, ohne ihr danken zu dürfen. Sie, das einzige Wesen, das an ihn geglaubt und für ihn gehandelt, sie musste er wiedersehen, ihr danken, und sei es nur mit einem einzigen Wort; das war nicht wider sein Gelübde – umgekehrt hätte er sich eines Gelübdes geschämt, das ihm Undankbarkeit zur Pflicht gemacht, es sei gegen wen immer es sei. Aber er wollte nicht allein gehen; an dem Tage, an welchem sie selbst den Novizen Konrad zu sich beschieden, beschloss er diesen zu begleiten.
Konrad hatte im Kloster die erlaubnis erhalten, zu Frau von Scheurl zu gehen, die dem Abt hatte sagen lassen, dass sie nicht wolle, dass der Sohn büssen solle für die Schuld seiner Eltern, sondern dass sie selbst ihm zu dem verhelfen wolle, was ihm zukäme. Der Abt, der Elisabet's Grossmut und Freigebigkeit kannte, erwartete, dass sie ihm einen teil von dem ihr allein zugefallenen Vermögen Scheurl's, dessen Sohn überweisen werde, und erwartete daher von dem gang desselben zu ihr einen Vorteil für das Kloster – mit Freuden liess er darum den jungen Novizen gegen Nürnberg ziehen.
Dieser ging zuerst zu Ulrich und schüchtern, wie Konrad war, machte er Jenem selbst den Vorschlag, ihn zur Frau Scheurl zu führen.
Als sie in ihr Haus kamen, wurden sie sogleich zu ihr gelassen.
Martin Behaim hatte gerade auf einem Marmortisch, der in dem Chörlein stand, Karten und Zeichnungen ausgebreitet, weil hier das hellste Licht war, um sie seiner Schwester zu zeigen. In der Mitte des Tisches stand ein Globus, der Nürnberger Meister hatte ihn eben nach Martin Behaim's eigener Angabe vollendet – er war der e r s t e G l o b u s , den es jemals gab – und Martin freute sich des neuen wichtigen Werkes, das zugleich aus seinem Forschergeist und einer deutschen Werkstatt hervorgegangen, das der Wissenschaft neue Pforten öffnete und ihre Arbeit allen kommenden Geschlechtern erleichterte. Er hatte beschlossen, diesen ersten Globus seiner Vaterstadt zum Geschenk zu machen und sich damit selbst, ehe er sie für immer wieder verliess, ein Denkmal in ihr zu setzen, das sie und sich in gleicher Weise ehrte; aber die Erste, die seine Freude an dem gelungenen Werke teilen sollte, musste Elisabet sein, deren weitschauender Geist am ersten die Tragweite dieser neuen Erfindung, wenn nicht ganz beurteilen, doch mit jenen heiligen Schauern ahnen konnte, die bei jedem grossen Werke über sie kamen – mochte es nun eine grosse Tat sein, oder ein Kunstwerk, oder ein bahnbrechender Gedanke der Wissenschaft.
So stand sie auch jetzt mit strahlenden Augen neben dem Bruder, seinen Erklärungen lauschend, ihre kleine weisse Hand ruhte auf dem Südpol des Globus und ihr ausgestreckter Finger suchte die Stelle, auf der wohl jetzt Christoph Columbus schiffen mochte das ersehnte Land zu finden – ja vielleicht war dies der Augenblick, in dem er es gefunden. Sie trug noch Trauerkleidung, aber den Schleier hatte sie im Zimmer abgelegt, ihr glänzendes Haar war nur von einem schwarzen Band ein wenig aufgehalten und wallte in malerischen Locken auf die blendenden Schultern. Da hörte sie Tritte im Zimmer und trat hinein. Sie war schon in einer gehobenen Stimmung durch das Gespräch mit ihrem Bruder – sie blieb in ihr, da sie neben dem erwarteten Konrad auch den unerwarteten Ulrich sah, und hiess sie Beide willkommen.
Sie neigten Beide die Kniee vor ihr und wollten Worte des Dankes sprechen. Aber Elisabet hiess sie aufstehen, wenn sie nicht zürnen solle, und sagte zu Konrad:
"Euch liess ich zu mir entbieten, oder vielmehr zu meinem Bruder Martin Behaim, von dem Ihr vielleicht gehört. Ihr seid zu jung und hattet Euch zu innig an die hohe Kunst gehangen, um Euch und Eure Kraft in ein Kloster zu vergraben – unterbrecht mich nicht – ich weiss, dass nur der Zwang Euch dahin trieb und dass die Bauhütten Europas sich Euch verschliessen. Aber mein Bruder sucht Bauleute die ihn über das Meer zu begleiten, und auf jenen, nur von Heiden bewohnten Inseln kümmert man sich nicht um die Statuten dieser alten Welt: bringt Ihr nur Begeisterung mit für den christlichen Glauben und die christliche Kunst, so seid Ihr würdig in der neuen Welt die erste christliche Kirche bauen zu helfen – an Geld dazu aus dem Vermächtniss Eures Vaters, meines seligen Gemahls, soll es Euch nicht fehlen."
Konrad drückte begeistert und Freudentränen weinend Elisabet's Hand an seine Lippen und rief: "Ihr seid eine Heilige, die tote zu erwecken vermag – denn mir ist, als habe ich im grab gelegen und Ihr wecktet mich zu neuem Leben!"
"Geh't dort hinein zu meinem Bruder," sagte sie auf das Chörlein deutend, "er wird das Fernere mit Euch besprechen."
Konrad gehorchte, die Glastür des Chörleins zog er hinter sich zu.
"Ihr wolltet meinen Dank verschmähen, hohe Frau," sagte Ulrich erglühend, "dennoch ertrug ich's nicht; ich musste Euch wenigstens sagen, dass ich täglich für Euch bete, nicht nur mit den Lippen, noch nur mit meinem Herzen, sondern dass ich für Euch beten will mit meiner ganzen Kunst und Euch danken in meinen Werken!"
Sie gab ihm die Hand und sagte mit sanfter stimme: "Ich wollte, ich dürfte sprechen wie Ihr! Wohl Euch, dass Ihr Eure Empfindungen im Stein verewigen könnt und sie zu Kunstwerken verklären, an denen Ihr Euch selbst