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erheben und läutern dürft und Tausende, die nach Euch kommen."

"Vielleicht ist dies das Schönere, vielleicht auch das Leichtere!" rief Ulrich; "aber das Höhere ist's, das eigene Sein und Leben selbst zu einem Kunstwerk verklären, das nur Segen spendet in dem Kreis, in den es trittso für Andere wirken und handeln und Euch opfern, wie Ihr getan!"

"Nein, Ulrich! keine Unwahrheit!" unterbrach sie ihn. "Mir gebührt kein Dank von Euch, denn ich hatte Euch zu danken, und hab' es nicht getan. Zwei Mal hab't Ihr mir Ehre und Leben gerettet, und ich floh Euch, um Euch nicht zu dankenich wollte es vergessen, dass dies meine Pflicht war. Als ich Euch zum ersten Male sah, folgte ich rücksichtslos meinem augenblicklichen Gefühl, und Ihr bereitetet mir dafür eine Demütigung, gegen die sich mein ganzes Wesen empörte; von diesem Augenblicke an war mir, als müsse ich Euch entweder hassen oder lieben, und ich fühlte dabei doch, dass ich entweder das Eine noch das Anderedurfte. Ihr kamet immer wieder in meinen Weg, auch ohne dass Ihr es wolltet; jetzt endlich kam der Augenblick, da ich Euch vergelten konnte, jetzt endlich durft' ich Euch sagen: Ulrich, nun sind wir quitt! – und – o Gottwas habe ich Euch denn gesagt!"

"Nur Aehnliches, als was ich selbst empfunden!" rief Ulrich. "Mein Tun und Fühlen glich dem Euern! Wohl uns, dass wir in diesem Kampfe nicht erlegen sind, dass er uns nicht hinabgezogen hat in den Pfuhl der Sünde oder auch nur in den Staub des Alltaglebens; er hat uns geläutert und erhoben zu jener einzig wahren Gemeinschaft der Heiligen, die im reinen Streben nach dem Höchsten Ersatz finden für die Schmerzen und das Entsagen, unter dem sie danach ringen. Eure Hand, Elisabet! Kein Fliehen und kein Suchen mehrein freudiger Triumph, zu wissen, was wir Ein's dem Andern dankenein Sieg des Geistes, der die Welt überwunden, indem er sie verklärt im Dienst der Kunst. Was ist der kurze Rausch des Erdenglückes gegen die Seligkeit eines Streben und Ringens, das nach Aeonen zählt und uns seine Wahrzeichen hinterlässt in ewigen Schöpfungen?"

Gross und herrlich standen die Beiden einander gegenüberals Priester und Priesterin des Ideals, dem, so lange die Welt steht, alle strebenden Geister nachringen, um es zu erreichen für sich selbst und die Menschheit, der sie dienen; der letzte Sonnenstrahl der hinter Gewitterwolken purpurumsäumt scheidenden Sonne fiel auf sie und umwob sie mit einem gemeinsamen Heiligenscheinda donnerten Männertritte draussen durch den Corridor.

Elisabet sagte zu Ulrich: "Ruft meinen Bruder!" und indess er die Tür des Chörleins öffnete, stürmte durch die entgegensetzte Zimmertür ein Mann in Bettlerkleidung herein, unter seinem Mantel zog er ein Schwert hervor, drang damit auf Elisabet ein, die arglos auf die Tür zugegangen war, stiess es in ihre weisse Brust und rief:

"Du entgehst Deinem Schicksal nicht!"

"Streitberg!" rief sie ausser sich und stürzte auf den Teppich nieder.

Es war ein Augenblick, und wenn auch in demselben noch die drei Männer zu hülfe sprangen, die alle unbewaffnet warendenn Ulrich wollte nicht das Schwert wieder tragen, das man ihn in der Bauhütte abgenommen, – so war es doch zu spätzu spät sogar einen andern Eindringenden abzuhalten, der Streitberg nachstürzte und diesen mit einem Wehgeschrei, ehe er sich dessen versah, mit seinem Schwert durchbohrte.

"Amadeus!" rief Konrad, den Mönch in der ritterlichen Tracht erkennend, indess Martin und Ulrich sich über Elisabet neigten und sie auf das Sopha hoben. Sie war ohnmächtig, aber sie lebte noch; Martin drückte ihr ein Tuch in die tiefe Wunde, Ulrich rief nach den Leuten, die schon von dem Lärm gelockt herbei kamen; sie liefen nach dem Bader und Doctor. Zwei Diener schafften Streitberg in ein Nebengemach. Eine Dienerin sagte, dass sie den zudringlichen Bettler vergeblich habe abweisen wollen, er habe sich durch die Tür gedrängt und sie einen Treppenabsatz hinabgeworfen. –

Amadeus erklärte, dass man ihm in Augsburg erzählt, dass eine Frau von Scheurl bei König Max gewesen und für einen zum tod verurteilten Baubruder, der seinen Vater aus dem Kloster befreit, gebeten habe; Amadeus war zurückgeeilt nach Nürnberg, um sich selbst auszuliefern und dadurch den Sohn zu retten. Durch Nürnbergs Strassen gehend, war er einem Bettler begegnet, der ihm aufgefallen. Er hatte Streitberg erkannt, und nichts Gutes ahnend, war er ihm nachgegangen, als dieser in Scheurl's haus verschwunden, Amadeus war zu spät gekommen die Untat an Elisabet zu verhindern; vielleicht aber wäre Ulrich ein zweites Opfer gewesenund so hatte er doch den Sohn gerettet.

Streitberg kämpfte nur einen kurzen Todeskampf. Als er auf der Flucht und versteckt erfahren, dass Weispriach gefangen war und dann, dass die Nürnberger es wagten den Ritter entaupten zu lassen, hatte er Rache geschworen und tollkühn wie er war, sich selbst als Bettler verkleidet nach Nürnberg begeben. Er sah Elisabet mit Martin am Fenster, da er ihr Haus umschlich; er sah auch Ulrich in dasselbe gehenda erwachte seine leidenschaft, er folgte ihr in blinder Wut, traf sein Opfer und fiel selbst von einer plötzlich eingreifenden Rächerhand.

So erklärte es