Meister zuzuführen, dessen Verehrer Ihr seid!"
"Ihr wollt also wohl auch ein Maler werden?" sagte der Fremde.
"Ich hoffe es zu Gott," antwortete Albrecht, "da er mir einmal diesen Drang gegeben, der mir keine Ruhe liess, obwohl ich mich meinem Vater zu lieb erst dessen eigenem Handwerk widmen wollte."
"Und wer ist Euer Vater?" fragte der Andere, in dem der etwa siebzehnjährige Jüngling immer grössere Teilnahme erregte.
Dieser antwortete: "Der Goldschmied Dürer. Ich hatte immer die meiste Freude daran ihm die Risse und Zeichnungen zu machen zu seinen Werken und viel lieber zu zeichnen als zu hämmern und zu giessen. Da er es aber nicht anders wollte, dachte' ich, ich könne meine Neigung bezwingen, und gab mir alle Mühe in seiner Werkstatt. Aber zuweilen kam es mir hart an und ich grämte mich schier, dass ich darauf verzichten sollte, ein Maler zu werden. Da bat auch die Mutter den Vater für mich, und er tat mich zum Meister Wohlgemut in die Lehre – und nun hab' ich die doppelte Pflicht etwas Rechtes zu lernen und ein rechter Maler zu werden, einmal weil mir's im inneren eine stimme immer gesagt, dass für mich kein Heil ist ausser bei dieser Kunst, und dann weil es meinem Vater hart angekommen, mich aus seiner Werkstatt und in die fremde Lehre zu tun. Solches sag' ich mir täglich, und werde nicht müde zu beten und zu arbeiten, damit es mir gelinge!"
"Dann wird es Euch gelingen!" rief der Fremde und legte seine Hand liebreich auf die Schultern des jüngeren Begleiters. "Durchglüht von echter Begeisterung für die Kunst wachsen uns selbst die Flügel, die uns emportragen in ihr göttliches Reich. Wie Euch zur Malerei, so drängte mich's zur Baukunst, und Nichts wäre im stand gewesen mich ihr zu entziehen. Nicht wie Euch einem Handwerk, dem Priesterstande wollte man mich weihen, aber mich drängte es zum Hohenpriestertum der Kunst, und ich denke' ihr zu opfern mit reinen und fleissigen Händen. Gottesdienst ist die Kunst, und selig ist es ihr zu dienen in rechter Treue, und wenn es sein muss, sich selbst ihr zu opfern!"
"Amen!" sagte Albrecht Dürer; "Ihr sprecht mir aus der Seele und es klingt fast so schön, als hört' ich meinen Freund Willibald. Aber ich darf nicht länger mit Euch plaudern. Hier an der brücke bin ich am Ziel, und Ihr seid es bald, Ihr braucht nur über sie zu gehen, dann der geraden Strasse zu folgen, dann führt Euch links die dritte Gasse an Euer Ziel. Seht hier die brücke: sie ist kunstvoll gebaut in einem einzigen Bogen nach dem Muster der Rialtobrücke in Venedig – ich kann nicht hinübergehen ohne zu wünschen, auch einmal nach Venedig selbst zu kommen. Waret Ihr schon dort?"
"Noch nicht," antwortete der Fremde, "aber wir werden es schon beide einmal sehen. Doch vorerst muss man sich umsehen im deutschen land, deutsche Art und Kunst kennen lernen und bei deutschen Meistern arbeiten, ehe man in's Ausland geht. Da muss man erst fest sein in heimischer Kunst, damit die fremde sie wohl läutere, aber nicht verderbe und verdränge. Und nun habt Dank, wenn wir jetzt scheiden müssen, vielleicht such' ich Euch bald heim in Meister Wohlgemut's Werkstatt unter der Veste, bis dahin vergesst den Steinmetzgesellen U l r i c h a u s S t r a ss b u r g nicht!"
Um einzuschlagen in die dargebotene Hand, legte Albrecht Pinsel und Richtscheit aus seiner Hand auf einen der vorspringenden kleinen Steinsitze an der schön geschnörkelten Haustür, vor der er stand, und sagte:
"Da drinnen im Haus des Ratsherrn M u f f e l gibt's Treppengeländer anzustreichen – da gehört freilich keine Kunst dazu, noch gibt's etwas dabei zu lernen, aber der Meister meint, dergleichen bringe ihm mehr ein als die künstlichen Gemälde, weshalb er solche Arbeit niemals von der Hand weis't. Seine Knechte aber denken mich zu demütigen, wenn sie mich so in die Häuser der Vornehmen schicken mit gemeiner Arbeit, da ich lieber in der Werkstatt sässe und conterfeite. Aber ich denke, es muss Alles geschehen der Kunst zu Nutz, und tue es willig. Und nun Gott zum Gruss!"
"Gott zum Gruss, wackerer Jünger der Kunst," sagte Ulrich; "mir sei es ein gutes Zeichen, dass gerade ein solcher der erste Nürnberger war, mit dem ich in dieser edlen Reichsstadt das erste Wort gewechselt, das viele gegeben!"
Ulrich schritt über die brücke und hatte nicht mehr weit zu gehen, da stand er vor der Bauhütte zu St. Lorenz, über deren Eingang das Wappen der freien Steinmetzzunft zu Nürnberg prangte: zwei goldene Hämmer inmitten eines himmelblauen Feldes, zur linken Seite ein Cirkel, zur rechten ein Winkelmass. Daneben ragte die prachtvolle Lorenzkirche; die geöffneten Türen und ein aufsteigendes Gerüst an der einen Seite zeigte an, dass man auf's Neue an ihrer Verschönerung arbeitete und neben dem ersten ein zweiter Turm seiner Vollendung entgegen wuchs. Aus der Bauhütte klang es von emsigen Meisseln und Feilen fleissiger Steinmetzen.
Ulrich näherte sich der Tür und schlug dreimal daran mit seinem Schwert.
Alsbald öffnete sich dieselbe und ein Mann in mittleren Jahren