gekämpft, wenn die Versuchung kam in einem reizenderen Gewande, mit einem blick, der auch zum Himmel flog, in ihm den seinen zu begegnen – aber doch in irdisch schöner Form, an die er nie sich hingeben durfte! Der Schwärmerei widerstand er nicht, aber sie machte ihn nur begeisterter und wärmer und lockte ihn zu keiner Sünde. Nur der Versuchung, die von Elternhand ihm kam, hatte er nicht zu widerstehen vermögen. So wenig wie sein Dasein überhaupt ein Verbrechen war vor Gott, da es die Welt und zumal die Satzungen des Bundes, dem er angehörte, es doch dem Unschuldigen selbst dazu machten: so wenig war ein Verbrechen vor Gott, wenn der Sohn den Vater vom entsetzlichsten tod rettete, als dessen Ursache er sich selbst anklagen musste; aber es war ein Verbrechen vor der Welt und vor dem Gericht, dass er ihm ein Opfer entzog. Er war vor sich selbst auf der Hut gewesen, nicht nach seiner Mutter zu forschen, und da er erfuhr, wie nahe sie ihm war, und in's Claragässlein zog, um ihr noch näher zu sein: da hatte er dennoch jeder Versuchung widerstanden, sich und sie zu verraten; aber wie hätte er mögen die Mutter auf dem Sterbebette sich vergeblich nach ihm sehnen lassen – wie hätte er mögen dem eigenen Sehnen widerstehen, den letzten Segen seiner Mutter zu erhalten? Nun war es geschehen – nun war es vorbei; er hatte keine Mutter mehr, und ihr Segen war ihm doch zum Fluch geworden, der flüchtige Vater ahnungslos ihm selbst zum Verräter!
Er hatte nichts gewonnen und Alles verloren.
Als man ihn vor dem geistlichen Gericht verhörte, bekannte er wieder, was er vor dem Hüttenmeister bekannte.
Sein Urteil lautete in erster Instanz auf Tod durch das Feuer. Er vernahm es mit ruhiger Resignation. Mochte mit ihm geschehen, was da wollte – er gehörte ja nicht einmal in das Leben – seine blosse Existenz ward ihm ja schon zum Verbrechen angerechnet. Er hatte von aufgeklärten, begeisterten Männern sprechen hören, die in Kostnitz noch vor seiner Zeit den Flammentod für ihre überzeugung erlitten und auf dem Holzstoss noch fromme Triumphgesänge angestimmt hatten. Hätte er doch auch so leiden dürfen für eine höhere idee! Aber aus dem schönsten und freiesten Bunde, der zu seiner Zeit bestand, aus einem kunstgeweihten Leben war er ausgestossen worden, nur um eines blinden Vorurteils Willen – und sterben sollte er für eine Tat, zu der sein Gewissen und natürliches Gefühl ihn gedrängt. Das war es, warum er nur bitter lächelte und nicht freudig, da ihm das Todesurteil verkündet ward.
Aber es konnte noch nicht sogleich vollzogen werden, denn die Schöppen vom Nürnberger Stadtgericht bedurften seiner als Zeugen im Prozesse wider die Juden. –
Der Rat von Nürnberg trachtete danach eine gelegenheit zu ergreifen, sich der Juden für immer zu entledigen. Konnte zu den vielen Anklagen, welche gegen sie vorlagen, sich nun noch die gesellen, mit den Raubrittern geheime Verbindungen unterhalten zu haben, so hoffte der Rat endlich vom Kaiser die erlaubnis zu erhalten, die Juden ganz und für immer aus der Stadt zu vertreiben. Es durfte daher nicht versäumt werden, neue Schuldbeweise gegen sie vorzubringen, und dazu sollte nun auch Ulrich mitelfen. Denn Martin Behaim, der von Elisabet erfahren, dass sie Ulrich's Kunde die Rettung seiner Schätze verdanke, wollte sich ihm dankbar erzeigen, und hatte ihn als den Ueberbringer des Vogels genannt. Es war wichtig von ihm zu erfahren, wie er in den Besitz desselben gekommen, und ob er wirklich, wie man munkelte, "diese Nachricht einer hübschen Judendirne abgeschwatzt" und welche Beweise er für die Beteiligung der Juden an jenem Raub etwa zu schaffen wisse.
Indess hatte Elisabet Scheurl den Propst Kress gesprochen und von ihm erfahren, wie es um Ulrich stand. Er jammerte ihn – aber da er nicht absah, was er selbst tun konnte, das Geschick des ausgestossenen Baubruders zu mildern, war er nun selbst auf der Hut das seinige nicht mit ihm zu verknüpfen; sah er aber ohne Gefahr für sich selbst eine Möglichkeit Ulrich zu retten, so war sie ihm tausendmal willkommen. Als ihn daher Elisabet für ihr Vorhaben in's Vertrauen zog und dafür wieder Vertrauen von ihm verlangte, da gab er es ihr mit Freuden und verheimlichte ihr nichts, was ihr bei ihrem Vorhaben förderlich sein konnte. So ernst und heilig ihm die Sache war – es spielte doch ein schlaues Lächeln um seinen Mund: er behielt doch recht, dass der Baubruder vor den Augen der stolzen Elisabet Gnade gefunden; dass die Angst, welche sie um ihn empfand, der Entschluss, auch das Aeusserste zu seiner Rettung zu versuchen, mehr war als Dankbarkeit – ja, er ging in seinem Misstrauen noch weiter: er begriff wohl, dass Elisabet's unbegrenzter Stolz ihr nicht erlaubt hatte die hülfe des Königs für sich selbst anzurufen, da sie derselben bedurft hätte, dass sie nicht ertragen mochte, sich ihm verdächtigt und erniedrigt zu zeigen – aber er dachte, dass sie wohl gern eine gelegenheit benutze, König Max wieder an sich zu erinnern.
In der Tat war es eine günstige Zeit, in welcher sie nach Augsburg kam. König Max hatte eben eine der schönsten Handlungen seines Lebens getan: einen unheilvollen Krieg im Herzen Deutschlands und deutscher Heere wider einander verhindert und damit gleichzeitig inmitten der eigenen Familie endlich Frieden und Versöhnung gestiftet.
Der schwäbische Bund hatte, dem Aufruf Kaisers Friedrich gehorsam,