denn ich weiss es, und Du wirst wohl ahnen, durch wen."
Ulrich blickte auf und sagte nach einer Pause: "Ich tat es, aber ich allein, Niemand ausser mir hat daran eine Schuld; Hieronymus hat aus Freundschaft gelogen, wenn er sich dazu bekannt – er kann nur durch Eure fragen das erste Wort davon erfahren haben."
"Und wie konntest Du Dich dessen erfrechen," sagte der Hüttenmeister streng, "wie Dich unterstehen, Dich so aufzulehnen wider die Entscheidung eines geistlichen Gerichtes und der Gerechtigkeit des Klosters ein Opfer zu entziehen? Wer eines solchen Verbrechens fähig, wie Du jetzt eingestanden, der wird keinen Gehorsam, kein Gebot der Kirche oder unserer Brüderschaft mehr heilig halten, der muss ausgestossen werden aus der Bauhütte, die von ihren Mitgliedern Reinheit, Gehorsam und Treue fordert. Doppelt hast Du Dich versündigt, denn der, dem Du aus dem Kloster halfst, war nicht allein ein Verbrecher an seinem Orden, sondern auch an uns, den Dienern der geweihten Kunst, da er eines ihrer herrlichsten Werke aus schändlichem Mutwillen zertrümmerte; solch' ein Scheusal von einem Menschen –"
"Das ist er nicht – haltet ein!" rief Ulrich ausser sich.
"Er ist es!" donnerte der Hüttenmeister, "und Du bist es mit, weil Du es wagen kannst, ihn zu verteidigen, es wagtest, um dieses Ungeheuers Willen nicht nur den heiligen Klosterfrieden zu brechen, sondern auch Dein Gelübde und damit den ganzen erhabenen Bund der Maurerei in Dir und durch Dich, als einem ihrer Gesellen zu schänden. Du brauchst Dich nun nicht mehr zu scheuen, Alles zu gestehen, denn Du kannst nichts mehr sagen, das Dich unseres Bundes unwürdiger machte, als diese Tat! – Geh' hinaus und zertrümmere auch Dein letztes Werk, und dann leugne noch, dass Du ein Verbrechen begangen, indem Du den Meissel gebrauchtest, diesen Heiligtumschänder zu befreien – oder hast Du auch nur ein einziges Wort zu Deiner Entschuldigung zu sagen?"
"Nur ein einziges!" antwortete Ulrich tonlos.
"Nun?"
"Amadeus wäre frei ausgegangen, wenn ich nicht an dem Tabernakel die Frevlerhand erkannt und auf Untersuchung gedrungen hätte. Ich war an seinem Loose schuld."
"Das hatte Dich nicht zu kümmern, Du hattest recht daran gehandelt und die Strafe war des Sünders würdig – das ist keine Entschuldigung für Dich."
"Nun denn, ich habe Wahrheit geschworen – Ihr sollt sie haben; besser, dass ich so selbst ein unschuldig Schuldiger den Stab über mich breche, als dass Ihr es tut. Mein geständnis wird mich nicht retten – aber vielleicht rettet es das Werk meiner hände, und Ihr erlasst mir die Strafe, die Ihr drohtet. In demselben Augenblick, da ich den Frevler am Tabernakel angeklagt, erfuhr ich, dass ich der grössere war – ich entdeckte in ihm meinen Vater."
Der Hüttenmeister hörte dies voll Verwunderung und sagte: "Das ist eine sonderbare Ausflucht; – sie ändert auch nichts an der Tatsache."
"Ich mag dieselbe Strafe verdienen nach den Gesetzen," sagte Ulrich, "aber vor menschlich fühlenden Herzen und christlichen Brüdern verdiene ich Entschuldigung. Ich allein trage die Schuld und bin Verantwortung schuldig; wenn man Andere angeklagt hat, als hätten sie teil daran, so hat man sich vom Scheine täuschen lassen – ich habe keine Genossen und Helfershelfer dabei gehabt, ausser solchen, welche nicht wussten, um was es sich handelte."
"Hieronymus, der Novize Konrad und sogar – der Propst Kress sind mit Dir angeklagt!" sagte der Hüttenmeister. "Jene haben Dir geholfen Amadeus aus dem Kerker zu befreien, und dieser hat ihn hier bei sich versteckt. Ich sage Dir dies, damit Du nicht durch unnützes Leugnen die Sache in die Länge ziehst."
Ulrich geriet in Feuer: "Ich will es beschwören mit jedem heiligen Eid: Hieronymus ist unschuldig! Konrad hat nichts getan, als mir den Weg zu Amadeus' gefängnis gezeigt, ohne meine Absicht zu kennen, und der Propst – nun, Ihr wisst, der ehrwürdige Herr hat eine einzige Schwäche – er war nicht nüchtern, da ich und Amadeus ihn auflauerten und ihn zwangen, uns in der Propstei eine Nacht zu behalten. Werdet Ihr nicht lieber mich, als den allein oder doppelt Schuldigen bestrafen wollen, denn zugeben, dass über diese menschliche Schwachheit unsers Gottesjunkers verhandelt werde? Möglich, dass er Euch lieber alles Andere eingesteht, denn dass er trunken war und seiner Sinne nicht mächtig; aber ich kann es beschwören; es war so." Und nun bekannte Ulrich aufrichtig, aber alle Mitschuld der Andern mit auf sich nehmend, Alles ohne Rückhalt, was er getan hatte.
"Du hast also selbst das Vergehen eingestanden," sagte der Hüttenmeister. "Du musst an das geistliche Gericht abgeliefert werden, wir haben nichts weiter mit Dir in dieser Angelegenheit zu tun. Aber es gibt noch andere Anklagen wider Dich. Man beschuldigt Dich nicht nur, dass Du das Judenmädchen habest verführen wollen, sondern dass Du Dich an die Frau von Scheurl gedrängt, oder Dich hast von ihr verführen lassen – vielleicht zum Ehebruch – vielleicht zum Mord –"
Einen Augenblick erbleichte Ulrich, denn diese Anklage kam ihm doch unerwartet. Stolz sagte er: "Solch' ungerechter Anklage gegenüber habe ich keine Antwort, als meine Unschuld zu beschwören." Seine weiteren Aussagen über diesen Punkt stimmten mit denen des Hieronymus