kleinste Kind lag noch in einer hölzernen Wiege, deren abgenutztem Zustand man es ansah, wie viele Insassen sie schon gehabt; und indem sie Frau Barbara mit dem Fuss in Bewegung setzte, indess sie mit den Händen glatte Fäden zu neuen Gewändern spann, da begriff man unter dieser Umgebung wohl, dass auch am Sonntag die hände und Füsse dieser Mutter sich keine Ruhe gönnen durften, die für so Viele zu sorgen hatten.
Mitten in dies Gewirr trat noch ein schlank- und zartgebauter Jüngling, der durch seine Kleidung und Manieren ausgezeichnet, wenig in diese fast ärmliche Handwerkerfamilie zu passen schien, Willibald Pirkheimer. Im Vorderhaus, das er mit seinen Eltern und Schwestern bewohnte, sah es freilich anders aus als hier; da herrschte der ganze Luxus des Reichtums mit feiner Sitte und dem Sinn für das Schöne wie für die Wissenschaft gepaart, da hatte der eifrig studierende Sohn des Hauses ein Gemach ganz für sich allein, in dem reiche Bücherschätze ihn umgaben und Niemand ihn stören durfte; aber die Freundschaft für Albrecht, mit dem er aufgewachsen, den er sich einst vor allen Knaben und jetzt vor allen Jünglingen zum vertrautesten Genossen ausersehen, zog ihn hierher und liess ihn jede der Schranken überspringen, die hier die Besitzenden und hochangesehenen Geschlechter von den eigentlichen Bürgern, zumal den ärmeren Handwerkern trennten. Albrecht und Willibald hatten sich mit der ganzen Schwärmerei jugendlich begeisterter Gemüter aneinander geschlossen, und waren nicht nur zusammen aufgewachsen, sondern oft mit einander verwachsen, dass sie auch von ihren übrigens sich fernbleibenden Familien als zusammengehörig betrachtet wurden. Die Frau Pirkheimer erwiderte den bescheiden ehrerbietigen Gruss der Frau Dürer stets nur mit vornehmem Kopfnicken und vermied jeden Umgang mit der armen, vielbekinderten Frau; aber so oft der Albrecht kam, ward er in Pirkheimer's Familie wie das Kind vom haus angesehen, denn er war einmal Willibald's Kamerad, und trat wieder dieser aus seinen prächtigen Räumen in die engen der schlichten Handwerkerfamilie, so wurden auch auf ihn weiter keine Rücksichten genommen, denn er war einmal Albrecht's Kamerad.
So war es auch jetzt. "Ei, es ist schön, dass Ihr kommt," sagte Frau Barbara ihm traulich zunickend; "Albrecht hat schon immer nach Euch ausgeschaut, und würde uns bald davon gelaufen sein Euch aufzusuchen, wenn er da nicht erst noch Etwas für den Vater zu zeichnen hätte."
"Ich wäre auch schon früher gekommen," sagte Willibald, "aber die Frau Scheurlin kam zur Mutter und hielt mich noch ein wenig auf." Er lächelte dabei Albrecht zu, ihn durch seinen blick an das kleine Abenteuer auf der Hallerwiese zu erinnern, und sich über seine Zeichnung beugend fragte er: "Was zeichnest Du denn da?"
Albrecht antwortete: "Mein Herr Pate, Anton Koberger, hat bei meinem Vater ein Bibelbeschläge bestellt, und da es gerade für ihn ist, wollt' ich gern die Zeichnung machen; ich bin gleich fertig."
"Das ist hübsch!" sagte Willibald; "ein paar gefaltete hände und ein Schwert und eine Palme, die sich kreuzen."
"In Silber ausgeführt wird es gut aussehen," bemerkte der Vater. "Albrecht wird mir fehlen, wenn er in einem halben Jahre fortgeht. Die Zeichnung zu der Nadel, die Se. Majestät der Scheurlin verehrt, ist auch von ihm."
"Danach wollt' ich schon fragen," sagte Willibald; "ich habe das Kunstwerk eben in der Nähe an ihr gesehen und bewundert."
"Jetzt eben?" fragte Meister Dürer.
"Sie zeigte es meiner Mutter."
"Das ist sonderbar!" sagte der Goldschmied und versank in Nachdenken. Dann ging er hinaus in die einsame Werkstatt, wie um zu überlegen, was nun zu tun sei. Hatte die Scheurlin die Nadel verloren und wiedergefunden, so würde sie doch die neue abbestellen lassen; die Sache kam ihm erst sonderbar, dann verdächtig vor, die fremde Frau war es ihm gleich gewesen. Er hatte auch dem königlichen Diener, der die Nadel hatte anfertigen lassen, versprechen müssen, für Niemanden eine gleiche zu machen. Wie er auch geglaubt hatte, nach seinem Gewissen zu handeln, jetzt schien es ihm mit diesem Gewissen nicht verträglich, die Doublette zu verfertigen.
Nach einer Weile reiflicher überlegung rief er Albrecht und Willibald heraus, fragte diesen noch einmal, ob die Scheurlin die Nadel wirklich jetzt getragen, und da er entschieden bejahte, sagt er zu den Beiden:
"Eilt hinüber und sehe't, ob die Scheurlin noch da ist, und wenn sie es ist, so sag' ihr, Albrecht, dass vor drei Tagen Jemand bei mir auf ihren Namen eine grosse Bestellung gemacht hätte, ich wisse aber nicht, ob es eine Betrügerei sei oder nicht, und liesse sie bitten, mir einen Augenblick Gehör zu schenken, damit ich mich mit ihr verständigen könne. Sie mag Dir sagen, wo und wann, wenn sie sich nicht in meine Werkstatt herüber bemühen will."
Die Freunde eilten den Auftrag auszuführen.
Es war die höchste Zeit, denn Elisabet schlüpfte schon in zierlichen Schnabelschuhen die teppichbelegte Marmortreppe hinab.
"Ei, sieh da, meine beiden kleinen Ritter!" rief sie den Jünglingen zu.
"Noch verdienen wir diese Namen nicht," sagte Willibald, "wenn wir sie auch noch einmal zu bewähren hoffen. Ich will dereinst versuchen, mir unter Kaiser Maxens Fahnen ein Ritterschwert zu erwerben."
"Und