Wort als besten Trost empfangen, waren auch die Nürnberger, die ihr die Schande ihres Grossvaters nachtragen wollten, durch die Auszeichnung beschämt, welche der König selbst ihr zu teil werden liess.
Unter mancherlei Festen ähnlicher Art war der dritte September herangekommen, den der König zu seiner Abreise bestimmt hatte.
Das Abschiedsmahl hatte Markgraf Friedrich auf der Veste veranstaltet und dazu nur eine ausgewählte Gesellschaft eingeladen, die, das Gefolge des Königs ausgenommen, aus zwanzig Frauen und fünfzehn Männern bestand, sämmtlich den vornehmsten Nürnberger Geschlechtern angehörend. Gleich nach dem Mahl wollte der König zu Herzog Otto von Baiern nach Neuenmarkt reiten, der ihn dahin zu sich eingeladen, und von da nach Linz gehen zu seinem Vater, um die habsburgischen Erblande wieder zu erobern.
Noch einmal hatte Elisabet das Glück, an der Seite des Königs ihren Platz angewiesen zu erhalten. Mit Staunen sah sie auf ihrem Teller eine kunstvoll gearbeitete Rose von in Gold gefassten Rubinen mit Blättern von grünen Smaragden an eine goldene Nadel befestigt. Sie warf einen fragenden blick auf den König, und dieser sagte:
"Die Rosen, die Ihr mir bei meinem Einzug zuwarfet, habe ich Euch zu Ehren getragen, bis sie verwelkten; aber ich werde sie immer als Angedenken an Nürnbergs edelste Frau bewahren – verschmähet dafür nicht diese Rose mir zu Ehren an Eurem schönen Busen zu tragen, sie ist von ewiger Dauer."
Sie nahm das kostbare Geschenk errötend und mit tiefem Verneigen und sagte: "Nicht Euch – mir selbst zu Ehren gereicht solch' bleibend Zeichen Eurer königlichen Gnade. Eines Angedenkens daran, wie sie mir jetzt zu teil geworden bedarf es nicht!"
"Sag't Verehrung!" flüsterte er ihr mit süssem Lächeln zu; "und wenn Ihr einmal etwas zu bitten hab't, am liebsten für Euch selbst oder auch für Andere: so lasst mich die Rose wieder sehen; sie wird mich an glückliche Tage mahnen, und ich werde jeden Wunsch erfüllen, den Ihr an die Rose knüpf't."
Im Anfang fehlte diesmal die fröhliche Stimmung, die in den vergangenen Tagen geherrscht. Der König war stiller als sonst. Ward es ihm wirklich schwer, von der anmutsvollen Nürnbergerin zu scheiden, oder dachte er nur daran, dass er nach dieser Ruhezeit voll harmloser Unterhaltung nun wieder in's Gewühl des Kampfes müsse, oder was ihm noch schlimmer dünkte, vergeblich dem Vater anliegen werde, sich zu Energie und Tat zu ermannen, um die angestammten land sich wieder zu erringen und König Matias von dem angemassten Tron zu stürzen? Hallte in ihm etwas von den Worten wieder, die der Baubruder Ulrich und die schwärmende Elisabet zu ihm gesprochen, die noch mehr von ihm zu fordern schienen als den Siegeskranz des Helden und die Herrscherwürde Karl's des Grossen? Wer lies't in den Seelen Derer, die das Schicksal auf den höchsten Platz gestellt, dass sie von Allen gesehen werden und doch von den Wenigsten erkannt?
Auch Stephan Tucher, der nun schon dem Gefolge des Königs beigezählt war und dann mit ihm aufbrechen sollte, sass still neben Ursula, nicht minder beklommen von der nahen Abschiedsstunde wie von der Gegenwart seines Vaters und Bruders, die zwar jetzt in der gewissen Zuversicht, das Stephan, wenn er nur einmal von Ursula getrennt sei, ihr auch nicht treu bleiben werde, jetzt seine Huldigungen für sie weniger missfällig bemerkten, aber ihn doch immer beobachteten, was ihn noch mehr in der Seele der Jungfrau beengte denn in der eigenen. Ebenso schien der Ritter von Weispriach zu beklagen, dass er von Beatrix Immhof scheiden musste, für die er an seine Erzählungen aus dem Morgenlande manche Galanterie geknüpft; und so gab es noch manchen fremden Herrn und manche für ritterliche Artigkeit empfängliche Nürnbergerin, die alle das Ende dieser harmlos fröhlichen Festtage bedauerten, und darum schon im voraus die gute Laune verloren hatten, so dass die ersten Gänge der auserlesenen Mahlzeit ziemlich still eingenommen worden waren, bis endlich Kunz von der Rosen sich in's Mittel schlug und in langer mit vielen Spässen und Seitenhieben "auf Männlein wie Weiblein", wie er sich ausdrückte, gewürzten Rede sich für den einzigen Vernünftigen und Alle für Narren und Närrinnen erklärte, die mit dem Gedanken an die künftigen Entbehrungen sich schon die gegenwärtigen Genüsse verdarben und durch eigene Schuld in Gift verwandelten.
Das half endlich und ebenso der massenhaft genossene Wein, der die Zungen löste zu freier Rede und fröhlichem lachen, so dass die Unterhaltung bald die lebhafteste ward, die man je in diesen Tagen geführt.
Da hob der König die Tafel auf. Es war das Zeichen zum baldigen Aufbruch.
Kunz trat zu Elisabet und Ursula und flüsterte ihnen zu: "Ich wollte Euch wohl einen guten Rat geben, wenn Ihr mir mit ein paar anderen Frauen hinausfolgtet in die anderen Gemächer."
Elisabet hatte bis jetzt immer die Einfälle des Narren zu ihren Gunsten gefunden, warum sollte sie ihm jetzt nicht vertrauen? Sie folgte ihm also mit Ursula, Beatrix, Eleonora Tucher und ein paar anderen Frauen.
Er führte sie durch verschiedene Corridore und Säle bis in das Gemach des Königs. "Seht," sagte er, "da liegt die Rüstung, die er zu dem Ritt anlegen wird – da liegen seine Stiefel und Sporen. Ich weiss aber, er gebe etwas darum, wenn er einen Grund fände, heute noch hier zu bleiben. Wer weiss, gibt es nicht ein Unglück wenn wir reiten, denn ich glaube, es wird Mancher