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wider den Baiernherzog Albrecht, seinem Schwiegersohn, der sich ohne sein Wissen und Willen mit Friedrich's Tochter Kunigunde vermählt hatte, ein mächtiges Heer in's Feld gestellt, in welchem 2150 Reiter, 18,000 Mann Fussvolk und 57 Kanonen, von freien Rittern und Knechten aber 1600 gezählt wurden. Da erkannte Herzog Albrecht die Bedenklichkeit des Streites. Er sprach die hülfe seiner Vettern, der Pfalzgrafen an, doch selbst Herzog Georg von Landshut schrieb ihm ab und gab sogar die ihm verpfändete Markgrafschaft Burgau heraus, um nur den Frieden des Kaisers zu behalten. Er schrieb an die Reichsstände und erbot sich vor dem römischen Könige, vor den Kurfürsten von Mainz und Trier, dem Grafen Eberhard von Würtemberg, ja selbst vor des Bundes Häuptern wegen Regensburg vor Recht zu stehen: aber das Reichsheer achtete nur auf den Befehl seiner Führer, namentlich des Markgrafen Friedrich von Brandenburg, und bewegte sich vorwärts. Bei Stadel, wo die Herzöge Wolfgang und Christoph mit 200 Mann zu Pferde und einigen Hundert Mann Fussvolk hinzustiessen, ward eine brücke über den Lech geschlagen und das Heer hinübergeführt. Es nahm ein Lager bei Kaufring, unweit der schlagfertigen Baiern ein.

In diesem Augenblicke, wo man eine blutige Schlacht zweier deutscher Heere gewärtigte, erschien König Max im Lager und verkündigte, dass er einen Tag nach Augsburg zum Vergleich dieser Sache angesetzt habe, und dass Herzog Albrecht denselben mit der Absicht beschicken wolle, den Wünschen des Kaisers Genüge zu leisten. Brüderlich und dringend hatte Max seinen Schwager ermahnt, dem Unglück des deutschen Vaterlandes, auf dem ohnehin grosse Not und Teuerung lastete, durch verständige Nachgiebigkeit Einhalt zu tun, es nicht geschehen zu lassen, dass durch den Trotz der Fürsten Tausende ihrer Tapfern in den Tod gejagt würden, ohne dem vaterland einen Gewinn zu bringen. Seine Schwester Kunigunde hatte ihre Bitten mit den seinigen vereinigt, und so gab Albrecht endlich nach. Von frohen Hoffnungen beseelt kam Max in das Lager des Reichsheers, und nachdem er von dem Markgrafen Friedrich einen Waffenstillstand erlangt, nahm er die Bundeshauptleute H u g o v o n W a r t e n b e r g und W i l h e l m B e s s e r e r mit sich nach Augsburg, wo Herzog Georg schon mit Vollmacht seines Vetters Albrecht wartete und auf die an diesen gestellte Forderung solche Sicherheit gab, dass noch vor Ende des Waffenstillstandes der kaiserliche Fiskal J o h a n n K e ss l e r dem Heere den Austrag des Streites und die Einstellung der Feindseligkeiten verkünden konnte. –

Wie freute sich Max, dass es ihm endlich gelungen war die Seinen zu versöhnen, woran er seit acht Jahren vergeblich gearbeitet hatte! Keine Stunde länger als nötig mochte er im prächtigen Augsburg bleiben, sondern wollte zu Herzog Albrecht eilen, um ihn und Kunigunden mit sich nach Linz zu führen zu dem greisen Vater, damit er vor seinem Ende noch segnend die Hand auf das Haupt der erst verstossenen Tochter lege und zum ersten Male ihren Gatten als Sohn willkommen heisse! –

In diesem Augenblicke war es, als Elisabet von ibrem Bruder Georg und Stephan Tucher begleitet in Augsburg eintraf. Schon war der König zur Abreise gerüstet und sass mit Kunz von der Rosen beim Frühstück, um noch einen kräftigen Imbiss mit auf den weiten Weg zu nehmen. Noch einmal stiess dieser fröhlich mit ihm an auf das gelungene Friedenswerkda trat ein Edelknabe hastig ein, so dass Max aufbrechend rief: "Nun, sind die Rosse gesattelt und gezäumt? Auf mich soll Niemand zu warten haben!"

"Verzeiht," antwortete der Eintretende, "ich wollte wohl Eurem Befehl folgen, Niemanden vorzulassen, da Ihr durchaus nicht aufgehalten sein wollt; aber eine trauernde Dame verlangte von mir Euch gemeldet zu werden, und da ich mich dessen weigern wollte, gab sie mir diese Nadelich müsse sie Euch geben, dann werde sie nicht vergeblich bitten."

Max blickte sinnend auf die Nadel und fragte: "Hat sich die Dame nicht genannt? – In Trauer sagst Du? – Nun, führe sie nur herein!"

Aber Kunz hatte kaum die Nadel gesehen, als er rief: "Das ist Nürnberger Hand: Wahrhaftig, Ihr Könige hab't doch das schlechteste Gedächtniss, der Narr muss es immer für Euch habenselbst für Eure Narrheiten! Die Nadel schenktet Ihr einst der schönsten Nürnbergerin und ihrem Gatten zur Nadel den Adel! Wenn Ihr Elisabet Scheurl vergessen hab't, weil sie tugendhafter blieb als Andere, die Euch gefielen, so habe ich sie mir deshalb um so besser gemerktdenn ein Narr merkt sich die Ausnahmen immer besser, als die Regel."

Auch ohne diese Mahnung würde der König, als Elisabet selbst vor ihm stand, sogleich seiner schönen Wirtin und seines königlichen Wortes eingedenk gewesen sein, denn ihre Erscheinung übte denselben magischen Eindruck auf ihn wie einst, umhüllte sie auch jetzt die dunkle Trauerkleidung statt dem gewählten Putz, in dem er sie sonst gesehen.

Auf den Lippen des lustigen Rates erstarb vor ihrem blick auf diese Trauerzeichen und der schmerzlichen Bewegung, die aus Elisabet's Mienen sprach, wohl der Scherz, aber nicht die herzliche Anrede, mit welcher er sie begrüsste.

So fand sie schnell ein williges Gehör. Der König überreichte ihr die Nadel wieder und sagte: "Nehmt sie noch einmal aus meiner Hand als mein Versprechen Euer Gesuch zu gewähren, dafern das in der Macht des römischen Königs ist.