bittet aufzupassen. Der wird nicht wenig schauen, wenn eine Stunde um ist, und Kaiser Karl tritt heraus, dann die sieben umgehenden Kurfürsten, dann der Ehrenhold, die vier Posauner, und endlich die zwei Männlein, davon das eine läutet und das andere die Uhr umwendet."
"Freilich musste es Kaiser Karl IV. sein," sagte Lindenast, "da er es war, der dies Gotteshaus 'Unserer lieben Frauen Saal' gestiftet. War er doch auch ein grosser Freund der Kunst, wenn schon sein Geschmack sich zuweilen von der guten deutschen Art entfernte, das italienische und antikische Wesen begünstigte."
"Nun, wer weiss, ob ihm das Vischer nicht nachmachen will," lächelte Kraft, "er will ja auch nach Italien gehen."
"Ja, dahin zieht es mich nun einmal," gestand dieser; "man muss sich in der Welt umsehen, wenn man was Tüchtiges lernen will, und gerade dahin gehen, wo es auch grosse Werke und Künstler gibt, damit man sich nicht einbildet, man leiste schon was Rechtes. Ich habe nur noch gezögert, um den König hier nicht zu versäumen, dann mache ich mich gleich auf die Wanderschaft. Aber um wieder auf Euer Männleinlaufen zu kommen: es ist schade, dass die Figuren kupfern und nicht versilbert oder vergoldet sind. Wenn dem König Euer Werk gefällt, so riete ich Euch das Eisen zu schmieden, weil es warm ist, und den König um ein Privilegium zu bitten, Eure arbeiten künftig versilbern und vergolden zu dürfen, wenn es Euch beliebte."
"Ich habe auch schon daran gedacht," sagte Lindenast.
Indess ward dies Gespräch durch lautes Vivatjauchzen unterbrochen, denn der König Max, von seinem von ihm unzertrennlichen Hofnarren, dem Markgrafen Friedrich und vielen Rittern begleitet, war gekommen. Aber er weilte nicht lange in dem für ihn bereiteten Zelte, sondern mischte sich unter die Büchsenschützen und schoss mit ihnen um die Wette, als gehöre er mit zu ihrem Verein. Da war nun unter dieser wieder Keiner, der nicht darauf geschworen hätte: das sei der trefflichste Fürst, der je auf den Kaiserstuhl zu Rense gesetzt worden.
Freilich am ärgsten fast trieben es die Frauen und Mädchen, die einfachen Bürgerinnen so gut wie die vornehmen Patrizierinnen. Er grüsste jene wie diese, und während die ersteren den Kreis der Schiessenden umdrängten, in deren Mitte sich der König befand, kamen auch die letzteren, die sich sonst immer abgesondert hielten, aus ihren Zelten hervor. Sie konnten ja heute einmal eine Ausnahme machen, und wenn der König selbst sich unter die zünftigen Bürger und den gemeinen Haufen mischte, so geschah auch ihrer Ehre kein Abbruch, wenn sie das Gleiche taten.
Herr Christoph Scheurl liess es sich diesmal nicht nehmen, selbst den Cavalier seiner Gemahlin zu machen. Er wusste, er werde so am ersten von den hohen Personen und dem Könige bemerkt werden – und daran lag ihm Alles. Denn zu den Dingen, um die er Hans von Tucher beneidete, gehörte auch, dass derselbe in den Adelstand erhoben worden war und ein adeliges Wappen führen durfte. Danach gelüstete Scheurl, und er trachtete nach jeder gelegenheit, die ihm eine Möglichkeit verschaffen könnte, auch zum Ritterschlag zu gelangen. Um sich hervorzutun, hatte er sein Haus so schön schmücken lassen, und auf die seiner Gemahlin widerfahrene Huldigung war er nicht minder stolz als diese selbst, ja er war entzückt über ihren Einfall, den König mit Blumen zu werfen, obwohl es genug seiner Collegen gab, die ihn darum gegen seine Ehegattin aufhetzen wollten, oder ihm wenigstens ihr Betragen mit zweideutigen Spässen entgelten liessen. Auf Alles, was man ihm in dieser Weise sagen mochte, erklärte er lächelnd: dass ihm solche Reden nur zeigten, wie sehr man ihn beneide die schönste Frau zu besitzen, und er ging heute mit um so grösserem Stolz an ihrer Seite, und obwohl sie sich sonst des Tages oft mehrere Male umzukleiden pflegte, so billigte er es, dass sie gerade heute es nicht getan – in derselben Tracht werde der König sie um so eher wieder erkennen und vielleicht einige freundliche Worte an sie richten. Stolzer als je strahlte auch Elisabet selbst in ihrer gebietenden Schönheit, als sie so über die Wiese ging, die lange Schleppe hinter sich herziehend, umflattert vom wehenden Schleier.
Aber wenn unwillkürlich die Blicke aller Männer an ihr haften blieben und sie doch mehr bewunderten als bespöttelten, so war das umgekehrt mit den Frauen, wenigstens bei dem grösseren teil der ihr ebenbürtigen Patrizierinnen. Die liessen sich hinter ihrem rücken in vielen spöttischen und anzüglichen Reden vernehmen, und suchten sie unter sich um so tiefer zu erniedrigen, als sie sich selbst über diese ungebildeteren, kleinlichen und engherzigen Frauen erhaben fühlte. Am spitzigsten lauteten die Bemerkungen, die aus dem mund K a t h a r i n a H a l l e r ' s kamen, der Gattin des Bürgermeisters W i l h e l m H a l l e r und einer Tochter des Loosungers Holzschuher. Vor länger als einem Jahrzehent hatte sie zu den gefeiertsten Schönheiten Nürnbergs gehört, und es war ihr jetzt unerträglich, diesen Platz Anderen überlassen zu müssen. Ohne den Adel eines geistigen Ausdruckes hatte ihre Schönheit zu jenem gewöhnlichen Typus gehört, der nur durch Frische und Fülle der Jugend Reiz erhält – dies Alles war jetzt verschwunden, und hatte sie früher schon auf prüfendere Beschauer auch in ihrer Blütezeit nur einen gewöhnlichen Eindruck