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hielt er sie von dieser Stunde an eingesperrt und gestattete ihr nicht anders als an seiner Seite das Haus zu verlassen.

Darum hatte sie auch Ulrich eingeschlossen gefunden.

Ein Nachbar hatte ihn kommen sehen und das Ezechiel verraten. Ein neuer Grund für diesen, Rachel sorgfältig bewacht zu halten, aber auch in Verbindung mit den Gerüchten, die in der Stadt über Elisabet und dem Baubruder umliefen, und die nun nicht allein von ihren Feinden verbreitet waren, zu ahnen, dass gerade er es war, welchen Rachel zum Vermittler gewählt.

Der Jude gehörte zu den Creaturen, die aus allen Dingen, wie nachteilig sie im Anfang auch scheinen mögen, am Ende doch einen Vorteil für sich selbst zu ziehen wissen. eigentlich hatte seine Tochter, der er, durch Jacobea aufgehetzt, nicht mehr hatte trauen mögen, ja ganz in seinem Sinne gehandelt, ihm in die hände gearbeitet. Hatte so doch Rachel eine nächtliche Zusammenkunft Ulrich's mit Elisabet in ihrem eigenen haus veranlasstwie es später durch andere übereinstimmende Nachrichten vor Ezechiel sich aufklärtehatte sie so doch ganz einfach und schnell bewerkstelligt, was seine List vergeblich bei beiden Teilen versucht hatte, erschien es nun nach dieser Tatsache doch leicht, eine Schuld auf Beide zu werfenzunächst auf den Baubruder, der alle Frauen meiden sollte, und doch zu gleicher Zeit an das verachtete Judenmädchen, wie an die hoffärtige Patrizierin sich drängte.

Nun hörte er plötzlich, dass diese der Verdacht traf, ihren Gatten vergiftet zu haben: wahr oder nicht, daraus musste sich ein Vorteil ziehen lassenja, selbst wenn es kein specieller gewesen: für den schadenfrohen Juden lag ein grosser Triumph darin, eine so vornehme Christin, die ihn und seine Dienste mit Verachtung von sich gewiesen, so gedemütigt und in Gefahr zu sehen.

Als er gleichzeitig hörte, dass Weispriach gefangen sei und Streitberg entkommen, sank ihm freilich der Mut. Wenn Weispriach angab, dass, wo er den Räuber und Stehler, der Jude oft genug den Hehler gemacht, so hatte er auch für sich selbst zu fürchten. Indess vertraute er auch noch jetzt seiner Gewandteit im Lügen und Heucheln und dem Umstand, dass er vielen Mitgliedern des grossen Rates sich unentbehrlich zu machen verstanden und immer bei seinem Handel wie bei seinen Handlungen die Politik verfolgt hatte, von Allen, mit denen er in Berührung kam, etwas zu erfahren, das sie zu verschweigen wünschten, und sie dadurch, wie er's nannte, "an's Fädchen" zu bekommen, daran er, wenn nicht sie, doch sich selbst im Notfall halten konnte.

Als Jacobea zu ihm kam, hütete sie sich wohl ihm zu verraten, dass die eingesteckte Katarina ihre Muhme war, und noch mehr, dass es wahrscheinlich ihr eigenes Gebräu, an dem der Herr von Scheurl gestorben.

"Meinet Ihr nicht," sagte sie zu dem Juden, "dass wir nun dem Steinmetzgesellen Ulrich alle seine Feindschaft wider uns vergelten könnten, wenn es hiesse, dass er mit Anteil an dieser Mordtat habe? Bei den freien Maurern ist ja Alles geheimdie haben gewiss auch Geheimmittel, profane Menschen aus der Welt zu schaffen, und machen sich gar kein Gewissen daraus, wenn es nur nicht welche sind von ihrer Zunft Es geschieht ihnen ja nichts, wenn sie nicht vorher aus dieser ausgestossen werden, da sie sich nach ihren eigenen Gesetzen richtenund davon erfährt Niemand etwas, weil es immer heissen soll, dass die Baubrüder besser sind als andere Leute."

"Oho!" rief der Jude, "habe gewartet nur bis heute, da ich habe gegeben Bedenkzeit dem Ulrich von Strassburg mir zu sein zu Willen oder zu fürchten meine Rache; habe ganz andere Dinge wider ihn zu bringen, als Ihr meintwird bald gekommen sein seine letzte Stunde. Ihn und den Hieronymus klag' ich an, dass sie im Benediktinerkloster haben fortgeholfen einem Mönch, der verurteil gewesen zum tod; der ist dann lange verborgen gewesen in Weispriach's Burg, wo ich ihn habe erkannt an Sachen, die mir die Baubrüder abgenommen, und habe selbst erfahren die ganze geschichte, die bisher nur die Leute still gemunkelt."

"Aber was wird man geben auf das zeugnis des Juden?" warf Jacobea ein.

Ezechiel lachte: "gibt es doch genug Christen, die trotzdem, dass sie sich für etwas Besseres halten und meinen, sie wären alle Brüder, und ihre Religion zusammengesetzt aus lauter Liebe, eine rechte Schadenfreude daran haben, wenn sie wider einen solchen christlichen Bruder können böses zeugnis reden, es sei wahres oder falsches. Und zumal nun eine christliche Schwester gegen christliche Schwesterndiesmal bin ich ganz gewiss meiner Sache. Hab' ich Euch nicht einmal gesagt, dass die Frau Katarina Hallerin, da der letzte Reichstag hier war, hat bei mir gehabt versetzt silberne und goldene Armleuchter, damit ich ihr Geld darauf leihekönnt' ich der erweisen einen grösseren Dienst als ihr gelegenheit zu geben, die Scheurlin zu verderben sammt dem Baubruder, der Gnade gefunden vor ihren Augen, wie sie vor den des Königs?"

Wohl musste Jacobea dem Juden zu einer solchen Verbündeten Glück wünschen, deren Vertrauen sie freilich sich verscherzt, da es ihr misslungen war, den Goldschmied Albrecht Dürer zur Anfertigung einer Nadel für sie, wie die war, welche Frau Scheurl vom König geschenkt erhalten, zu veranlassen. Katarina Haller, die Gattin des Bürgermeisters und die Tochter des Loosunger Holzschuher,