1859_Otto_159_33.txt

d r i c h v o n B r a n d e n b u r g nicht, und nur Ursula verneigte sich vor ihm. Er ritt gleich hinter Max und trug einen kurzen Sammetrock, rot, grau und weiss geteilt, eben so die Aermel, darüber einen kurzen grauen Sammetmantel mit rot und goldener Stickerei. Seit er nicht hier gewesen, war das schöne Scheurl'sche Haus neu entstanden, und er widmete ihm darum seine besondere Aufmerksamkeit. So hatte Elisabet auch für die andern Ritter und Herren kein Auge, die im Gefolge des Königs waren, obwohl jetzt um so mehr aller Blicke auf ihr ruhten, seit sie dessen Huldigung in so auffallender Weise empfangen und allerdings in gleich auffallender Weise herausgefordert. Unter diesen Rittern befand sich einer ganz in schwarzen Sammet mit Silberstickerei gekleidet, den es nicht minder als Markgraf Friedrich zu verdriessen schien, dass Elisabet ihn nicht gewahrte. Sein Gesicht sah ziemlich bleich und wüst aus, und in seinen dunklen Augen schien ein unheimliches Feuer zu drohen. Einen solch' unheimlichen Eindruck machte er überhaupt auf Ursula.

Zu ihr sagte Elisabet, als Alles vorüber war: "Ur

sula! das ist der einzige schöne Mann, den ich je gesehener verdient es zu herrschen! – Das war seit langem der erste glückliche Augenblick!"

Elisabet's ganzes Wesen war in solcher Aufre

gung, dass Ursula sie erstaunt betrachtete; aber sie vermochte nicht weiter mit ihr zu sprechen, denn eben stürmte Stephan in das Zimmer, der eine günstige gelegenheit gefunden, sich aus dem Getümmel fortzuschleichen, da er der Versuchung nicht widerstehen konnte, sich wenigstens auf Augenblicke der holdseligen Geliebten zu nähern.

Siebentes Capitel

Auf der Hallerwiese

An dem Tage, an welchem König Max angekommen, ward auf der Hallerwiese von den Bürgern ein grosses Büchsenschiessen gehalten, zu dem man ihn eingeladen. Ein grosses kostbares Zelt war für ihn und Markgraf Friedrich wie die begleitende Ritterschaft aufgeschlagen worden. Zu beiden Seiten desselben befanden sich die grösseren Zelte des Rates und der Familien der "Genannten". Ringsum hatten die Zünfte ihre Fahnen aufgesteckt, die stolz und lustig über den Platz hin wehten, in dessen Mitte eine zahllose Menschenmenge sich bewegte und auf die mannigfaltigste Weise ergötzte.

Immer aber war König Max der Mittelpunkt des Festes. Auch noch ehe er selbst auf der Wiese erschienen war, hörte man doch nur von ihm allein erzählen und Bemerkungen über ihn machen, die nur zu seinem Lobe waren, selbst von denen, die sich sonst noch wenig um ihn gekümmert oder von ihm erwartet hatten. Das war bei den guten Nürnbergern doch nur so lange der Fall gewesen, als er sich nicht um Nürnberg kümmerte: nun aber war er ja gekommen, nun hatten sie ihn in ihrer Mitte, nun war er auch gut nürnbergisch, und die ritterliche und leutselige Art seines Wesens verstärkte nun den günstigen Eindruck, den sein Kommen schon an sich hervorgerufen.

So sagte Peter Vischer, der Rotgiesser, der heute auch nicht in der Arbeitsschürze, sondern im Sonntagsrock erschien, zu seinen Begleitern, unter denen er der jüngste war:

"Ja, das ist ein Kaiser, der noch mehr gelernt hat, als die Waffen führen und schöne Reden auf den Reichstagen halten. Der versteht seine Waffen nicht bloss zu schwingen wie ein Fechtmeister, seine Stücke nicht nur zu richten und abzuschiessen wie der beste Büchsenmeister, sondern würde zur Not auch seine Schwerter und Lanzen, Helme und Panzer selber fertigen und seine Stücke selber giessen können; denn in seiner Jugend hat er die Plattnerei und Harnischmeisterei, die Geschütz- und Lagerkunst lernen müssen, als sei er selbst zum Handwerker berufen."

"Ja," stimmte der Steinmetz A d a m K r a f t bei, ein schon etwas älterer Mann mit klugen Augen unter der breiten Stirn, Haar und Bart von natur gekräuselt; "die Steinmetzerei und Zimmerei hat er auch gelernt, und ist so absonderlich für die Baukunst eingenommen, dass er sogar selbst ein Baubruder geworden. Noch kein so grosser Potentat hat das bisher getan." Wenn Meister Kraft so viel sprach, so war es ein Zeichen, dass es ihm sehr von Herzen ging, denn er war immer ein Mann von wenig Worten, kurz angebunden, und konnte es nicht leiden, wenn von irgend einer Sache viel gesprochen ward.

Darum sagte auch der Bildschnitzer V e i t S t o ss , ein Pole, der erst im kräftigsten Mannesalter von Krakau nach Nürnberg gezogen war, weil man da seine Kunst besser als in seiner Heimat zu schätzen verstand: "Ei, wenn Meister Kraft einmal so in Eifer gerät, da muss es freilich etwas Grosses sein."

Und der vierte Gefährte, S e b a s t i a n L i n d e n a s t , ein kunstreicher Kupferschmied, bemerkte: Ja, wenn ich König Max früher gesehen, hätte ich wohl ihn noch lieber als den Kaiser Karl IV. in Kupfer konterfeien mögen."

"Ach, Ihr meint bei dem zierlichen 'Männleinlaufen' zu der Uhr des Meisters G e o r g H e u ss , dem Ihr die Männlein so schön in Kupfer getrieben habt," sagte Peter Vischer. "Ich meine, es wird dem König absonderlichen Spass machen, wenn er das zum ersten Male sieht. Ich wollte, Ihr selbst und Meister Heuss wäret dabei, wenn man den Kaiser vor den Turm der Liebfrauenkirche führt und ihn nun