ich nicht, dass es die Hausfrau Scheurl's war, die in dessen zierlichem haus tronte gleich einer Feenkönigin. So waret Ihr es doch überdrüssig, nur die spröde Muse eines Poeten zu sein, und ich sehe Euch als gute deutsche Hausfrau wieder?"
Warum musste Markgraf Friedrich, wenn auch vielleicht unwissend, Elisabet gerade in dem augenblicke so durch seine Anspielungen demütigen, wo sie sich durch die Huld des ritterlichen Königs einmal wieder erhoben fühlte und ihr Herz in stolzer Begeisterung schlug? Ihre ganze Seelenstärke gehörte dazu, um ihre Bewegung zu verbergen, so dass sie ruhig sagen konnte: "Ihr seid sehr gütig, mich so in Eurem Gedächtniss behalten zu haben; es war ein grosser Kummer für die Meinigen und meinen Gemahl, dass wir uns die Ehre Eurer Gegenwart nicht zu meiner Hochzeit erbitten durften, da ihr fern von uns in den Niederlanden weiltet."
"Nun," lächelte der Markgraf, "es findet sich wohl eine andere gelegenheit, von Euch zu einem Familienfeste geladen zu werden; wie ich Euch aus der Taufe hob, war ich freilich noch ein junger Mann, doch denke' ich auch jetzt noch einen stattlichen Taufzeugen abgeben zu können."
Obwohl damals solche Scherze sehr an der Tagesordnung waren bei Vornehmen wie Geringen, errötete Elisabet doch unwillig, und da sie eben jetzt Ursula gewahrte, die verlegen zur Seite stand, weil sie sich unter den Augen der ganzen Familie Tucher befand, und deshalb um so weniger wagte mit Stephan Wort und blick zu wechseln, so nahm sie Elisabet bei der Hand und sagte:
"Vielleicht erinnert Ihr Euch noch meiner lieben Freundin Jungfrau Ursula Muffel?"
"Wenigstens von diesem Morgen," antwortete der Markgraf, "denn von dieser holden Jungfrau fand mein Gruss Erwiederung. Wo ist Herr Gabriel, Euer Vater? Mich dünkt, ich sah ihn noch nicht."
"Dort steht er –" sagte Ursula auf ihn deutend.
Und Elisabet flüsterte leiser zu dem Markgrafen: "Ich empfehle ihn Eurer besonderen Gnade und werde Euch das Weitere schon noch erklären." Nachdem sie die Beiden einander genähert und mit feinem Takt eine Unterredung zwischen ihnen eingeleitet, nahm sie Ursula's Arm und sagte: "Mir wird so heiss und enge in dem Menschengewühl, lass' uns ein wenig abseits dort unter die Linden wandeln."
"Ich kann es auch nicht mehr ertragen," sagte Ursula, "und noch hab' ich kaum ein paar Worte mit Stephan zu wechseln gewagt."
"Jetzt beginnt es dunkel zu werden, und die Dämmerung begünstigt alle Liebenden!" tröstete Elisabet.
Und nicht lange wandelten sie allein unter den Linden, da gesellte sich Stephan zu ihnen. Nachdem er die ersten Zärtlichkeiten mit Ursula getauscht, sagte er: "König Max ist ein Mann nach meinem Sinn, was meinst Du, wenn ich ihm folge, mir auf eigene Hand in seinem Gefolge Ruhm und Ehr und den Ritterschlag erwerbe, und dann als Lohn für meine Dienste Nichts fordere, als dass der König unsere eigensinnigen Väter versöhne?"
"Das ist ein würdiger Entschluss!" rief Elisabet, "so segensreich ist schon die Erscheinung eines wahren Helden – sie treibt auch Andere auf die Heldenbahn!"
Ursula sagte: "Ja, vertraue Dich ihm, er ist so ein ganzer Mann und Held, und hat ja mit seiner Maria auch erfahren, was rechte Liebe ist!"
Elisabet wollte das Paar nicht stören und zog sich wieder zurück. Um sich auszuruhen und ihren Empfindungen zu überlassen lehnte sie sich an eine der Linden, die ihre Zweige, sie fast verbergend, über sie breitete, wozu auch die grüne Farbe ihres Kleides beitrug.
Sie hatte die Augen halb geschlossen und hörte jetzt eine Männerstimme sagen: "König Max hat unsere Einladung angenommen, einem Zechentag in unserer Bauhütte beizuwohnen, und Propst Kress hat den übermorgenden dazu festgesetzt. Gebe Gott, dass es ihm Ernst ist um die heilige Kunst."
"Ich hoffe es!" antwortete der Andere mit der melodisch klangvollen stimme, an der wir Ulrich erkennen. "Sein Geist, der in so vielen Fächern der Wissenschaft bewandert ist, wird auch die erhabene Lehre des Albertus Magnus in ihrer ganzen Herrlichkeit erfasst haben, und diejenigen zu würdigen wissen, welche ihre geheiligten Lehrsätze im Stein zu verwirklichen suchen. Wird er uns nur ein Kaiser, der uns die alten Privilegien in Ehren lässt und sie zeitgemäss erweitert, so geschieht schon das Beste für uns, das wir begehren können, denn die deutsche Kunst ist das, was sie ist, nicht geworden d u r c h die Fürsten, sondern t r o t z ihnen – und wollte König Max den Einfluss, den er dadurch, dass er Baubruder geworden ist, auf die Bauhütten üben kann, je so weit gebrauchen, dass er in guter oder böser Absicht uns Vorschriften machen wollte: so wäre er kein rechter freier Maurer, und wir hätten die Pflicht, ihn aus unserem Bunde zu stossen, seine Gemeinschaft zurück zu weisen. Als Fürst kann er für die Kunst nichts Besseres tun, als unsere Freiheiten bestätigen, uns schirmen gegen die Buchstabensatzungen der pfaffen, wie gegen den Fürwitz der Profanen. Die göttliche Kunst selbst in ihrer Reinheit zu bewahren und höherer Vollendung entgegenzuführen – das ruht allein in den Händen der Künstler selbst."
"Ich wollte, König Max hörte Dich selbst so sprechen," sagte Hieronymus.
"Sollt' es ihm gefallen, mich