nur Euer Lob gehört, von Eurem Meister, Euren Hausgenossen, Eurem Freund, auch von meiner Freundin Ursula Muffel, die Eurer Verschwiegenheit dankbar eingedenk ist; ich glaube, Ihr hab't mir schon denselben Dienst geleistet, ohne dass ich Euch darum bat, wenigstens hat Euer Freund Pirkheimer mich dessen versichert – ich meine den Vorfall auf der Hallerwiese."
"über meine Lippen ist kein Wort davon gekommen!" beteuerte Albrecht.
"Es ist jeder Frau unangenehm, wenn von dergleichen gesprochen wird," warf Elisabet hin. "Ihr scheint jene beiden Baubrüder zu kennen?"
"Nur den Einen von ihnen, mir scheint er ein ausserordentlicher Mensch!"
"Sein Name?"
"Ich kenn' ihn nur als Ulrich von Strassburg."
"Und warum erscheint er Euch als ausserordentlich?"
Albrecht zuckte die Achseln. "Er ist so begeistert für die Kunst, er ist so aufgeklärt und voll grosser Anschauungen, dabei so freundlich und mild, zum Beispiel gegen Lernbegierige wie ich, trotzdem dass ich, wie uns die Baubrüder nennen, ein Profaner bin und er mir gewiss nicht mehr von seinem Wissen mitteilen wird, als seine gesetz erlauben."
"Hab't Ihr ihn seit jenem Tage wiedergesehen?"
"Ja, aber wir haben wenig zusammen gesprochen; sein gönner, Herr Anton Kress, der Propst von St. Lorenz war bei ihm."
Elisabet hatte ihr Examen beendet. Albrecht hatte erwartet, da sie einmal nach seiner Bekanntschaft mit den Baubrüdern fragte, sie werde ihm ihren Dank für Ulrich auftragen, denn eigentlich war es doch nur dieser, der sie aus den Händen des Ritters befreit. Allein Elisabet brach das Gespräch ab. Sie drang nur noch in Albrecht, alles noch dastehende Confekt seinen kleinen Geschwistern mitzunehmen, und damit war er entlassen.
Elisabet warf sich wie erschöpft auf einen Polsterstuhl und lehnte das stolze Haupt müde zurück.
Wie war ihr denn? So lange der König hier war, hatte sie in einem glücklichen Rausch gelebt. Er erschien ihr als das Ideal eines Mannes, eines Helden auf dem Tron. Und sie war es vor allen Frauen, der dieser auserlesenste aller Ritter auch die auserlesensten Huldigungen weihte. Sie hatte sie annehmen dürfen ohne Furcht, sie durfte daran zurückdenken ohne Scham und Reue, denn es knüpfte sich nichts Unwürdiges oder Erniedrigendes daran. Vor aller Augen hatte er sie ausgezeichnet vor allen Nürnbergerinnen, und vielleicht noch stolzer und glücklicher als sie selbst war ihr Gemahl über die ihr zu teil gewordene Gunst. Das Versprechen des Königs, das nächste Mal in seinem haus seine wohnung aufzuschlagen, machte ihn zum glücklichsten Sterblichen; er knüpfte daran sogleich die Hoffnung, dass er dann wohl an das Ziel seiner Wünsche gelangen und den Adelstand, nach dem er lange trachtete, erlangen werde, ja wenn er in etwas mit seiner Gemahlin nicht ganz zufrieden war, so war es eben nur, dass sie nicht schon jetzt die Adelswürde vom Könige erbeten, da ihr dieser gewiss keine Bitte abgeschlagen hätte. Wohl gab es Leute genug, welche durch boshafte Bemerkungen und heimliche Zuträgereien oder verstohlene Winke Scheurl auf den König hatten eifersüchtig machen und die Treue und Tugend seiner Gattin verdächtigen wollen; allein er wies alle solche Angriffe als erbärmliche Waffen des Neides und der Missgunst zurück, und war und blieb stolz darauf, dass es gerade seine Gattin war, welche den Sieg in der Gunst des Königs über alle andere Frauen davon getragen. Vielleicht hätten so auffallende Huldigungen, wenn ein anderer Mann sie gewagt, ihn sowohl gegen denselben wie gegen seine Gemahlin, die sie nicht zurückwies, sondern mit sichtlichem Wohlgefallen annahm, aufgebracht; allein von dem Könige dargebracht, hatte er einen andern Massstab dafür. Nicht etwa den einer gemeinen Bedientenseele, die sich geehrt fühlt, wenn sein Herr sich zu ihm herablässt, und die sich als Ehre anrechnet, was sie von anderer Seite als Schimpf empfinden würde: sondern weil er wusste, dass seine Gemahlin zu stolz war, sich jemals zu einer Buhlerin wegzuwerfen, und weil er weiter schloss, dass dieser königliche Nebenbuhler ihn ja nur auf kurze Zeit verdunkelte, und weil er Elisabet genug kannte, um zu begreifen, dass sie von dem ersten Ritter und königlichen Helden ihres Zeitalters ausgezeichnet, nun um so ruhiger auf die Huldigungen anderer Männer verzichten werde – und beinahe kaufmännisch berechnete der reichsstädtische Handelsherr, dass der eine durch seine Entfernung auf den Tron, wie durch den Raum ungefährliche Nebenbuhler ihm die Furcht vor jedem andern erspare; denn aus den gewöhnlichen Alltagsmenschen ihrer Umgebung konnte ihm keiner erwachsen, der mit dem Einen sich hätte messen können.
In dieser Beziehung war Elisabet wirklich von ihrem Gatten verstanden, wie wenig er sonst auch der Mann war, die Höhen und Tiefen eines weiblichen Charakters zu ermessen, wie dieser Elisabet's. Sie hatte den Triumph ihres Geistes und ihrer Schönheit mit vollen Zügen genossen, wie der König hier war, von Begeisterung war sie durchzuckt worden bei dem Gedanken, dass dieselbe Männerhand, welche ihre kleine Hand zärtlich drückte, die Geschicke einer Welt und das Scepter über viele land zu halten berufen war. Herrlich war es ihr erschienen, die Gedanken des Mannes zu erforschen, auf den viele Millionen Augen voll Hoffnung und Erwartung blickten: von ihm die Rettung aus verwilderten Zuständen hofften, eine neue Aera, eine neue Form für ausgelebte Verhältnisse, und göttlich die eigenen Gefühle neben ihm auszusprechen, aus den Flammen des eigenen Geistes Funken in das Licht des seinen zu werfen