, "sagtet Ihr, sei sein Oheim? Ich muss ihn noch heute sprechen, er wird mich näher über Ulrich unterrichten können – vielleicht mich zum Könige begleiten."
Noch war Clara bei Elisabet, als Martin und Georg Behaim kamen, begleitet von Stephan Tucher, seinem Vater und auch dem andern Loosunger Herrn Holzschuher.
Was wollten die beiden Loosunger bei ihr mit der freundlichen Amtsmiene? Sie richtete sich stolz empor und trat ihnen mit imponirender Würde entgegen.
Die beiden alten Herren verneigten sich, küssten Elisabet's Hand und Georg sagte: "Heute ist ein Tag, an dem die Behaim endlich gerächt und gerechtfertigt worden. Der Ritter, der uns so frech bestohlen, hat durch das Schwert geendet, und durch ihn hat es sich sichtbar gezeigt, wie die Heiligen noch Macht haben, das Werk der Teufel zu zerstören und an's Licht zu bringen und gut zu machen, was die Gottlosen beschlossen hatten böse zu machen."
"Ihr werdet gerechtfertigt sein und Euer seliger Eheherr gerächt!" sagte der alte Herr von Tucher. "Wir kommen selbst zu Euch, um die ersten zu sein, Euch dazu unsern Glückwunsch zu bringen und Euch unserer Ehrerbietung zu versichern."
Sie meinten Elisabet in einen Freudensturm ausbrechen zu sehen oder ein Wort des Dankes von ihr zu erhalten – aber sie sagte ruhig, als habe sie diese Ueberraschung längst erwartet: "Ich war auch nahe daran zu verzweifeln an diesem hochedlen Rat von Nürnberg, der ohne Ursache und Recht es wagen konnte, die witwe eines ihrer Mitglieder unglimpflich zu behandeln."
Herr Holzschuher biss sich in die Lippen; er meinte, dass sie doch ausserordentlich glimpflich mit einer Verdächtigen verfahren seien – sie hatten ihr gefängnis und Tortur erspart! Und nun erzählte Herr Tucher in langer förmlicher Rede, wie Katarina auf der Folter endlich Alles eingestanden, was sich wirklich ereignet hatte – wie sie geglaubt, das Gift, das ihr die alte Jacobea gegeben, sei nur ein Schlaftrunk. Man habe sich dieser bemächtigen wollen, aber sie sei nicht aufzufinden gewesen. Der Ritter von Weispriach hatte dieselbe Jacobea als Hehlerin, Kupplerin und Giftmischerin angegeben, wie auch, dass sie in einer Waldhöhle, die er genau beschrieb, einen Schlupfwinkel habe für sich und geraubtes Gut. Dort hatte man sie aufgegriffen. Zwar hatte es lange gedauert, ehe sie gleich Katarinen bekannte, aber endlich hatte sie doch die Folter nicht länger ertragen, die ganze Wahrheit war an den Tag gekommen und dadurch Elisabet's Unschuld.
Beide Frauen wurden zu einem schimpflichen tod verurteilt: sie sollten gesackt werden und von der brücke in die Pegnitz geworfen – um auch durch diese Todesart die venetianische Gesetzgebung nachzuahmen. Durch Elisabet's Fürsprache für Katarina ward es erlangt, dass sie ihren Sohn Konrad vor ihrem tod noch sollte sehen dürfen.
Elftes Capitel
Des Narren Gnadenspende
Das Schrecklichste war Ulrich geschehen: er war ausgestossen aus dem heiligen Bruderbund der freien Steinmetzen, dem er seine ganze Seele und sein ganzes Leben geweiht hatte – was nun noch geschehen mochte, kümmerte ihn nicht mehr. Ob er lebendig begraben werden und verhungern sollte, vielleicht in demselben grauenvollen Gewölbe, dem er seinen Vater entrissen; ob er bestimmt war, auf einem Holzstoss zu enden, ein Opfer unseliger Vorurteile – welche Marter und Qual man sonst für ihn ausgesonnen, das liess ihn gleichgültig. Die grässlichste Marter hatte er erlebt – das war da gewesen, als man in der Bauhütte ihn verurteilte und sich von ihm lossagte, als jeder Baubruder einzeln und auch sein Freund Hieronymus zu ihm sagen konnte: "Ich habe keinen teil an Dir!"
Für ihn schien es kein Wesen mehr zu geben, das teil an ihm hatte! Auch der Propst Kress, sein oheim, musste sich von ihm gewendet haben. Während seiner Verurteilung war er wieder krank und nicht mit in der Hütte gewesen; aber wie Ulrich erfuhr, hatte der Propst über Ulrich's Herkommen, das dieser allerdings selbst verraten, die ausführlichste Aufklärung gegeben, in der Bestürzung, in die er geraten, als er fand, dass die längst geführte Untersuchung nun nicht mehr zu unterdrücken war. Sich selbst stützte er ausser auf seine geistliche Würde auf das Recht des Stärkeren, das Amadeus und Ulrich gegen ihn geübt, und dem er unterlegen sei. So war ihm der Propst ein freundlicher gönner im Glück, ein Beistand und Berater auch in der Not gewesen, so lange er sie glaubte von Ulrich und sich abwenden zu können; aber da trotz seiner Warnungen und Versuche, dem Unheil zu begegnen, es endlich doch über Ulrich kam: da nahm er es an, dass dieser alle Schuld sich selbst auflud – und suchte sich selbst davon zu befreien.
Um Vater und Mutter litt Ulrich diese Qual. Ein Leben voll ungestillter sehnsucht nach dem Sohne hatten sie geführt; redlich mit sich gekämpft, um seinetwillen auf ein Wiedersehen mit ihm zu verzichten, damit er nie das unselige geheimnis seiner Geburt erfahre – und nun, nach so langer Zeit hatten sie es doch verraten! Nun hatten die segnenden Elternhände auf seinem Haupt geruht – es waren nur Augenblicke gewesen voll Kampf und Qual und Wehmut – und wie teuer waren sie erkauft! Wie hatte Ulrich nur allein seiner hohen Kunst gelebt! wie war ihm jede Versuchung leicht gewesen zu überwinden, die ihn einmal zum Niedern ziehen wollte, schon allein durch diesen heiligen Schwung seiner Seele, die vom Gemeinen und Rohen sich abgestossen fühlte! Wie redlich hatte er mit sich