umhergeschweift, nirgend findend, was ich suchte – mir ward hier ein himmlisches Asyl! Ewig wollte ich hier bleiben, ewig im Strahl Eurer Gunst mich sonnen. Ihr waret die Sonne, die alle Blüten meines Geistes weckte – ohne Euch ist das Leben eine dumpfe kalte Nacht, in der alle Keime verderben!"
Willenlos, selbst wie eine gebrochene Blume, lag Elisabet an seiner Brust und vermochte ihre Tränen nicht mehr zurückzuhalten. "Es hätte Euch ein Wort gekostet, und es war Alles anders!" sagte sie. "Ihr hab't mich verstossen!"
"Elisabet!" rief er und sah ihr prüfend in die überströmenden Augen, "ich gab nur den Vorstellungen und Bitten Eurer Familie nach um Euretwillen – alle meine sehnenden Empfindungen bezwang ich in heissen Kämpfen, um den Frieden Eures Hauses nicht zu stören –"
"Und der Friede meines Herzens war Euch Nichts?" fiel sie ihm in's Wort. "O Konrad, ich lebte gleich Euch in einem süssen Taumel, ich fragte nichts nach dem Morgen, da das Heute so himmlisch war. Ich war wie der Epheu, der sich fest um die starke Eiche ringelt – so unauflöslich fühlt' ich mich an Euch gekettet. Da kam die Unglücksstunde, in der mein Bruder mit roher Hand aus dem holden Traum uns weckte. Ihr hiesset mich schweigen, und welcher Edelsinn auch aus Eurer Verteidigungsrede sprechen mochte – mir stiess sie einen vergifteten Dolch in das Herz!"
"Was konnte' ich anders antworten?" fragte er; "mein Mannesstolz und meine hohe Liebe zu Euch liessen keine andere Antwort zu. Die weite Kluft, die mich von Euch trennt, ward zum Abgrund, der uns Beide verschlang, wenn ich den glühenden Empfindungen Worte gegeben hätte, die mich jetzt zermartern, seit ich mich von Euch fern halten musste und jetzt, da ich von Euch scheiden soll!"
"O, und Ihr bildetet Euch ein stark zu sein, weil Ihr zu schwach waret, vor den Abgrund zu treten?" sagte sie mit höhnischer stimme. "Ich aber, die ich zu dem schwachen Geschelcht gehöre, fühle den Mut in mir, den Abgrund zu überspringen – aber Ihr hiesset mich schweigen und erklärtet, dass Ihr niemals Liebe für mich empfunden!"
"Das habe ich nie gesagt!" rief er, "eine so entsetzliche Lüge ist nie über meine Lippen gekommen – aber ich wusste, dass Ihr mir niemals angehören konntet, und darum, seit ich Euch gefunden, ward es mir klar, dass ich für immer dem Minne- und Eheglück entsagen müsste, weil mein Herz nie einem andern weib gehören konnte! O Elisabet!" fügte er mit leidenschaftlicher Heftigkeit hinzu, indem er zu ihren Füssen stürzte, "das hab't Ihr doch gewusst, dass ich Euer Sklave bin, auch wenn ich mich stellte, als kenne und möge ich keine Fessel?"
"O hättet Ihr nicht die unseligen Worte gesprochen!" versetzte sie, "hättet Ihr mich zuvor gehört! Ich wollte meinem Bruder schildern, wie ich Euch liebe, und dass ich in Euch einen Ritter des Geistes sehe, davor dies Patriziertum sich achtungsvoll beugen müsse. Dass ich Euch folgen würde, wohin es auch sei, wenn das Vaterhaus mich vielleicht verstiesse. Und wäre dies geschehen, so wären wir zusammen geflüchtet! und hätte sich weder in Deutschland noch Italien ein Asyl für uns gefunden, so wären wir meinen weltumsegelnden Bruder gefolgt und auf einem jener goldenen Eilande, die er schon entdeckt, hätten wir die Stätte der Glückseligkeit gefunden, die keine Menschen dieser verdorbenen Welt gestört! Aber mit kalter Hand schnittet Ihr mir den Weg ab zu diesem Paradies!"
Wie vernichtet barg Celtes sein Haupt in Elisabet's Schooss. Jetzt erst fühlte er die ganze Allmacht seiner und ihrer Liebe – und jetzt erst erkannte der Sänger der Liebe, wie viel tiefer und kühner die Liebe im Frauenherzen lebte und es zu Kampf und Tat begeistert, als in der Mannesbrust, die dem Stolz den Vorrang gestattete. Beschämt gestand er: "Solche Grösse der Seele, die über alle Vorurteile sich erhebt, solche Grösse der Liebe glaubte ich bei keiner Frau zu finden! Ihr liesset mich nicht ahnen, dass Ihr um meinetwillen Alles opfern könntet!"
"Ich bin auch stolz," sagte sie, "und nach Eurer Erklärung blieb mir nichts, als mich in den Wunsch meiner Familie zu fügen, wie Ihr Euch fügtet. Scheurl warb um meine Hand – es erschien mir wie ein Schutz vor mir selbst, wenn ich sie ihm reichte. Ihr hattet sie verschmäht – da war mir ja Alles gleichgültig. Ja, ich bildete mir ein, wenn ich nicht mehr als Mädchen bösem Leumund ausgesetzt sei, könnte ich wieder mit Euch verkehren, meine Liebe auf den Pfad der Freundschnft zurücklenken. Dennoch wollt' ich diesen Schritt nicht ohne Eure Zustimmung tun. Noch hatte ich das bindende Wort nicht gesprochen, als ich Euch davon sagte – Ihr wünschtet wir ruhig Glück – und damit war mein Geschick entschieden."
"Und da es einmal so ist, da das Entsetzliche geschehen," sagte er nach einer Pause voll stummer Seufzer, heisser Tränen und noch heisseren Küssen, "so lasse uns versuchen, was Du hofftest – sei wieder meine Muse, meine Freundin –"
Sie entrang sich seinen Armen. "Nein," sagte sie zurückweisend, "was ich mir