1859_Otto_159_43.txt

steh'n

Und also durch Eins in's Centrum geh'n.

Auch wieder aus dem Centrum in drei

Durch die Vier im Zirkel ganz frei."

In der Mitte befand sich eine grosse Tafel mit blauen Bechern besetzt und hohen Armleuchtern, auf denen dicke Wachskerzen brannten, denn die Fenster der Hütte waren mit schweren Läden aus eichenem Holz mit Eisen beschlagen verschlossen, damit kein profanes Auge von aussen einen blick in die Hütte zu werfen wage.

Drinnen wurden Bundeslieder gesungen und einander zugetrunken auf das Wohl der Baubrüderschaften und auf das des Bruders Max.

Nachdem dieser schon manches schöne Wort gesprochen, das günstig für deren ferneres Gedeihen mochte gedeutet werden, und der Stoff der Reden erschöpft schien, stand er nochmals auf und sagte:

"Ich habe noch Etwas auf dem Herzen. Es ist einem meiner Ritter unter Spott und Schimpf auf dem Feste der Bürgerschützen sein Schwert entrungen worden, und seiner Beschreibung nach ist es ein Trupp Baubrüder gewesen, der sich dessen unterfangen hatte. Ich will hier nicht Gericht als König hegen, aber ich will meine Brüder bei ihrem Eid befragen, wer das gewesen und wie sich die Sache verhält?"

Ulrich und Hieronymus standen auf und traten vor. Ersterer sagte: "Ich hiess den Ritter sein Schwert vom König fordern, wenn er es wieder haben wolle, da er allein entscheiden könne, ob er würdig sei es wieder zu empfangen. Bis dahin nahm ich es an mich. Ich dachte weder, dass der Ritter seine Schuld bekennen, noch dass er seinen Herrn so frech belügen würde." Und er erzählte wahrheitsgetreu, was auf der Hallerwiese sich zugetragen, und Hieronymus bestätigte es.

"Gehörte das Frauenzimmer zu den Familien der Genannten?" fragte der König.

Hieronymus antwortete: "Es war die Gemahlin des Herrn Christoph Scheurl, Elisabet, aus dem hochangesehenen Geschlecht der Behaim."

Maxens Augen blitzten. Er sagte zu den Beiden: "Nicht wahr, es steht schlimm, wenn Ihr, die Ihr das friedliche Gewerbe heiliger Baukunst treibt und Euch fern halten müsst von allen holden weiblichen Wesen, genötigt seid die Ritter eines solchen gegen einen Ritter meines Gefolges zu werden? Ich werde ihm sagen, dass er sein Schwert wieder haben solle, aber erst wenn er die Ringmauer dieser guten Stadt hinter sich habe, die ich ihm befehlen werde schleunig zu meiden, da seine Gegenwart nur mir und meinen Begleitern zu Schimpf und Schande gereichen könne!"

Neuntes Capitel

Frohe Feste

Bei den Gastmählern, welche der Rat von Nürnberg auf dem rataus bei festlichen Gelegenheiten zu geben pflegte, war auch die Beteiligung der Frauen und Töchter der Ratsmitglieder Sitte, allein sie fanden ihren Platz an einer gesonderten Tafel. Die aufgetragenen speisen wurden zuerst an der Tafel der Ratsherren herumgegeben, und die Frauen erhielten nur von denjenigen Schüsseln, deren Inhalt bis zu ihnen reichte.

Demgemäss waren auch die Tafeln bei einem Mahl geordnet, das der Rat zu Ehren des Königs Max veranstaltet und ihn sammt dem Markgrafen Friedrich und allen andern Rittern und Herren geladen hatte.

Als der König mit seinem Gefolge eintrat, waren die Nürnberger bereits alle versammelt und harrten in einem Halbkreis aufgestellt, die Herren auf der einen, die Damen auf der andern Seite, seiner Ankunft, die schmetternde Trompetenklänge verkündeten. Die beiden Loosunger Tucher und Holzschuher wiesen ihm seinen Platz oben an der Tafel an, den unvermeidlichen Kunz von der Rosen an seiner linken Seite und an seiner Rechten den Markgrafen von Brandenburg, daran reihten sich die beiden Loosunger, und nun wechselte je ein Ratsherr mit einem Ritter ab nach strengster Rangordnung.

Kunz machte ein so erstauntes, auffallend dummes Gesicht und sass so regungslos wie vom Schreck gelähmt, dass der Markgraf zu ihm sagte: "Nun Kunz, Ihr sehe't aus, als sei Euch die Butter vom Brode gefallen, und habt doch zur Zeit weder das Eine noch das Andere erhalten."

"Aber es sieht mir ganz danach aus," sagte Kunz, "als wolle uns dieser hochedle Rat mit trockenem Brode abspeisen, denn die Unterhaltung mit diesen Herren wird sich mir bald wie trockene Krumme im mund wälzen, wenn nicht das Lächeln der Frauen die Butter dazu sein darf."

Der Markgraf lachte: "Ja das ist so Nürnberger Art. Der Rat hat im Kampf wider den Putz der Frauen erliegen müssen, aber bei seinen Gastmahlen weiss er noch sich in Respect und sie im Zaum zu halten."

"Ei, das wollen wir doch sehen!" sagte Kunz und schielte fragend nach dem König.

Der aber antwortete: "Du bist mein Rat und ich nicht der Deine. Ich will hoffen, dass Dich Dein Witz nicht im Stiche lässt, uns vom trockenen Brode zu helfen!"

Kunz sprang auf, kehrte aber, da er schon einige Schritte getan hatte, wieder um, nahm den bereits gefüllten Humpen in die Hand, der an seinem platz stand, und sagte: "Beinah' hätte ich vergessen mich gegen eine trockene Kehle zu verwahren!"

Mit einem Satze war er an der Frauentafel und stand vor Elisabet.

"Erlaubt, edle Frau," sagte er, "dass ich Euren Platz für mich in Anspruch nehme, um Euch dafür den meinigen zu bieten. Sollte Euch der Tausch nicht genehm sein, so bleibt mir Nichts als meine Schalksfreiheit zu brauchen und den Sitz mit Euch zu teilen; Ihr braucht nur ein wenig zuzurücken, so haben wir Beide Platz!"

Dieser Nachsatz genügte, dass