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Erwartest Du einen anderen Anbeter? etwa den Reimschmied Celtesoder einen Boten des Königs?"

Elisabet's Widerstand ward jetzt zum Ringen mit ihm, und in herzzerreissenden Tönen rief sie: "Willibald! schützt mich!"

"Himmel!" rief Willibald, "es ist die Scheurlin, der Jemand unziemlich begegnet!"

Er, Dürer und die Baubrüder stürzten im Nu auf die Beiden zu. Ulrich rief den Ritter an; "Was erfrecht Ihr Euch?"

"Sind das jetzt Eure Genossen?" höhnte der Ritter verächtlich, indem er sein Schwert zog; aber auch die Baubrüder zogen die ihrigen, welche sie stets am Gürtel trugen, und im Nu schlug Ulrich dem Ritter das nun eben erfasste Schwert aus der Hand. Als er es wütend wieder erfassen wollte, riss sich Elisabet von ihm los, nahm Willibald's Arm und sagte: "kommt, kommt unter die Menschen, die Zelte!"

Hieronymus hatte das fallende Schwert aufgefangen, und der Ritter drang auf ihn ein, es ihm wieder zu entreissen.

Ulrich drängte ihn mit seinem eigenen Schwert zurück, aber ohne ihn zu verwunden, und sagte: "Wir schlagen uns nicht mit Raufbolden und Stegreifrittern, die ehrbare Frauen unziemlich behandeln; das Schwert behalten wir, weil Ihr nur Frevel damit anrichten möchtet; hol't es Euch wieder beim Könige oder bei dem hochedlen Rat dieser Stadt, wenn Euch danach verlanget."

Es kamen Leute, Stadtschützen, eine stattliche Anzahl der Russigen, und Alle fragten, was es gebe? Der Ritter, da er wusste, dass die Bürger und Zünftigen immer geneigt waren einander wider den Uebermut des Adels zu helfen, und dass er allein unter diesen Vielen nichts ausrichten, und wahrscheinlich als ein Brecher des Landfriedens 'eingebracht' werden möchte, brach sich durch die Menge Bahn und sagte drohend:

"Ich werde dem König vermelden, wessen er sich zu den Nürnbergern zu versehen hat, die sich also gegen seine Begleiter betragen!"

Man liess ihn gehen und die Meisten schalten ihn ein Grossmaul, und lachten und höhnten hinten ihm her.

Die kleine weibliche Gestalt, welche Elisabet vorhin hinter den Baubrüdern bemerkt hatte, war auch noch da. Es war das Judenmädchen von diesem Morgen. Sie drängte sich jetzt an Ulrich und sagte:

"Der Ritter da ist ein Placker und Strassenräuber, nehm't Euch vor ihm in Acht."

"Unser einem kann er nichts rauben!" lächelte er, "aber ich danke Dir, liebes Kind! Weisst Du seinen Namen?"

Wie glücklich lächelte die Kleine! Sie wollte antworten, aber Hieronymus zog den Kameraden von ihr fort und sagte vorwerfend: "Sprich doch nicht mit der Judendirne!"

Ulrich hatte in der Dämmerung die gelben Streifen an ihren Aermeln nicht bemerkt, er bemerkte auch weder vorhin noch jetzt, dass sie die weisse Rose, die er diesen Morgen zur Seite geworfen, an ihrem Kleide trugaber er kehrte sich jetzt schnell von ihr ab und gewahrte darum auch nicht, wie sie ihre arme wie von einem plötzlichen Schlag getroffen herabsinken liess und die hände ineinander rang.

Achtes Capitel

Das Achtort

fest an fest reihete sich im lustigen Nürnberg aneinander, die Gegenwart des Königs zu feiern. Die Ratsherren, die reichen Kaufleute, die gelehrten Gesellschaften, die Zünftesie alle stritten sich miteinander, den König in ihrer Mitte zu sehen, und vor allen anderweitigen Vorstellungen und Lustbarkeiten hatte Markgraf Friedrich, der den König bei sich auf der Veste beherbergte, noch nicht dazu kommen können, selbst ein fest zu veranstalten, und musste damit von einem Tage zum andern warten.

Den Tag, zu welchem Max der freien Steinmetzzunft versprochen, in ihrer Mitte als Baubruder zu erscheinen, musste er ihr allein widmen. Schon am Morgen verliess er die Veste, nur von Kunz von der Rosen, ein paar Rittern und einigem Gefolge aus der Dienerschaft des Markgrafen begleitet, und ging zu Fuss durch die Stadt bis an die Bauhütte an der St. Lorenzkirche. Der König war ohne Rüstung und einfacher als sonst in ein Wamms von dunkelbraunem Sammt gekleidet, am breiten Ledergürtel ein kurzes Schwert, ein Sammtbaret mit weissen Federn auf den blonden Locken, bezeichnete ihn nur der übergeworfene Purpurmantel als Majestät. Seine Tracht ähnelte der der Baubrüder, nur dass sie von besserem Stoff war, aber die Stiefel von ungeschwärztem Leder waren gewissenhaft beibehalten.

Aus der Hütte heraus schalten die laut in den Stein hämmernden Klänge der Steinmetzen. Die Tür war verschlossen. Dreimal schlug der König mit seinem Schwert an dieselbe. Der Pallirer trat heraus, schloss sie wieder hinter sich und sagte:

"Wer Einlass begehret, gebe das Passwort."

Der König trat ganz nahe zu ihm und flüsterte ganz leise ein Wort in das Ohr des Pallirers. Darauf reichte ihm dieser drei Finger seiner Hand, und der König erwiderte den Händedruck in der gleichen Weise. Kunz war hinzugeschlichen und hatte auf einem Beine stehend gelauscht, ob er nicht verstehe, was die beiden Heimliches sprächenohne dass ihm dies jedoch möglich war. Max warf jetzt seinen Purpurmantel ab, gab ihn dem Hofnarren und sagte zu ihm:

"Hier, guter Freund; weil Du Dich heute von Max trennen musst, magst Du ihm indessen die Königswürde bewahren."

Kunz zog den Mund schief und sagte: "So tauschen wir einmal die Rollen vollständig: nun bin ich heute auch der Königdenn dass Du eben der Narr bist,