, als den Männern zur Unterhaltung oder Pflege zu dienen. Es schien ihm darum nicht ganz unwahrscheinlich, dass seine Frau über Elisabet ziemlich richtig urteilte, und er säumte nicht, unter den Ratsherren und Schöppen diese Ansichten zu verbreiten.
Als nun Ezechiel mit seinen Anklagen und Mitteilungen über Ulrich zur Hallerin kam, so fand er natürlich bei ihr nicht nur Gehör und Glauben, sondern sie wusste auch einen ihrer Vettern Bernard Holzschuher, den sie schon immer in's Vertrauen gezogen, der selbst Schöppe und einer der einst von Elisabet abgewiesenen Freier war, zu bewegen, dass er die Anklage wider Ulrich von Strassburg und Hieronymus erhob und zwar zuerst bei dem Hüttenmeister der St. Lorenzhütte; waren die Baubrüder aus dieser ausgestossen, so konnte dann weiter gegen sie verfahren werden.
Für Katarina Haller war es auch beschämend und quälend, dass der Ritter Axel von Weispriach, auf dessen Aufmerksamkeiten einst sie und Beatrix Immhof stolz gewesen, jetzt als ein Placker, Strassenräuber und Reichsfriedenbrecher verhaftet war, und dass man ihn, um ein Beispiel zu geben und die Macht der freien Reichsbürger diesem herabgesunkenen Adel gegenüber zu zeigen, unfehlbar zum tod verurteilen und hinrichten werde. Beatrix hatte wohl persönliches weibliches Mitleid für ihn – Katarina kannte solche bessere Empfindungen nicht, aber sie schämte und ärgerte sich, mit einem Strassenräuber, der nun den Tod für seine Verbrechen leiden sollte, getanzt zu haben, und hasste den Ritter doch doppelt, weil er sie zu einem Bubenstück verleitet hatte, dessen Ausführung doch nur an Meister Dürer's Ehrlichkeit und Vorsicht gescheitert war. Wenn diese geschichte vielleicht noch an den Tag kam, so war sie zugleich der Verachtung und Lächerlichkeit Preis gegeben – sie, die sich immer so ihrer Tugend und Unbescholtenheit rühmte, gewissenhaft auf die Befolgung der kleinlichsten Regeln der hergebrachten Sitten hielt und unbarmherzig über Alle den Stab brach, welche auch nur in den kleinsten Dingen davon abwichen, geschweige denn, wenn sie sich ein wirkliches Vergehen dagegen zu Schulden kommen liessen. Katarina sagte sich, dass, wenn es möglich sei, dass sie jetzt eine derartige Demütigung erfahre, sie doch zuvor an Elisabet noch eine grössere erleben oder ihr bereiten müsse – es koste was es wolle.
So arbeiteten die sittenstolze Patrizierin, der schmutzige Jude und die verrufene alte Kupplerin gleichzeitig an dem Untergange der edelsten Menschen, die damals in Nürnberg lebten, und die eben darum nur in feindliche Conflikte mit ihren Nebenmenschen gerieten, weil sie über die Vorurteile derselben erhaben und ihrer Zeit vorausgeeilt waren. –
Indessen hatte die Untersuchung über den Tod Christof von Scheurl's vor den geschworenen Schöppen ihren gang.
Elisabet selbst hatte vermutet, dass ihr Gemahl am Abend vor seinem tod bei dem Propst Kress zum Nachtmahl gewesen sei. Auf Befragen bestätigte dies derselbe, und weder für ihn noch die andern Gäste hatten die aufgetragenen speisen und Getränke eine schädliche wirkung gehabt, so dass man etwa auf eine zufällige Vergiftung oder ein sonst gewaltsam herbeigeführtes Unwohlsein hätte schliessen können. Martin Ketzel war mit Scheurl bis an dessen Strassenecke nach haus gegangen und erklärte, dass derselbe zwar etwas angetrunken gewesen sei, aber nicht mehr als gewöhnlich, und dass ihm sonst nichts an ihm aufgefallen; übrigens gehörten beide Herren zu denen, welche versicherten, dass Elisabet gewiss vollkommen unschuldig sei, dass Scheurl ihr in allen Stücken vertraut und mit ihr einig gewesen sei – er habe ihr nie etwas in den Weg gelegt und sie ihm nicht.
Die gefangene Magd Katarina gab in der Angst ausweichende und widersprechende Antworten. Sie schwor hoch und teuer, an dem Mord unschuldig zu sein; die Frau Scheurl aber sei auf sie eifersüchtig gewesen und wolle nun deshalb die Schuld auf sie wälzen. Die Inquisitoren mussten bei dieser Antwort lachen, da das Alter und das wenig Anziehende, welches die Inquierentin noch besass, einen solchen Fall sehr zweifelhaft erscheinen liessen – zumal im Vergleich mit der schönen Frau Scheurl. Katarina antwortete zwar auf dieses Gelächter, dadurch empört mit der Behauptung, dass sie beweisen und beschwören könne, wie Herr Scheurl ihr zugetan gewesen – war aber dabei auch nicht so schlecht, Elisabet der Tat zu beschuldigen, sondern beteuerte nur ihre eigene Unschuld.
Man hatte in ihrer kammer den Beutel mit Gold
gefunden, welchen sie von Scheurl erhalten; Elisabet und andere Hausbewohner erkannten diesen als den Scheurl's, und Katarina versicherte, dass er ihr eben diesen gegeben, weil er Gefallen an ihr gefunden. Auf die Frage, wann dies geschehen sei, antwortete sie ausweichend, dass sie das nicht genau mehr wisse.
Der Beutel aber war das gefährlichste corpus delic
ti.
Herr Martin Ketzel erklärte auf späteres Befragen,
dass er diesen Beutel noch am Abend des Nachtmahls in der Propstei bei Herrn Scheurl gesehen – die Herren hatten gespielt, was freilich nicht mit zu Protokoll genommen ward, denn schon hatte der immer auf Alles sorgfältig bedachte Rat gewisse Beschränkungen, das Kartenspiel betreffend, erlassen, das, obwohl noch nicht lange erfunden, doch bereits in bedenklicher Weise einzureissen drohte, aber die "Genannten" kehrten sich selten selbst an die von ihnen erlassenen Verbote: – der Beutel konnte also erst nach Scheurl's Heimgange in Katarina's hände gekommen sein.
Als man Katarina dies in einem spätern Verhör
vorhielt, verwickelte sie sich in neue Widersprüche.
Diese zu beseitigen, hielt man damals die Tortur für das wirksamste Hülfsmittel.
Katarina hielt nur den ersten Grad der grässlichen Marter aus, dann errang sie sich Erlösung von dem schrecklichen Instrument mit dem Jammerruf der Verzweiflung:
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