während Pirkheimer ihm dienen will mit Schwert und Feder, werde ich's nur mit dem Pinsel versuchen," sagte Albrecht.
"Ei, ich hörte schon neulich Aehnliches von Euch," sagte Elisabet, "und freute mich, wie Ihr wünschtet des Königs Bild zu malen."
"Wer weiss, tut er's nicht einmal, und auch für Euch, hohe Frau," sagte Willibald; "Ihr tragt da schon ein Werk von seiner Hand – die Rose, die aus seines Vaters Werkstatt hervorgegangen, hat er gezeichnet."
Albrecht errötete verlegen, und Elisabet sagte: "Das ist gewiss ein gutes Zeichen, wenn Ihr schon etwas für die edelste deutsche Majestät arbeiten durftet; ich wusste bis jetzt nicht, dass Euer Vater der Künstler war, dessen Werk ich trage."
"Er hat mich eben an Euch abgeschickt," sagte Albrecht und richtete nun den Auftrag des Vaters aus.
Elisabet war höchlich erstaunt und sogleich bereit, dem Sohn zu dem Vater zu folgen. Dies Erstaunen steigerte sich zur Entrüstung, als sie mit dem Goldschmied allein war und von ihm das Zwiegespräch mit jener fremden Frau erfuhr, während er nicht mehr an einem Betrug zweifelte, da er sein Werk, die Nadel, wiedersah. Aber was konnte der Zweck dieses Betruges sein?
"Wenn ich die Frau wieder zu Gesicht bekomme, so lass ich sie festnehmen," sagte Meister Dürer.
"Lasst uns einstweilen gegen Jedermann schweigen," sagte Elisabet, "und wenn die Frau in drei Wochen wiederkommt, so wird es Euch leicht sein, sich ihrer zu bemächtigen und vielleicht gesteht sie Euch gleich, wer sie zu dem Betrug gebraucht – dann lasst Ihr sie laufen; ausserdem hat aber die Justiz ja genug Mittel, Verstockte zum geständnis zu bringen. Uebrigens danke ich Euch für Euer Verhalten, und da ich einmal hier bin, so möchte ich mir ein silbernes Kästchen mitnehmen – wie dies hier." Sie deutete auf ein solches als den ersten passenden Gegenstand, den sie unter dem kleinen Vorrat fertiger Geräte erspähen konnte, um durch dessen Ankauf wenigstens in Etwas den Meister für seine Ehrlichkeit zu belohnen. Der Handel war schnell geschlossen und sie fügte hinzu: "Euer Sohn gibt mir wohl das Geleit und nimmt das Geld dafür in meiner wohnung in Empfang?"
"Es hat ja Zeit," sagte der Meister. Da sie aber erklärte, dass sie das Kästchen, wie klein es auch war, nicht selbst tragen werde, so ward doch Albrecht zu ihrer Begleitung gerufen.
Er wollte bescheiden hinter ihr gehen, aber sie unterhielt sich mit ihm von seiner Kunst und blieb an seiner Seite.
"Euer Freund Willibald Pirkheimer," sagte sie, "hat mir vorhin Euer Konterfei gezeigt, das Ihr schon vor fünf Jahren mit dem Stift auf Pergament gezeichnet hab't. Ich hätte es nicht geglaubt, dass Jemand dies von sich selbst im stand wäre, wenn ich nicht die Unterschrift gelesen: 'Das hab' ich aus einem Spiegel nach mir selbst konterfeiet im Jahr 1484, da ich noch ein Kind war.' Lautet es nicht so?"
"Ja," versetzte Albrecht errötend: "Willibald hätte es Euch nicht zeigen sollen, jetzt geriete es schon besser. Ich habe das Bildniss meines Vaters zu malen angefangen, und ich hoffe, das soll ähnlich werden."
"Wie lange werdet Ihr noch hier bleiben?"
"Bis Ostern, dann ist meine Lehrzeit beendet, dann will ich mich in Deutschland umsehen. Ich wollte erst gern nach Colmar zu M a r t i n S c h o n g a u e r , aber der Meister starb zu früh für die Kunst und für mich!"
"Möchtet Ihr nicht nach Italien? Ich könnte Euch Empfehlungen nach Venedig mitgeben."
"O wie gütig seid Ihr, edle Frau! Ich werde Euch später daran erinnern – vielleicht wenn ich einer Empfehlung würdig bin. Erst will ich im deutschen Reiche mich umsehen, fest werden in deutscher Art und Kunst, ehe ich das wälsche Wesen auf mich wirken lasse. Der deutschen Kunst und dem deutschen vaterland will ich dienen: ich habe keinen höhern Wunsch, und wenn ich es je dahin bringe ein Meister zu werden, so soll man mich als deutschen Meister kennen."
So und ähnlich weiter sprechend war Elisabet bis an ihr Haus gelangt und mit Albrecht in ihr Wohnzimmer getreten. Sie schellte nach Wein und Confekt für ihn, und bat ihn zuzulangen, bis sie aus einem andern Gemach ihre Goldchatulle geholt, absichtlich blieb sie lange, damit Albrecht ohne Verlegenheit dem seltenen Genuss sich widmen könne. Dieser aber nippte nur bescheiden von dem edlen portugiesischen Rebensaft und ohne zu essen schob er ein paar kleine Stücke Backwerk in seine tasche, um die kleinen Geschwister damit zu erfreuen.
Als Elisabet wieder zurückkehrte, überreichte sie ihm das Geld in einer kleinen Ledertasche zum Umhängen und sagte: "Der Inhalt ist meine Schuld für Euren Vater. Die tasche wird Euch auf der Wanderschaft vielleicht nützlich sein."
Albrecht stand unschlüssig und verlegen, was er tun und antworten sollte; Elisabet kam ihm zuvor, indem sie sagte: "Ich habe mich nicht geweigert, das Geschenk des Königs anzunehmen als ein Andenken; Ihr werdet dies wertlose Andenken von einer Frauenhand nicht zurückweisen, und Euch dabei derer erinnern, die in den Besitz Eurer Rose gekommen. – Aber nun noch ein Wort. Ich habe von allen Seiten