ist eine ausgemachte Sache."
Obwohl einem Hofnarren Alles für Recht ausging, was bei Andern zum Verbrechen ward, und obwohl der König selbst als Antwort nur lachte, machte der Pallirer doch ein sehr finsteres Gesicht: nicht weil Kunz die Würde des Königs, sondern weil er die der freien Maurer durch seine Bemerkung verletzte. Max gewahrte dies nicht so bald, als er zum Pallirer sagte:
"Lass' es gut sein, mein Bruder, der Kunz da ist bei jeder gelegenheit bereit mit mir zu tauschen, und trägt es mir immer noch nach, dass ich zu Brügge auf der Kranenburg den Tausch verweigerte, der mir Freiheit und Leben, ihm aber gewisses Verderben gebracht hätte –"
Kunz liess den König nicht ausreden, hielt ihm seine Mütze vor den Mund und sagte: "Wenn Du mich immer verspotten willst, so werde' ich mir einen andern Herrn suchen, und Du kannst Dir einen von Deinen Brüdern da drinnen für meine Stelle mitbringen."
Max schob ihn zurück, grüsste ihn und seine Begleiter und sagte: "Nun gehabt Euch für heute wohl, Ihr Herren, und lasst Euch die Zeit nicht lang werden!"
"O den Wunsch geben wir in Gnaden zurück!" sagte Kunz. "Indess Du mit Deinen Gesellen mauerst, werden uns die hübschesten Kinder Nürnbergs über Deine Abwesenheit trösten und wir werden diesen Trost wohl erwiedern!"
Der König hörte nicht mehr auf ihn, sondern war mit dem Pallirer in die Hütte getreten, die sich hinter ihm wieder schloss und aus der man nun laute Willkommengrüsse tönen hörte.
Kunz aber hatte, so wie Max verschwunden war, seine lustige Laune verloren, denn es war ihm unheimlich zu Mute, wenn er von ihm getrennt war, seit diese Trennung einmal so unglücklich gewesen, und er ward auch jedesmal verdriesslich, wenn er an seine Aufopferungsfähigkeit von dem König vor andern Leuten erinnert ward. Für eine Tat, die sich bei ihm so von selbst verstand, begehrte er nicht noch Dank von seinem Herrn. Er hatte ihn darum auch nicht ausreden lassen, obwohl man überall im Reiche die geschichte aus Brügge kannte, auf welche der König anspielte.
Als König Max nämlich von der Stadt Brügge eine Einladung erhalten hatte, daselbst Lichtmesse zu feiern, nahm er diese an, obwohl es ihm alle seine Räte widerrieten, da die Stadt sein Regiment nicht wollte und ihre Bürger noch besonders durch französischen Einfluss wider ihn gereizt waren. Am 31. Januar 1488 zog er von etwa fünfhundert Reitern begleitet gegen Brügge. Hier am Tore noch warnte ihn Kunz von der Rosen nicht hineinzugehen, weil er in sein Verderben renne. Max verwies ihm die Warnung und blieb bei seinem Entschluss. Da sagte Kunz zu ihm:
"Lieber König, ich sehe, dass Du hier mit Gewalt gefangen werden willst; da ich aber dazu keine Lust verspüre, so will ich Dir nur das Geleite bis an die Burg geben und dann zum andern Tore wieder hinaus reiten. Deinen lieben Söhnen in Brügge traue der Teufel."
Danach handelte er auch und verliess die Stadt und den König. Sobald er aber erfuhr, dass dieser wirklich in Brügge gefangen gehalten werde, versuchte er mit zwei Schwimmgürteln versehen durch den Schlossgraben zu kommen, um vermittelst des einen derselben seinen Herrn zurück über den Graben nach einem Ort zu bringen, wo er Pferde bereit hielt. Aber obwohl die Stille der Nacht ihn begünstigte, weckte er doch die im Graben wohnenden Schwäne, deren wildes Geschrei das unbemerkte Gelingen seines Beginnens unmöglich machte. Darauf lernte er das Bart- und Haarscheeren, schlich sich in die Stadt und gewann einen Franciskaner-Guardian, dass ihn derselbe als Begleiter eines andern Mönchs als des Königs Beichtvater in dessen gefängnis schickte. Als mit ihm Kunz allein war, gab er sich zu erkennen und verlangte, der König soll sich eine Platte scheeren lassen und in der Mönchskutte entrinnen, indess statt seiner er im gefängnis bleibe. Standhaft verweigerte Max die Annahme dieses Opfers, und wie sehr Kunz auch flehete, weinte und zürnte, er musste wieder gehen, wie er gekommen. Beim Abschied sagte er zu ihm: "Wenn Du mir auch nicht vergönnst statt Deiner zu bleiben, und Dich weigerst, mit mir die Rolle zu tauschen, wenn Deine Hüter kommen und den König suchen, so werden sie auch in Dir den Narren finden." Indess war sein Kommen doch nicht ganz vergeblich, denn Max erfuhr von ihm den Stand seiner Sache, und ebenso kam durch ihn überall die Kunde umher, wie es um den König stand. Aber erst am 16. Mai erlangte er die Freiheit. –
etwa eine Stunde mochte König Max in der Bauhütte gewesen sein, als er aus derselben wieder heraus trat, begleitet von dem Propst Anton Kress, dem Hüttenmeister, Werkmeister und Pallirer und gefolgt von allen Werkleuten, Gesellen und Lehrlingen, und mit ihnen zur nahen Lorenzkirche zog. Heute hatte die Arbeit noch geruht. Alle hatten drinnen in der Hütte beim Empfang des königlichen Baubruders gegenwärtig sein und seine Begrüssungsrede hören wollen, die nicht aussen gesprochen werden durfte, wo auch profane Ohren ihr hätten lauschen können. Jetzt eilten alle Steinmetzen, die bei dem äussern Bau zu tun hatten, an ihre Plätze. Max selbst hatte ein ledernes Schurzfell umgetan und eine Kelle in der Hand, um zu zeigen, dass er die edle Steinmetzkunst wohl verstehe und ihrer Ausübung in der Mitte der Baubrüder und vor allem Volk sich nimmer schäme.
Im Freien ward