edle Frauen und Jungfrauen Platz genommen. Unter ihnen strahlte vor Allen Elisabet Behaim durch Schönheit und Anmut ihres Wesens, wie durch die Pracht ihrer Kleidung hervor – und mit stolzer Haltung folgte sie dem Ritter, der ihr die Botschaft des Kaisers brachte: dass sie als die schönste Jungfrau Nürnbergs den Dichter krönen möge. Bisher hatte sie ihn nur von fern gesehen – nun stand sie dicht vor dem Knieenden und setzte zitternd den Kranz, den sie aus der Hand des Kaisers empfing, auf das edle Lockenhaupt, das sich vor ihr neigte.
Wie hätte nicht das leichterregbare Herz des Dichters erfasst werden sollen von diesem Augenblick und ihn als den schönsten seines Lebens preisen? Wer, dem jemals für das Ringen und Streben seines Genius eine ähnliche Anerkennung, so überraschend plötzlich und vor allem Volk zu teil geworden, könnte jemals wieder die höhere Weihe solcher Stunden vergessen? Und wie hätte Celtes, der schon durch seine Studien des klassischen Altertums gleicherweise wie durch sein feuriges Dichtergemüt zu dem Cultus der Schönheit sich hingezogen fühlte, nicht immer daran denken müssen, dass er den Lorbeerkranz zwar wohl auf den Wink seines Kaisers, aber doch aus den Händen einer Königin der Schönheit empfing? Er pries Elisabet als solche in seinen Liedern und verherrlichte sie als seine Muse in wohlgefeilten lateinischen Versen.
Das Geschlecht der Behaim, aus dem sie stammte, galt vor allen nürnbergischen nicht nur als eines der reichsten und angesehensten, sondern auch als eines der gebildetsten und gelehrtesten der Reichsstadt. Elisabet's Vater besass in Venedig ein eben so reiches Waarenlager als in Nürnberg und pflegte sich wechselnd an beiden Orten aufzuhalten; auch die Tochter, für alles Grosse und Neue empfänglich, dabei keine Mühe und Gefahr scheuend, hatte einmal mit ihm einige Zeit in Venedig zugebracht, obwohl damals Frauen nur selten zu reisen pflegten und bei den schlechten und oft gefahrvollen Wegen Vieles erdulden und entbehren mussten, auch wenn sie den reichsten oder höchsten Ständen angehörten. Elisabet's ältere Brüder waren mehr als gewöhnliche Kaufleute. Nicht nur dass sie sich auf das Geschäft verstanden und durch ihre kühnen Speculationen und grossen Handelsverbindungen fast mit allen Völkern der Erde in Verkehr waren, und sich dadurch jene Vielseitigkeit und jenen grossen Weltblick erwarben, der nur auf Reisen erlangt wird, hatten sie auch die gelehrten schulen Italiens besucht und auch daheim den Wissenschaften obgelegen. Besonders war es Martin Behaim, der ein Schüler Johannes Regiomontanus (eigentlich Camillus Johannes Müller) sich matematischen, astronomischen und andern gelehrten Forschungen widmete und sich gern damit beschäftigte, auch die Kenntnisse seiner Schwester zu erweitern. Jetzt war er freilich seit einigen Jahren entfernt, da er in Handelsgeschäften seines Vaters nach Portugal gegangen war und eben jetzt auf portugiesischen Schiffen mit Admiral Diego Can auf weitem Ocean trieb, den Seeweg nach Ostindien zu entdecken, zu dessen Auffindung Martin Behaim's scharfsinnige matematische Berechnungen die gegründetste Hoffnung gaben.
Der ruhmgekrönte Dichter Celtes fand bald Zutritt in diese ausgezeichnete Familie, welche die Wissenschaft so wohl zu schätzen wusste. Wie empfänglich er auch war für sinnliche Eindrücke und wie auch Elisabet's Schönheit ihn zu den ersten Versen an sie begeistert hatte und den Wunsch in ihm erregt, bei ihr Zutritt zu erhalten, er würde der schönen Form bald überdrüssig geworden sein, wenn er sie leer gefunden. So aber fand er sie von einem kühnen, beinah männlichen Geist belebt, ausgestattet mit allen Kenntnissen, in denen damals keine anderen Frauen so bewandert waren als die Töchter Nürnbergs und Augsburgs, und er verherrlichte sie nun erst recht in seinem von ihr verstandenen Latein als seine Muse.
Elisabet's Hand fand viele Bewerber, aber sie hatte bisher noch jeden abgewiesen; dem Einen galt sie dadurch für eine stolze Spröde, dem Anderen für eine kalte Gelehrte mit einem Mannesherzen im Busen, und Manche flüsterten von einem Fürsten oder vornehmen Ritter, mit dem sie ein heimliches verhältnis habe und der um seines Standes willen zögere sie heimzuführen, obwohl sie sich selbst gleich mancher stolzen Patriziertochter Nürnbergs nicht zu gering achte, einem Fürsten zum Altar zu folgen.
Ihr verhältnis zu Celtes gestaltete sich bald zu dem einer süssen Freundschaft, welche an jene zarten Bande gemahnte, welche meist die französischen Minnehöfe hervorgerufen. Sie war die Herrin und er ihr Dichter. Für alle seine Bestrebungen und arbeiten fand er in ihrem hochgebildeten Geist ein feines Verständniss und begeisternde Anregung. Wo ihr die eigenen Kenntnisse noch mangelten, da ward er ihr Lehrer, versorgte sie mit allen neuen Büchern und las ihr Alles vor, was er selbst verfasste. Zuweilen wohl wurde die klare Ruhe dieses schönen Wechselwirkens durch stürmischere Empfindungen gestört. Zuweilen, wenn sie allein waren – was nicht gerade oft der Fall war, da Elisabet's Mutter, oder eine jüngere Schwester oder auch ihre Brüder und andere Gelehrte sie oft umgaben – geschah es, dass seine Huldigungen sich nicht nur auf den Vortrag seiner Verse erstreckten, die davon voll waren, sondern dass er ihre hände küsste und sie in seine arme zog, oder dass sie selbst einen Kuss der Muse zum Lohn oder zur Weihe des Dichters auf seine Stirn drückte. Dies, für beide beglückende verhältnis währte weit über ein Jahr – und es hätte vielleicht noch lange so gewährt, wenn nicht die rohe Hand anderer Menschen zerstörend eingegriffen. Es gab auch schon damals genug scheelsüchtige Leute, gemeine Zuträger und unberufene Sittenrichter, die über die stolze Patriziertochter zischelten, welche die ebenbürtigen Bewerber verschmähe, und da der Fürst sie sitzen lasse, an den herzugelaufenen Poeten, den Bauernsohn, der Nichts sei