gemacht, so machte sie jetzt, da jene vorüber war, auf Alle einen gemeinen. Ihre sonst eitel lächelnden Gesichtszüge erschienen jetzt von Neid und Bitterkeit verzerrt, aus ihren grossen Augen meinte man giftige Pfeile fliegen zu sehen, und ihre Lippen schienen sich nie anders wie zu hämischen Bemerkungen öffnen zu können. Ihre Formen waren eckig geworden, wie alle ihre Bewegungen, und ihre lange knochige Gestalt bemühte sich vergeblich eine würdevolle Haltung zu behaupten, es ward nur die einer steifen Gravität daraus. Ihre Kleidung war eben so kostbar wie die Elisabet's, aber während diese dieselbe sinnig und geschmackvoll wählte und so reizend zu ordnen musste, dass die Pracht derselben immer mit ihrer ganzen Erscheinung harmonirte und auch dem feinsten Schönheitssinne Rechnung trug, immer vielmehr ihrem eigenen idealen Geschmack als der gerade herrschenden Mode und Sitte folgte, so band sich Katarina Haller streng an diese, nur dass sie durch Ueberladung ihren Reichtum zu zeigen suchte.
Dem entsprechend waren jetzt ihre Bemerkungen gegen ihre Begleiter über Elisabet und zum teil von einer nicht wiederzugebenden Gemeinheit. "Was dünkt sie sich denn Besseres als wir, dass sie meint, sie allein könne sich Alles erlauben? Sie hätte sollen darüber zur Rechenschaft gezogen werden, dass sie sich heute unterstand nach seiner Majestät mit Blumen zu werfen und das Pferd scheu zu machen, dass es bald ein Unglück gegeben hätte; aber Alles muss ihr für voll ausgehen, es mag so unschicklich sein wie es will! Seht nur – sie drängt sich mit ihrem mann gewiss noch bis zum Könige. Ich wollte, er kehrte ihr den rücken oder sagte ihr etwas recht Demütigendes."
"Das ist leider von dem ritterlichen Könige nicht zu erwarten," sagte die andere Patrizierin, E l e o n o r e T u c h e r , eine Schwägerin Stephan's; "mein Mann sagt, dass König Max ein Verehrer der Frauen ist, und man müsste nicht wissen, wie die Männer sind, auf dem Tron so gut wie anderswo, sie lassen sich am leichtesten von denen fangen, die ihnen mit freiem Betragen entgegenkommen. Da ist eher zu hoffen, dass sein Hofnarr ihr etwas Demütigendes sagt."
"Wenn man nur an ihn kommen könnte," sagte Frau Haller, "denn wenn es ihr wieder gelingt, von diesem edlen König ausgezeichnet zu werden, wie sie es von dem alten Kaiser ward, als er das letzte Mal hier war und sie aufforderte, den Celtes öffentlich zu krönen, so wird ihr der Kamm immer noch höher schwellen."
"Ach ja," sagte Eleonore etwas boshaft; "ich erinnere mich, sie sass damals gerade neben Euch, und blieb erst sitzen, ohne sich zu rühren, indess Ihr schon aufstandet, als der Bote des Kaisers kam sie abzurufen."
Katarina hätte bei dieser Erinnerung vor Aerger bersten mögen, denn dass damals nicht sie, sondern Elisabet zu der Krönung des Dichters hervorgerufen ward, war die Hauptursache ihres Neides und Hasses. Aber sie erwiderte Nichts, denn eben steigerten sich diese Empfindungen zum höchsten Grad, als sie gewahrte, wie König Max aus dem Kreise der Schützen trat und einem seiner ritterlichen Begleiter winkte, und dieser darauf Christoph Scheurl und seine Gemahlin vor den König führte, sie ihm vorzustellen. Verstand die Entferntstehendere auch nicht, was er sprach, so sah sie doch an seinen huldvollen Mienen, die fast mehr bewundernd als gnädig auf Elisabet ruhten, an ihrem mehrfachen Verneigen, zartem Erröten und dem Lächeln des Triumphes, das ihr ganzes Antlitz verklärte, dass es nur Schmeichelhaftes sein konnte. Jetzt trat auch der lustige Rat hinzu, und obwohl Elisabet vor seinen Worten die Augen niederschlug, so zeigte doch das beifälligstolze Lächeln ihres Gemahls, dass in dem Sprüchlein des Narren nur ein cynischer Scherz die für sie darin entaltene Huldigung begleitet hatte, wofür ihm Max lächelnd mit dem Finger drohte und Elisabet bat, seinem getreuen Bruder die Freiheit der Rede nicht übel zu deuten, die er selbst sich müsse gefallen lassen; worauf der Narr mit komischer Geberde Abbitte tat, bis ihm Elisabet die Hand reichte, die er demutvoll küsste.
Katarina stand stumm und sprachlos vor Wut, während Eleonore ihren Gatten A n t o n T u c h e r in der Nähe Scheurl's gewahrte und sich zu ihm durchzudrängen suchte, um wenigstens auch der Ehre der Vorstellung teilhaftig zu werden, was ihr denn auch gelang, aber ohne dass der König sich weiter mit ihr unterhalten hätte, sondern Anton nach seinem Vater fragte, der auch zur Stelle war und seinerseits nun wieder seinen Sohn Stephan vorstellte.
Indess war der Markgraf von Brandenburg zu Elisabet getreten und sagte:
"Es gelang mir heute nicht einen Gruss von Euch zu erhalten, als ich an Euch vorüberritt, und als getreuer Vasall begnügte ich mich zu Gunsten Seiner Majestät darauf zu verzichten."
"Verzeiht, edler Fürst," unterbrach sie ihn; "ich war von der Verwirrung, die ich durch meine Unbesonnenheit beinahe angerichtet, so bestürzt, dass es wie ein Flor vor meine Augen sank."
"Nun," lächelte der Markgraf, "diese Entschuldigung will ich unsern Rittern vermelden, die mit mir in gleicher Lage waren, und von denen Einer sich nicht so leicht beruhigen wird."
Elisabet sah ihn verwundert fragend an, und der Markgraf fuhr fort:
"Ich vermeine wohl die schöne Jungfrau Behaim wieder zu erkennen, die vor zwei Jahren den Konrad Celtes krönte – doch wusste