, mit einem kühnen Wort vielleicht die Anregung zu geben zu einer kühnen Tat, oder wieder durch eine weiblich sanfte Fürbitte Befreundeten zu nützen – das gewährte ihrem ganzen Wesen eine vollere Befriedigung und gab ihr einen höheren Schwung als die leidenschaftlichen Erregungen, an denen Gemüt und Sinnlichkeit den grösseren Anteil haben.
Aber jetzt war dieses Glück vorüber. Es schien, als wolle ihr Geschick ihr nur zeigen, wozu sie Beruf und Macht habe, was ihr Genüge und Beseligung geben könne, um es dann nach kurzem Besitz wieder von ihr zu nehmen! –
Die Muse eines Dichters und die Freundin eines Königs! Das Schicksal hatte sie dieser seltenen Gunst gewürdigt; aber jetzt war Beides vorüber! Max war nur wie ein leuchtendes Phänomen neben ihr aufgetaucht, und jetzt erglänzte es in unerreichbarer Ferne. Sie sah wohl noch sein Leuchten – aber wie stolz und eitel sie auch war, sie wagte doch nicht sich einzubilden, der König werde unter den Sorgen der Krone und des Krieges noch ihrer gedenken. Sie sagte sich, dass er so wie ihr wohl schon vielen Frauen gehuldigt und vielen andern noch huldigen werde in seiner ritterlichen Weise, dass, wenn nicht andere Bürgerinnen, doch Edelfräulein und Fürstinnen ihr Bild verlöschen würden. Und Konrad Celtes? Sie zweifelte nicht, dass sie in seinem Herzen fortlebte wie in seinen Liedern; sie war sich ihrer geistigen Gaben genug bewusst, um zu wissen, dass er für das Verständniss seines geistigen Wesens keinen Ersatz für sie bei andern Frauen finden werde – aber sie konnte nicht ohne Schmerz und Bitterkeit an ihn denken. Er hatte sie doch nicht geliebt, so wie sie ihn liebte, sonst hätte er ihr nicht entsagt, da sie noch frei war – ach, warum gab es keinen Mann, der zu lieben verstand wie sie selbst, mit solcher Kraft und Hingebung und Treue?! Weil sie an Celtes zu der erkenntnis gekommen war, nach einem Ideal zu jagen, für welches das Leben keine Verwirklichung habe, hatte sie dem ungeliebten Mann ihre Hand gegeben, um sich vor neuen Kämpfen zu bewahren.
Und nun musste gerade jetzt wieder eine Gestalt aus der goldenen Morgenzeit ihrer Jugend, die sie für immer zu vergessen wünschte, gleich einem Gespenst vor ihr auftauchen? Jener Augenblick auf der Hallerwiese, da sie Eberhard von Streitberg wiedersah, gehörte zu den schrecklichsten ihres Lebens!
Sie war erst siebzehn Jahre alt, da sie ihn in Venedig kennen lernte. Leicht war es dem feurigen und damals auch äusserlich anmutigen Ritter, das liebesehnsüchtige Herz der Jungfrau zu gewinnen, und im ganzen Sonnenglanz der ersten Liebe, von Italiens Sonne doppelt verklärt, flossen ihnen Tage und mond dahin. Sie schworen sich ewige Liebe und Treue, und Elisabet zweifelte nicht, dass ihre Eltern in Nürnberg ihren Bund segnen würden. Es kam schon vor, dass ein Ritter, der nicht besonders mit Schätzen gesegnet war, und Streitberg schien das auch nicht zu sein, sich's noch zur Ehre schätzen musste, wenn ein reichsstädtischer Bürger ihm die Tochter mit der reichen Mitgift gab, die Einwilligung ihrer Eltern erhalten werde. Da sie von Venedig scheiden musste, und er das belagerte Wien zum Ziel hatte, gelobten sie einander Treue und Schweigen, bis es ihm möglich sein werde nach Nürnberg zu kommen. über ein Jahr verging so getrennt, zuweilen durch ein zärtliches Brieflein unterbrochen.
Endlich meldete ihr ein solches, dass er komme, dass er sie bitte ihn vor dem Tiergärtnertor zu erwarten, damit ihr erstes Wiedersehen nach so langer Trennung ohne Zeugen sei, dann wolle er sie zu ihren Eltern begleiten. Liebeselig erfüllte sie seinen Wunsch noch vor der bestimmten Stunde. Die angegebene Stelle pflegte sonst menschenleer zu sein. Sie erstaunte eine verschleierte Dame dort zu finden.
"Elisabet Behaim," fragte diese, "Ihr wartet auf Eberhard von Streitberg?"
Und da Elisabet schwieg, gab ihr die Fremde den von Elisabet selbst geschriebenen Brief.
Elisabet rief: "O er kann nicht kommen, und sendet mir seine Mutter oder Schwester? oder wer seid Ihr, die er seines Vertrauens würdigt?"
Die Fremde nahm Elisabet's Arm und sagte: "Wir wollen in die Stadt gehen, hier ist es so einsam, ich erzähle Euch unterwegs; Eberhard schrieb Euch, dass er Euch nach haus begleiten und um Euch werben wolle, und Ihr glaubtet das?"
"Ich habe nie an seinem Wort gezweifelt!" sagte Elisabet zuversichtlich.
"Armes Kind!" rief die Fremde, "Eure Unschuld spricht aus Euren Mienen wie aus Eurem Brief, darum kam ich, Euch und mich vor Schande zu bewahren, Ihr wisst wirklich nicht, dass Eberhard seit zehn Jahren verheiratet ist?"
"Ihr lügt!" rief Elisabet.
"Ich bin seine Gattin, die er einst liebte wie Euch vielleicht auch; könnte er ehrlich um Euch werben, käme er in Euer Haus; so bestellte er Euch vor das Tor, um Euch zu entführen. Euer Brief fiel in meine hände statt in seine, und so kam ich statt seiner. Glaubt Ihr mir nicht, so schreibt ihm nur, was Ihr von ihm gehört, und das Ihr ihn im Elternhaus erwartet, wie einer sittsamen Jungfrau ziemt!"
Was auch Elisabet noch fragen und zweifeln mochte: es blieb bei diesem Resultat, und es blieb dabei, nachdem sie an Eberhard geschrieben und durch Andere Erkundigungen über ihn einzog. Er war verheiratet; indess er in der Welt herum abenteuerte, lebte seine