wohl, diesen Geist in Nürnberg zu finden! Aber eben so hat es alle meine Hoffnungen auf König Max verringert, weil er schon vor fast drei Jahren in einem römisch-königlichen Brief vom 6. November 1486 aus Brüssel die päpstliche Bulle in allen Stücken genehmigt, die Inquisitoren in seinen Schutz nimmt und allen und jeden Untertanen des Reichs befiehlt, ihnen bei Vollziehung ihrer Geschäfte alle Gunst und hülfe zu leihen. Und das ist geschehen trotz dem Widerspruch der Gebildeten und vieler würdigen Geistlichen, die in ihre Predigten dem volk die Versicherung gaben, dass es keine Hexen gebe, oder dass es wenigstens Nichts sei mit ihren angeblichen Künsten, durch welche sie den Menschen und andern Geschöpfen schaden sollten. Das ist geschehen trotz dem buch De Lamiis pytonicis mulieribus von Ulrich Molitor (Müller) aus Kostnitz, eines Doctors der päpstlichen Rechte zu Padua, worin er den Glauben an die Macht des Teufels zur Bewerkstelligung der angeblichen Zaubereien bestreitet und alles davon erzählte für Erdichtungen oder für Werke der Einbildungskraft erklärt, obwohl er zugiebt, dass diejenigen Strafe verdienen, die durch Armut und Unglücksfälle zum Bösen versucht, sich wenigstens der Absicht nach dem Dienst des Teufels ergeben. Aber anstatt diesem Urteil der Vernünftigen sind die Fürsten und Universitäten dem Boten der Unvernunft beigetreten. Die Universität zu Cöln hat auf Begehr der Inquisitoren Heinrich Krämer und Jacob Sprenger ein beifälliges Gutachten über den 'Hexenhammer' ausgestellt, und gerade König Max musste es sein, der ihm die vollste Bestätigung gab; ich glaube, der alte Kaiser Friedrich hätte es nimmer getan – da tut es der Sohn; was bei dem Vater die Entschuldigung für sich gehabt, dass es von einem schwachsinnig gewordenen Greise stamme, das gereicht dem Sohn im blühendsten Mannesalter zu ewiger Schmach."
"Ich habe mich bisher wenig um diese Dinge gekümmert," sagte Hieronymus; "ich habe sie für zu einfältig gehalten, als dass man grosses Gewicht darauf legen sollte, und wenn man aus Frankreich oder auch vom Rhein und Westfalen Hexengeschichten und Processe hörte, so habe ich gemeint, solch' dummes Zeug könne sich doch nicht auf die Dauer erhalten, man könne die Torheit ruhig mit ansehen, sie werde bald in sich selbst zerfallen."
"Ja," sagte Ulrich, "verachte man nur die Unvernunft, dem gewissen Sieg der Vernunft durch sich selbst vertrauend, und setze sich jener nicht mit aller Kraft entgegen, so wächst sie zur riesenhaften Macht empor. Das ist das Unkraut, das man unter dem Weizen nachsichtig duldet und das ihn dann erstickt. So scheint es hier zu gehen! Vor einem halben Jahrhundert verbrannte man die heldenmütige Retterin Frankreichs Jeanne d'Arc, weil dem einfachen Mädchen aus dem volk gelungen war, was Helden umsonst versuchten, und der politische Parteienhass verdammte sie als Zauberin. Vor dreissig Jahren wurden zu Arras in Artois eine Menge von Menschen durch die Habgier schändlicher Ankläger und noch schändlicherer Richter der Gemeinschaft mit dem Teufel verdächtigt und schuldig befunden. Der Chronikenschreiber Monstrelet erklärt, dass diese ganze Anklage nur erfunden worden, um einige angesehene Personen in Schaden und Unglück zu bringen. Man liess erst nur schlechte Leute gefangen nehmen, welche nun durch Marter und Pein gezwungen wurden die Namen der Personen, die man ihnen vorsagte, als solche zu nennen, welche mit ihnen dem Teufel gehuldigt und Hexensabbat gefeiert. Die Angegebenen wurden dann wieder so grausam gefoltert und gemartert, bis sie endlich auch gestanden – und dann wurden sie auf unmenschliche Weise hingerichtet oder verbrannt. Aber trotzdem, dass so ein Gelehrter versuchte diese Schändlichkeit zu entüllen und zu erklären, wollte man nun an andern Orten auch von Zauberei und Teufelsspuk hören, und die Finsterlinge, denen stets die Dummheit des grossen Haufens und der Glaubenseifer edlerer Naturen willkommen ist ihr Reich zu kräftigen, fanden hier ein treffliches Netz, es immer weiter auszuwerfen und mehr darin zu fangen."
"Wenn ich nicht irre," sagte Hieronymus, "sind es etwa fünf Jahre, dass Papst Innocenz die Bulle erliess, durch welche der Hexenglaube und das damit verbundene Rechtsverfahren die kirchliche Weihe erhielt; aber Du überschätzest wohl die Schädlichkeit ihres Einflusses."
"Gewiss nicht!" eiferte Ulrich; "die Dominikaner und Professoren der Teologie Heinrich Krämer in Oberdeutschland – und Jakob Sprenger am Rhein waren schon zu Inquisitoren ernannt, als sich noch viele der besseren und aufgeklärteren Geistlichen ihrem Verfahren widersetzten; aber seit der päpstlichen Bulle und noch mehr seit der päpstlichen Bestätigung wagt das Niemand mehr, die Geistlichen wie die Laien haben sich gefügt, denn diejenigen, welche es nicht taten, wurden ihrer Stellen verlustig. Der 'Hexenhammer', der erst kürzlich erschienen, entält eine förmliche Hexengerichtsordnung, die nun überall gelten soll. Unsinn, Dummheit und Unfläterei wetteifern darin mit der schauderhaftesten Grausamkeit, und unzählige Frauen sind bereits als ihre Opfer gefallen. Das Schlimmste ist nur, dass die weltlichen Gerichte ihr Ansehen allein dadurch zu behaupten wähnen, dass sie den geistlichen Gerichten nicht die Spitze zu bieten, sondern ihnen zuvorzukommen suchen; so kommt es endlich zu einem förmlichen Wetteifer, wer mehr Teufels- und Hexenspuk aufspüren und wer seine Opfer grässlicher foltern und bestrafen kann."
Die Beiden sprachen noch lange so über ein einmal angeregtes schreckliches Tema und über eine, durch ein einziges Wort heraufbeschworene Gefahr, die nun wie ein Damoklesschwert über Ulrich's haupt hing; denn kam der Verdacht eines unehrlichen Herkommens auf einen Baubruder; war seine Mutter der Schande verfallen, so verfiel er derselben mit und ward für immer aus der