckte. So war es ein Glück für den Knappen, dass er nur tot in die hände der Sieger gefallen war.

Aber die Baubrüder, die nur die Beschützer einer wehrlosen Frau gewesen? Für sie sandte Elisabet heisse Gebete zum Himmel empor, da sie hörte, dass sie noch lebten, aber schwer an ihren Wunden darniederlagen. War es doch derselbe Steinmetzgeselle, der sie schon einmal verteidigtderselbe, der schon einmal ihre Aufmerksamkeit erregte und doch ihre Rose verschmähte. Zum zweiten Male war er ihr Retter geworden, hatte sie zum zweiten Male mit Gefahr seines Lebens beschützt. Wie eine Beschämung lastete das auf ihr, doppelt, da er das erste Mal vielleicht den Ritter gekannt, und sie überhaupt es seiner Verschwiegenheit dankte, dass von diesem Vorfall Nichts in der Stadt herum gekommen. Sie ahnte nicht, wie viel sie ihm zu danken hatteaber schon das, was sie erkannte, drückte sie wie eine Last! –

Zwölftes Capitel

Eine Jüdin

Es war ein wüstes Durcheinander in dem Gemach, in dem Rachel, das Judenmädchen, einige Ordnung herzustellen suchte. Grosse Kisten und Laden waren übereinander gehäuft, einige von ihnen geöffnet und halb ausgepackt; kostbare Stoffe und Pelze quollen daraus hervor. Rachel stäubte sie aus, um sie vor Insekten zu sichern oder auch davon zu befreien, je nachdem es sich nötig zeigte. Zuweilen hielt sie bei dem Geschäft inne und lauschte durch die angelehnte Tür in ein zweites, ziemlich leeres und armselig eingerichtetes Gemach, das mit den hier aufgehäuften Schätzen auffallend contrastirte. Aus diesem führte eine zweite, jetzt verschlossene Tür hinaus auf die Treppe, und Rachel wollte nur nicht verhören, wenn Jemand komme und klopfe.

Jetzt hörte sie draussen schlärfende Schritte die Stiege heranes waren die ihres Vaters; da brauchte sie nicht zu öffnen, denn er wusste draussen den verborgenen Winkel, wo die abgeschraubte Klinke zu dem Türschloss lag, das ohne dieselbe nur von innen geöffnet werden konnte. Sie hörte ihn danach suchen, dabei gewohnte Flüche murmelnd, endlich öffnete sich die Tür.

Der Jude Ezechiel war ein Mann von mittlerer Grösse, dabei hager und von geschmeidigem Wesen. Der Typus seiner Gesichtszüge war entschieden orientalisch, eine grosse hervorragende Nase über einem vorstehenden Mund, den ein grauschwarzer Bart umwallte. Dürftiger war das Hauptaar, aber die Augenbrauen buschig, ein listig lauerndes Augenpaar beschattend. Er trug einen schwarzbraunen, bis auf die Füsse reichenden Talar, eine buntstreifige Schärpe um den Leib und an dem linken Aermel die von dem Nürnberger Rat für Männer wie Frauen israelitischer Abkunft gleicherweise vorgeschriebenen drei gelben Streifen.

Die Furchen seiner Stirn erschienen heute noch einmal so tief als gewöhnlich und prophezeiten nichts Gutes. Da er eintrat, herrschte er Rachel zu: "Geh' hinein und bleib drinnen bei Deiner Arbeit, aber mache dabei kein Geräusch, damit nicht merkt die alte Jacobea, dass Jemand drinnen. Sie kann Dich einmal nicht leiden. Geh' hinein, denn sie folgt mir auf dem fuss und wird gleich da sein."

"Nun," sagte Rachel, "ich kann sie auch nicht leiden, und es hat uns auch noch kein Glück gebracht, dass Ihr Euch mit ihr eingelassen."

"Still, rede nicht von Dingen, die Du nicht verstehst; Geh' hinein, sag' ich!" rief der Jude leise aber drohend, und Rachel gehorchte. Sie ging wieder in das zweite grosse Gemach und schloss die Tür hinter sich, aber sie dachte nicht daran, wieder an die vorige Arbeit zu gehen, sondern lehnte sich lauschend an die Tür, um kein Wort von dem zu verlieren, was die alte Jacobea drinnen mit ihrem Vater sprechen würde.

Als diese eintrat, rief sie: "Es ist Alles verunglückt, und war Alles so schön gegangen! Alle waren abwesend, mein Sohn wie seine Frau und der grosse Bube, um vor heute nicht wieder zu kommen. Die alte Marte, die Amme der Frau Scheurlin, kam durch das Pulver, das ich ihr in den Brei gerührt, in einen Zustand, dass sie Nichts von sich wusste und irre redete; da konnte' ich getrost den kleinen Buben gegen Abend zur Stadt schicken, der Scheurlin melden zu lassen, dass die Amme in Todesnöten nach ihr verlange. Wie klug sich auch die Scheurlin dünken mag, sie ging glücklich in die Falle, und brachte nur einen einzigen Diener mit. Wohl eine Stunde sass sie da bei der Irreredenden, bis es dunkel war; ich sagte erst, sie solle warten, bis mein Sohn käme, der sie mit heimgeleiten könne. Aber sie wollte nicht, und wie sie hinausging, lauerte draussen schon der Ritter und ich hatte die Widerspänstige glücklich in seine arme geliefert. Da hör' ich draussen noch andere Stimmen als die ihrige schreienein ganzer Trupp Baubrüder kämpfte mit dem Ritter und den Knappen, dann kamen gar Bewaffnete aus der Stadt; es hat Leichen und Verwundete auf dem Platz gegebender Ritter ist nur verwundet, aber ohne Beute entkommen. Den Nürnberger Rat fürcht' ich nicht, noch weniger das Gericht des Burggrafen, denn ich habe meine Sache zu klug angefangen, kein Verdacht kann mich treffenaber den Ritter und seine Kumpane werde' ich nun auf dem Halse haben."

"Misslungen!" rief der Jude, "zum zweiten Male misslungenund durch Euch!"

"Hoho!" rief die Alte; "durch Euch