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gefährlichen Feindin zu entledigen oder sie doch zu demütigen, die scheinheilige Sünderin. Sie sei ihrem Mann auch nicht treu und habe ihn doch nur um seines Reichtums Willen geheiratet, er aber müsse ganz nach ihrer Pfeife tanzen.

Dies war der Hauptinhalt von Jacobea's Schilderung, die sie in allen möglichen grellen Farben immer wieder neu aufzutragen suchte und die ihre wirkung bei Katarina nicht verfehlte. "Zufällig weiss ich," sagte Jacobea, "dass Frau Elisabet eine ihrer Dienstmägde fortgejagt, an der Herr Scheurl Gefallen gefunden, und noch keine neue Magd dafür hat; kein grösserer Possen könnte Ihr geschehen, und Euch und mir kein grösserer Gefallen, als wenn sie Euch an deren Statt in das Haus nehme, vielleicht Euch gerade trauend, weil Ihr schon bei Jahren seid, und wenn Ihr dann ihr und ihm einmal fühlen liesset, dass Ihr gerade viel ältere Rechte auf ihn hab't als die hochmütige Gemahlin."

Frau Katarina lächelte sehr wohlgefällig zu diesem Plan, und beschloss ihn auszuführen und gleich morgen ihr Heil zu versuchen. Freilich durfte sie sich nicht merken lassen, dass Jacobea sie sende, obwohl sich diese damit abgab, Gesinde zu vermitteln, aber so, dass ihre hülfe meist nur von Bademeistern, Gastwirten und andern Leuten von zweifelhaftem Rufe angenommen ward, da nur gemeine Dirnen ihre Vermittlung beanspruchteneben so wenig, dass sie mit ihr verwandt und bekannt war und jetzt ihre erste Nacht unter ihrem dach zugebracht.

Katarina ging daher am andern Tage wie sie gekommen mit ihrem Bündel Sachen als eine Hülfesuchende aus Regensburg, die dafür ihre Dienste anbot, zu Frau Elisabet, und ward glücklich von derselben sogleich als Magd behalten, da Elisabet Mitleid hatte mit der Lage der unglücklichen Flüchtigen und meinte: man könne es ja mit ihr versuchen und sehen, zu welcher Art von Arbeit sie sich am besten eigne.

Katarina war noch rüstig und anstellig, aber freilich war sie nach zwanzig Jahren voll Arbeit und sorge keine verführerische Schönheit mehr, als welche einst Herr Scheurl sie in Regensburg getroffen, noch war dieser überhaupt im stand in der neuen Dienstmagd, die er, weil sie nahe an den Fünfzigen war, keines Blickes weiter würdigte, eines von den vielen Frauenzimmern wieder zu erkennen, an denen er einst ein sinnliches Wohlgefallen gefunden. Und Katarina hütete sich wohl ihn an sich zu erinnern, ehe ihr dazu eine passende Stunde erschien.

So waren ein paar Wochen vergangen, in denen sie zuweilen heimliche Zusammenkünfte mit Jacobea gehabt und von ihr Ratschläge oder Aufträge empfangen hatte.

Dieser lag daran, den Ring Streitberg's wieder zu erhalten, den Ezechiel an Elisabet verkauft und den Jacobea in ihrem Besitz haben wollte, weil sie wusste, wie Streitberg zürnte, dass sein Pfand in diese hände gekommen, und dringend verlangte es wieder zu haben. Gelang dies Jacobea's List eher als der des Juden, so war damit auch dieser, der jetzt mit ihr zerfallen war, wieder in ihren Händen. Sie hatte darum Katarina den Ring geschildert und jetzt erfahren, dass ihn diese auch gesehen, wie er mit andern Ringen an einem goldenen Kettlein befestigt sei, dass Elisabet immer an sich trage, und zwar, weil sie zu viel Ringe besass, um alle an ihre Finger zu bringen. Sie hatte ihren Schmuck, wenigstens den, welchen sie täglich zu tragen pflegte, auf ihrem Nachttisch neben ihrem Himmelbett liegen, und es war also nur möglich sich dessen zu bemächtigen, während sie schlief oder doch ehe sie Toilette gemacht hatte.

Jacobea gab Katarinen ein kleines Pulver, von dem sie versicherte, dass es einen sehr langen Schlaf erzeuge, wenn es in einem Getränk genossen werde, und dass sie während dessen sich gewiss werde in Elisabet's Schlafzimmer schleichen können, in dem diese seit ihrer Krankheit und Genesung allein schlief. Dann solle Katarina die Kette mit den Ringen auf den Boden werfen und die Ringe darauf herumrollen lassen; Elisabet werde dann bei ihrem Erwachen gewiss meinen, dass dies durch sie selbst oder einen Zufall geschehen, und wenn nur ein Ring sich nicht gleich wiederfände, nicht anders vermuten können, denn dass er in einer Ritze der Diele oder Mauer verschwunden sei. –

Jetzt wartete Katarina nur auf die günstige gelegenheit, sowohl Elisabet diesen Streich zu spielen, als auch mit Scheurl allein zu sprechen, sich ihm zu erkennen zu geben und ihn zu fragen: ob er zeitlebens sie gut versorgen wolle, oder ob sie seiner Gemahlin und ganz Nürnberg erzählen solle, was sie bisher nur um ihres Sohnes Willen verheimlicht.

In einer späten Abendstunde hatte Elisabet noch nach einem Becher Met und wasser verlangt, und da die Magd, welche sie zunächst zu bedienen, an- und auszukleiden pflegte, einmal hatte ausgehen dürfen und noch nicht zurück war, so hatte Katarina sich beeilt deren Stelle zu versehen.

Jetzt kam sie eben mit dem schöngeformten silbernen Becher, der innen vergoldet und aussen von goldenen Blumen umrankt war, die Treppe herauf, in der andern Hand eine brennende Lampe, als sie den Hausherrn hinter sich herkommen hörte. Die gelegenheit war günstig, jetzt konnte sie ihn allein sprechen, ihm in sein Zimmer leuchten, und nicht eher von ihm weichen, bis er sie erkannt und ihr Alles versprochen hatte, was sie wünschte. Elisabet konnte warten; sobald Katarina mit Herrn Scheurl einig geworden, hatte sie ohnehin nicht mehr Lust, sich länger von dessen Gemahlin befehlen zu lassen, und diese Demütigung galt ihr mehr als der Verdruss, den