!" rief Ulrich, als er auf allen Gesichtern Spuren des Abscheus, der Verachtung oder des Spottes sah; "haltet ein, meine Eltern solchen Frevels zu beschimpfen; ein grausames Geschick hatte sie getrennt, und sie wählten das Kloster erst vor zwölf Jahren, um zu büssen und zu entsagen."
"Es mag so sein," sagte der Hüttenmeister, "aber Dir geziemt zu schweigen; Du bist ausgestossen aus unserem Bund! ein Unreiner, der niemals daran hätte teil nehmen sollen. Lege dein Werkzeug hin und kniee nieder."
Ulrich gehorchte schweigend, sein Antlitz ward todtenblass und er suchte es in seinen Händen zu verbergen.
Der Hüttenmeister stiess ihn mit dem fuss noch tiefer nieder, schritt über ihn hinweg, spie ihn an und sagte: "Du Unreiner! wir haben keinen teil an Dir! Unsere Hütte ist beschimpft und entweiht unsere heilige Kunst, wenn wir Dich noch länger unter uns dulden. Mögen Dich die Profanen richten, wie Du es verdienst, uns bist Du nichts mehr, denn Du bist uns zum Schandfleck geworden, und Dein Steinmetzzeichen wird vertilgt werden, wo man es nur findet!"
Bei den letzten Worten war es Ulrich, als zertrete der schwere Absatzstiefel des Hüttenmeisters sein Haupt – einen solchen Schmerz fühlte er innerlich bei diesem Spruch in dem Sitz seiner Gedanken, die hochaufstrebend schon Unsterbliches geschaffen und noch mehr zu schaffen gehofft – aber schon schritten der Werkmeister und der Pallirer auch über seine zu Boden geworfene Gestalt und wiederholten denselben Spruch:
"Wir haben keinen teil an Dir!"
Und so folgten alle Gesellen mit demselben Spruch, schritten über Ulrich und spieen ihn an.
Jetzt kam auch Hieronymus an die Reihe. Er zögerte; da traf ihn ein prüfender blick des Hüttenmeisters – Hieronymus musste; wenn er nicht tat wie die Andern, so machte er sich zu dem Mitschuldigen und Genossen des Ausgestossenen. Noch bleicher als dieser, der für den Freund errötete, ward Hieronymus Antlitz, als er über ihn hinweg schritt und zitternd stammelte:
"Ich habe keinen teil an Dir!"
Diesmal war es Ulrich, als habe der Fusstritt sein Herz getroffen und zertreten. Mochten nun noch die Lehrlinge, die unmündigen Knaben, ihre Füsse über ihn heben und ihn beschimpfen; mochte nun noch mit ihm geschehen was da wollte – er hatte das Aergste erlebt: der Freund, für den er sein Leben hatte opfern wollen, der jetzt nur, weil Ulrich alle Schuld auf sich allein nahm, ganz frei ausging – der hatte auch sagen können: "Ich habe keinen teil an Dir!" Wen gab es denn nun noch, an dessen Teilnahme er glauben durfte? –
Die traurige Ceromonie, die an diesen Akt der Ausstossung sich knüpfte, währte zwar lange, aber endlich war sie doch vorüber.
Zwei Steinmetzgesellen hoben Ulrich auf und begleiteten ihn zur tür, ihm diese öffnend. Dann stiessen sie ihn mit den Füssen hinaus auf den Platz, auf welchem die Gerichtsdiener seiner mit Ketten harrten, und sagten: "Nehm't ihn hin! er ist kein freier Maurer mehr – wir haben keinen teil an ihm!" –
Zehntes Capitel
Todesurteile
Elisabet war in ihrem eigenen haus eine Gefangene – sie erklärte selbst es sein zu wollen, bis auch jede Spur des entsetzlichen Verdachtes von ihr genommen, den die Bosheit auf sie geworfen. Wie gross auch das Ansehen war, in welchem das Geschlecht der Behaim stand, gerade jetzt, da Martin diesen Namen auch im Ausland zu hohen Ehren gebracht hatte: so gewannen doch jetzt täglich Elisabet's Feinde mehr und mehr Oberhand im Rat, und selbst die meisten Männer und Frauen, die ihr früher gehuldigt und geschmeichelt, verläugneten sie jetzt um so mehr, damit man im Fall, dass Elisabet wirklich verurteilt werde, es vergesse, dass sie einst mit ihnen freundschaftlich verbunden gewesen.
Nur Ursula und Clara Pirkheimer waren unter den Nürnbergerinnen ihr treu geblieben und suchten ihr im Leide beizustehen, wenn nicht mit Rat und Trost – da sie selbst oft weniger hatten, als die geistesklare Elisabet, doch mit den Beweisen ihrer Treue und einer anhänglichkeit, die eben erst jetzt die erste gelegenheit fand sich zu bewähren.
An dem Tage, an welchem Elisabet in das Verhör beschieden ward, war Ursula auch bei ihr und sagte:
"König Max hat einen Tag nach Augsburg ausgeschrieben zum Vergleich zwischen Herzog Albrecht den Baiern und dem Kaiser Friedrich. Mein Eheherr brachte mir diese Kunde und er hofft, dass der König binnen Kurzem in Augsburg sein werde. Dortin will er reiten und dem König sagen, wie die Nürnberger gegen Dich verfahren, und er wird keinen Augenblick zögern ihnen bessere Sitten zu lehren und Dich zu beschützen. Aber sollte Stephan vielleicht den König nicht treffen oder nicht selbst bei ihm Gehör finden, so gieb ihm die Nadel mit, die er Dir einst schenkte – jetzt ist es Deine Pflicht sie zu benutzen."
Elisabet blickte stolz und zürnend auf: "Welch' ein Vorschlag!" rief sie. "Was kann mir an einem Schutz liegen, der nicht ein Schutz meiner Ehre ist? Und wie möchte eine Bürgerin dieser freien Reichsstadt ein gekröntes Haupt anrufen, dem Nürnberger Rat Vorschriften zu machen, die dieser nicht bedarf? Für Euch gibt es keinen Schutz als meine Unschuld, und keine Rettung als durch sie."
Ursula sagte: "Gewiss wird sie einst an den Tag kommen, aber wer weiss, ob sich die Sache bald aufklärt! Wenn ein