Ich will bekennen!"
Aber damit trachteten nur die unglücklichen Opfer unmenschlicher Grausamkeit sich zu entziehen. Als Katarina sich wieder frei von den Eisenstangen und Schrauben fühlte, die ihre Glieder zu zerreissen drohten, fürchtete sie gleichwohl noch eben so sehr als vorher die Wahrheit zu bekennen, und um nur etwas Neues zu sagen, sagte sie eine neue Unwahrheit.
Sie erklärte, dass sie allerdings in jener verhängnissvollen Nacht den Herrn Scheurl habe nach haus kommen hören, und dass sie dann später noch in das Schlafzimmer seiner Gemahlin gerufen worden. Hier habe ihr diese den Beutel mit dem Gold gegeben und gesagt, sie solle morgen wieder abziehen und dafür dieses Geld erhalten, wenn sie sich dem füge, ohne weiter etwas zu sagen, auch nicht dass sie noch diese Nacht mit ihr gesprochen. Sie, Katarina, habe gemeint, dies sei aus Eifersucht der Herrin geschehen, und habe sich gefügt. Am Morgen, eben da sie ihr Bündel habe schnürren wollen, sei das Schreckliche geschehen, und man habe sie um dieses falschen Scheines Willen verhaftet.
Wenn etwas hiervon sich als wahr erwies, so bekam die Sache eine andere Wendung und der Verdacht fiel auf Elisabet – jetzt gerade um so mehr, als Katarina gar nicht versuchte ihn auf diese zu werfen, sondern sich auch dabei ganz unschuldig und unbefangen stellte – in der Tat auch so suchte ihr eigenes Gewissen zu beruhigen; denn Katarina gehörte eben noch nicht zu den schlechtesten Creaturen und dachte nur an Selbsterhaltung. So lange als möglich wollte sie diese versuchen, ehe sie ein anderes Wesen für sich büssen liesse. Auch hoffte sie, die angesehene Patrizierin werde vor dem Rat von Nürnberg einen bessern Stand haben, als die fremde Regensburgerin.
Jedenfalls machte diese Aussage doch ein Verhör Elisabet's nötig, Katarina gewann Zeit, und was in solcher Lage Alles galt: sie hatte ein paar Tage Ruhe vor der entsetzlichen Folter und ihre geschundenen arme und hände konnten sich wieder ein wenig erholen.
Neuntes Capitel
Die freien Maurer
Am Tage, nach dem Ulrich am Sterbebett seiner Mutter gewesen, war er mit Hieronymus der erste vor der Bauhütte; bald darauf kam der Pallirer dieselbe zu öffnen, aber es fehlte fast noch eine halbe Stunde an der bestimmten Zeit.
Ulrich sah aus wie nach einer durchwachten Nacht und seine Augen glänzten doppelt schwärmerisch als gewöhnlich.
"Fehlt Dir etwas?" sagte Hieronymus teilnehmend; "Du bist so früh gekommen?"
"Weil ich nicht weiss, wie lange ich noch kommen werde!" antwortete Ulrich wehmütig. "Du gehörst hier immer mit zu den ersten, es freut mich, dass Du es auch heute bist – es drängt mich noch mit Dir zu reden."
"Du bist so feierlich!" sagte Hieronymus; "mir liess es auch keine Ruhe heute Dich zu sehen – das Geschick der Scheurlin beunruhigt Dich doch wohl, auch wenn es nur Mitleid ist."
"Nein," sagte Ulrich fest, "das ist es nicht – sie ist nicht schuldig."
Hieronymus schüttelte verdrüsslich den Kopf: "Wenn ich nicht Dein Freund wäre und Dir mehr vertraute als den Reden der Leute, so könnte ich bei dieser Behauptung Dich doch in demselben Verdacht haben wie meine Mutter –"
"In welchem?" fragte Ulrich, da Hieronymus stockte, und sah ihn fest und flammend an.
"Dass es dieses Weib Dir angetan!" sagte Hieronymus, und schlug doch die Augen nieder, weil er sich dieser Aeusserung schämte.
Ulrich lächelte: "Ihr könnt Recht haben im gewissen Sinne, nur nicht etwa in dem, der jetzt die Gemüter verwirren will mit dem Glauben an Hexen und Zauberspuk. Aber warst Du nicht der erste, der mir diese Elisabet zeigte, nicht nur als das schönste, sondern als das aufgeklärteste Weib von Nürnberg? Und war es nicht in demselben Augenblick, als ich die Rose wegwarf, die aus ihrer Hand mich getroffen? Hab' ich sie nicht gemieden wie jedes Weib, hat sie nicht dasselbe mir getan und hat nicht Deine Mutter gleich Dir sie gerade darum gescholten, weil sie dadurch undankbar erschien? Ob eben durch dies Schelten, durch diesen ungerechten Verdacht, ob durch ihre Schönheit oder durch Alles, was ich von ihr sah und hörte, durch die Zeichen ihrer Geisteshoheit, die nur in einzelnen Zügen und Worten sich mir offenbarten – ich weiss es nicht: aber ich habe durch sie erst eine Ahnung bekommen von der Macht und Grösse des Weibes – durch sie erst gefühlt, dass unser Gelübde, seine Gemeinschaft zu fliehen, ein schweres ist, das, wenn wir in allen Versuchungen treu an ihm fest halten, uns Kraft geben muss, auch jeden andern Kampf im Leben oder in uns selbst siegreich zu bestehen. Die Bewunderung, die ein schönes Kunstwerk uns einflösst, die Andachtsschauer der Verehrung, die ich zuweilen empfand, wenn ich zur Himmelskönigin betete, das Mitleid mit dem Leiden und Dulden anderer heiligen Frauen, denen wir Monumente und Altäre weihen – das hab' ich für diese Elisabet empfunden, und rechne mir diese Gefühle nicht als Sünde an, um so weniger, als ich an ihre Tugend glaube und sie meiner Verehrung würdig finde. Ich wäre nur unglücklich, wenn ich an ihr irre werden müsste. Unser Gelübde der Entsagung bereue ich darum nicht, es erscheint mir nur in einem andern Lichte: ein Freibleiben und Losgerissensein von irdischen Banden und Pflichten, die dem Genius Fesseln anlegen können, der nur frei und allein