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sich Elisabet eilig erhob, erglühend dem Hofnarren in's Gesicht sah und nicht wusste, was sie tun oder antworten sollte, indess die neben ihr sitzende Katarina Haller schadenfroh lächelte und mit zärtlichem Neigen auf Kunz blickte, denn sie nahm sein Kommen und dass er gerade an ihrer Seite Platz nahm, für eine ihr dargebrachte Huldigung, und indess ein teil der Frauen laut lachte, verliess Markgraf Friedrich seinen Platz, ging auf Elisabet zu, und indem er sich vor ihr verneigend ihre Hand fasste, sagte er zu den Herren an der Tafel gewendet: "Die anderen Ritter werden dem Beispiel folgen, das der lustige Rat gegeben," und zu Elisabet: "Erlaubt, dass ich Euch zur Tafel führe, wie es Ritterbrauch."

Und Kunz flüsterte ihr zu: "Nehm't es nicht übel, wenn Euch der Platz des Narren werden soll; nur wenn Ihr es mir nicht Dank wüsstet, wäret Ihr eine Närrin. Ihr hörtet eben, dass mich der Herr Markgraf einen lustigen Rat genannt, und da könnt Ihr wohl meine Stelle besser ersetzen. Ich sah, wie die Adleraugen meines Königs zu Euch flogen, und obwohl er Falkenblicke hat und auch in solcher Entfernung keiner Eurer Reize ihm entgeht, so wird er sich Eures Anblickes doch lieber in der Nähe erfreuen."

Erglühend, aber mit stolzem Anstand schritt Elisabet, von Friedrich geführt den Ehrenplatz an der Seite des Königs einzunehmen auf diesen zu, indess die Ritter und einige jüngere Nürnberger aufstanden, um zwischen den Damen Platz zu nehmen oder sie mit sich zur königlichen Tafel zu führen. Es entstand ein buntes Gewirre, dass auch die ehrwürdigsten Ratsmitglieder, die mit Schrecken diesen Umsturz alles wohllöblichen Herkommens durch den Narren sahen, Mühe hatten durchzudringen und nur einen leidlichgeordneten Zustand herbeizuführen, wo eine völlige Anarchie einzureissen drohte. Endlich hatten wieder alle Platz genommen, und mit Elisabet sassen noch elf Damen unter den Herren, während eben so viele Herren an der kleineren Damentafel Platz genommen, darunter auch Stephan, der den Platz neben Ursula erobert.

Max versäumte zwar nicht die Pflicht des königlichen Gastes, sich Allen zu widmen und für Jeden, den sein Wort erreichen konnte, freundliche Rede und ein gefälliges Ohr für die eines Andern zu haben, aber er hatte daneben doch immer bewundernde Blicke für Elisabet, und eben so oft, wie er ihr eine süsse Schmeichelei zuflüsterte, sprach er auch laut mit ihr über dieselben Gegenstände, welche mit den Männern zur Sprache kamen, wobei sie oft klügere und geistvollere Antworten zu geben vermochte als manche von ihnen.

Einmal fragte er sie leise: "Vermisst Ihr nicht Einen unter meinen Rittern?"

Sie liess ihre Augen umherschweifen und verneinte die Frage.

"Das nimmt mich Wunder!" sagte er, "denn um Euretwillen habe ich E b e r h a r d v o n S t r e i t b e r g geboten die Stadt zu verlassen."

Elisabet ward todtenblass, und man sah, wie kalte Schauer ihre zarte, weisse Haut überrieselten; sie blickte vor sich nieder und vermochte nicht zu antworten.

"Habe ich das nicht recht gemacht?" fragte Max mit dem Ausdruck der Verwunderung und suchte in ihren Augen zu forschen. "Ihr hab't nur zu befehlen, so ruft ihn ein Eilbote wieder zurück, und wenn ihm Eure Vergebung wird, soll ihm auch die meinige werden."

"Nie, nie!" rief Elisabet, und dann fügte sie hinzu: "Ich danke Eurer Majestät, die mich von einer grossen Angst und Qual befreit hat."

Es war hier nicht der Platz zu einem weitern Gespräch, das nicht von andern Ohren gehört werden sollte, und so ward es durch andere Unterhaltungen beendet, bei denen Elisabet lange die stumme Zuhörerin machte, denn die Nennung des Ritters von Streitberg hatte sie in eine kaum geringere Aufregung versetzt, als neulich seine Gegenwart. Um ihretwillen hatte ihn der König fortgeschickt? Was wusste er von ihr und ihm? hatte Eberhard unziemlich oder drohend von ihr gesprochen? hatte er erfahren, wie sich jener auf der Hallerwiese gegen sie betragen? durch wen denn, wenn nicht durch ihn selbst; denn mit jenen Jünglingen oder den Steinmetzgesellen, die sie beschützten, konnte der König doch unmöglich selbst gesprochen haben? Auch jene Aeusserung des Markgrafs, dass sie ihn so wenig wie den schwarzen Ritter habe bemerken wollen, fiel ihr jetzt schwer auf's Herz. Was hatte Eberhard von ihr gesprochen? hatte er Lüge oder Wahrheit geredetes dünkte ihr Beides gleich entsetzlich! – Und doch war ihr, als könne sie jetzt erst freier atmen, seit sie von der Furcht befreit war, ihn wieder zu treffen, und es mischte sich ein Gefühl stolzen Triumphes bei, weil sie diese Befreiung der Gnade des Königs dankteder Teilnahme, die sie in ihm erregt; so war die ritterliche Höflichkeit, mit der er sie vor allen andern Frauen Nürnbergs auszeichnete, mehr als ein momentaner Sieg ihrer Schönheit, so dachte er ihrer auch, wenn er sie nicht erblickte, und handelte für sie.

Inzwischen sagte an der andern Tafel Katarina Haller zu Kunz von der Rosen: "Ihr hab't wohl die Scheurlin schon früher gekannt, weil Ihr so vertraut mit ihr seid?"

"Ei, das ist mein Vorrecht wie bei dem König so bei den schönen Frauen," antwortete Kunz, "sie machen die vernünftigsten Männer zu Narren, und da wüsste